Sichere IT-Infrastruktur

IT-Tools wie ein Schweizer Messer

Hauptaufgabe der IT-Abteilung ist es, für das Unternehmen eine zuverlässige, performante und sichere IT-Infrastruktur bereitzustellen und wirtschaftlich zu betreiben. Dazu benötigen sie vielseitige Softwaretools, die wirksame Hilfestellung leisten und ihnen Arbeit abnehmen – anstatt zusätzliche Komplexität und hohen Einführungs- und Bedienaufwand mit sich bringen.

Wenn auch bei vielen Unternehmen das Thema Umsetzung noch am Anfang steht, ist für die Marktforscher von IDC eines ziemlich deutlich: Die deutschen Unternehmen stehen nicht mehr – wie noch vor zwei Jahren – vor der Frage, ob sie sich überhaupt mit Cloud Computing beschäftigen sollten. Vielmehr sind Cloud-Services, ob Public oder Private, im Markt angekommen.
Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen planen daher, ihr Budget dafür zu steigern bzw. erstmalig zu investieren. Sie gehen ihre Aktivitäten gezielt an und suchen vor allem Antworten auf die Fragen, wann und wie sie beim Thema Cloud einen Schritt vorwärts kommen. Ziel ist die Optimierung von Performance, Kosten, Verfügbarkeit, Skalierbarkeit, Flexibilität und/oder Sicherheit der IT-Systeme.

Gerade im Mittelstand soll hier auch das Netzwerk- und Systemmanagement Fortschritte bringen – durch Automation des IT-Betriebs inklusive der Rollouts von Patches und Upgrades, durch Überwachung, Absicherung und Kontrolle aller IT-Ressourcen und durch eine effiziente Störungsbehebung. In der Praxis machen Mittelständlern hier zwar sehr vieles gut – aber so manches liegt doch im Argen.
Vorintegrierte Komponenten senken den Managementaufwand
„Wenn wie beim Vblock das Management auf ein Minimum reduziert ist, die Performance durch vorintegrierte Komponenten optimiert und zusätzlich auch Sicherheitsfunktionen schon eingebaut sind, kann der CIO im Mittelstand den Nutzern in seine Unternehmen eine verlässliche Leistung anbieten und auch die Einhaltung von Richtlinien sicherstellen“, rät EMC-Experte Marc-Philipp Kost zum Einsatz vorintegrierter IT-Bausteine à la AS/400, Apple oder eben den jetzt von EMC gemeinsam mit Cisco und Vmware lancierten Vblocks. „Der CIO hat dann weitaus weniger Probleme damit, die Erwartungen der Geschäftsführung an einen zuverlässigen und sicheren Betrieb der IT zu erfüllen.

„Mittelständler wollen vor allem eins: Zeit und Kosten sparen“, weiß Alexander Neff, Geschäftsführer DACH bei Quest Software. Er will ihnen helfen, die sich kontinuierlich ändernden Anforderungen zu erfüllen. „Effizienzsteigerungen müssen sein“, so Neff weiter, „denn sonst ist das Ziel der Mittelständler, mehr mit kleineren IT-Budgets zu erreichen, nicht möglich.“
Dazu gilt es, die früher üblichen stressigen und zeitraubenden „Feuerwehr-Einsatze“ der IT-Experten tunlichst zu vermeiden, die Ursachen von Fehlern oder Störungen im IT-Betrieb schnellstmöglich finden und beseitigen mussten. „Service-Desks werden heutzutage von Tools proaktiv informiert, wenn Probleme auftauchen, anstatt sich von entnervten Anwendern darüber in Kenntnis setzen zu lassen“, ist für Controlware-Expertin Jacqueline Trouvain ein erster, richtiger Schritt in Richtung Automatisierung und Effizienz getan.

„Melden Management-Tools Probleme einzelner Infrastruktur-Komponenten wie Router, Serven oder gar Firewall, so werden bisher leider noch immer nicht alle Einsatzmöglichkeiten konsequent ausgeschöpft“, bemängelt Controlware-Fachfrau Trouvain. Hier sei die Aussage, welche IT-Services von dem Ausfall betroffen sind, hilfreicher als die reine „Rot/Grün“-Meldung einer Firewall, dass eine Verbindung nicht hergestellt werden konnte. „Der thematische Zusammenhang wird bei deutschen Mittelständlern leider noch nicht so ganzheitlich und Service-orientiert betrachtet, wie es im Enterprise-Umfeld schon üblich ist“, kritisiert Jacqueline Trouvain.

Oft hapert es am integrierten Servicemanagement

„Viele Mittelständler haben ein Netz- und Systemmanagement, aber kein integriertes Service-Management“, legt auch Stefan Härtlein, Consulting Engineer NMS bei Cisco, den Finger in diese Wunde. Das werde jedoch immer wichtiger, speziell wenn man an komplexe virtualisierte Umgebungen denkt, in denen virtuelle Systeme und Netzwerke miteinander verschmelzen. „Mittelständler haben bisher auch über Themen wie Zugangs- und Sicherheitsmanagement selten nachgedacht“, ergänzt Härtlein – und verweist auf die resultierenden Probleme bei der Integration verschiedener mobiler Endgeräte. Auch bei Inventory- und Livecycle-Management hapere es noch oft.

„Mittelständler bauen sich mit einer erstaunlich schlanken Organisation sehr viele Funktionen eines Netzwerk- und Systemmanagements auf. Und viele davon werden sehr professionell durchgeführt“, stellt Dirk Löhmann, Leiter Mittelstands- und Channel-Vertrieb bei HP Software, seiner Kritik ein dickes Lob voran. „Auf der anderen Seite findet man nach wie vor Silo-Strukturen in der IT. Abteilungsübergreifende Prozesse und Werkzeuge für das Netz- und Systemmanagement sind selten. Dadurch werden die Prozesse verlangsamt, und eine Abbildung der Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen IT-Domänen ist kaum möglich.“

„Im Falle eines Netzwerk- oder Systemausfalls stehen Werkzeuge zur Analyse und Reparatur zur Verfügung“, beobachtet Ismail Elmas, Geschäftsführer Deutschland bei BMC Software. „Wir sehen Optimierungsbedarf im proaktiven Netzwerk- und Systemmanagement, denn die rechtzeitige Vermeidung von Fehlern zahlt sich aus und verbessert die Servicequalität.“
Virtualisierung und Cloud-Umgebungen versprechen zwar ökonomischen Nutzen sowie Vorteile in der Flexibilität und Kapazität. Dazu gilt es nach Ansicht des BMC-Chefs Elmas aber, Anforderungen vorherzusagen und Leistungen zu optimieren. „Kapazitätsmanagement in der Cloud basiert nicht nur auf historischen Daten, sondern verarbeitet auch Planungsdaten und erstellt Kapazitätskalender, um die optimale Auslastung der verfügbaren Ressourcen zu gewährleisten“, so Elmas. „Wichtig ist es, dass das Performance-Management und Trouble Shooting proaktiv arbeitet, um komplette Serviceausfälle zu verhindern und darüber hinaus den gesamten Service zu betrachten und nicht nur einzelne Transaktionen.“
Leistungsspitzen aus externen Rechenzentren abrufen.

EMC-Experte Marc-Philipp Kost sieht das anders, denn dank einer virtualisierten und cloudfähigen Infrastruktur müssen sich Systemadministratoren nicht mit der Optimierung der Cloud beschäftigen. „Richtig ist, dass die eigene Private Cloud so groß dimensioniert werden muss, dass auch das erwartete Maximum an Leistung abgefordert werden kann“, verweist Kost auf das Konzept der vorintegrierten Vblock-Bausteine. „Sollte diese nicht reichen, kann ein weiteres Vblock schnell hinzu gestellt werden. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass die Private Cloud auch die Vorstufe zu einer Hybrid Cloud sein kann, dann lassen sich Leistungsspitzen aus einem externen Rechenzentrum abrufen - ohne dass der Nutzer davon etwas merkt.“

Cisco-Fachmann Stefan Härtlein will in Zukunft auch mit entsprechenden Tools die Komplexität der virtualisierten Umgebungen reduzieren. „In virtualisierten Umgebungen beginnen Netzwerk und Systeme aus konfigurativer Sicht eine Einheit zu werden“, so Härtlein. „Integrierte Lösungen für proakives Monitoring, Konfigurations- und Performance-Management, die auch Netzwerk - und System-Hypervisor gemeinsam betrachten, könnten uns da einen entscheidenden Schritt weiter bringen.“

Um virtualisierte Umgebungen gut in den Griff zu bekommen, empfiehlt HP-Experte Dirk Löhmann eine gemeinsame Datenbasis– zum Beispiel eine CMDB –, die den aktuellen Status der physikalischen und virtualisierten Umgebung kennt. „Diese Datenbasis  sollte proaktiv alle Änderungen mitgeteilt bekommen“, so Löhmann weiter. „Dann kann ein kompletter Abhängigkeitsbaum der IT- und Business-Services mittels Automatismen erstellt werden. Die Werkzeuge für Monitoring und Performance Management sind Konsumenten dieser Datenbasis. Sie erkennen schneller, wo der Fehler liegt und welche Services davon betroffen sind.“
Wichtig sind auch Integration und Automatisierung. Da im Mittelstand oft eine sehr heterogene Tool-Landschaft eingesetzt wird, sollten sich diese Organisationen überlegen, ob sie darüber eine Integrations-Schicht legen, die dabei hilft, die Werkzeuge prozessorientiert zu verknüpfen. Eine dafür sehr geeignete Technologie ist Run-Book Automation. Damit lassen sich fast alle Werkzeuge ansteuern und Abläufe über Workflows automatisieren.

Beispielsweise könnte ein solches System, ausgelöst durch einen Incident, selbständig bestimmte Suchfunktionen ausführen und dann ein Ticket im Service Desk automatisch öffnen. Viele Standardprozeduren wie Server-Patching lassen sich ebenfalls automatisieren. In virtualisierten oder Cloud-Umgebungen ist das notwendig, weil man hier oft schnell auf Veränderungen in der Systemumgebung und bei der Auslastung reagieren muss.

Einmal lernen, dann alle IT-Welten managen

Wichtig bei der Tool-Auswahl ist laut Quest-Chef Alexander Neff darauf zu achten, dass sowohl physische, virtuelle und Cloud-Umgebungen unterstützt werden. „Wir kommen aus der realen Datencenter-Welt, sind aber in der Lage, unsere Lösungen bis hin zu Cloud-Umgebungen schnell umzusetzen“, arbeitet Neff die Vorteile für Anwender heraus. „Sie benötigen kein Training. Unternehmen können mit unseren Anwendungen direkt von physischen Umgebungen zu Cloud-Services wechseln.“ Die ganzheitliche Betrachtung sei wichtiger als nur der reine Fokus auf Cloud-Services, der zu kurz gedacht sei.

Entscheidet sich ein Mittelständler für den Einsatz von Software zur IT-Systemverwaltung, so unter der oftmals restriktiv wirkenden Budget-Betrachtung: leistungsstark sollte sie sein und auf wenige Kernaufgaben konzentriert. „Idealerweise sollte eine IT-Systemverwaltung – mit Betrachtung von eingesetzten Tools und angepassten Betriebsabläufen bzw. Prozessen gemäß Pareto – 80 Prozent der gängigsten Betriebsaufgaben abdecken“, empfiehlt Controlware-Expertin Trouvain. „Auf dem Markt gibt es durchaus genügend Anbieter von IT-Management-Tools, mit denen eine Balance zwischen Best Practice und Budgeteinsatz realisiert werden kann.“

Schnelle Erfolge, geringe Komplexität

Die Tools müssen schnelle Erfolge bringen, keine zu große Komplexität haben und möglichst viele Funktionen ohne kundenspezifische Anpassung liefern. „Es ist sehr hinderlich, wenn viel Aufwand in die Werkzeuge gesteckt werden muss, bevor man sie überhaupt wie gewünscht nutzen kann“, weiß HP-Experte Löhmann. „Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob mittelständische Unternehmen unbedingt die Expertise und Ausrüstung im eigenen Haus halten müssen. Es gibt sehr gute kleine und lokale IT-Dienstleister, die in der Lage sind, die Tools zu betreiben und zu warten. Die IT-Abteilung im mittelständischen Unternehmen muss das Werkzeug dann nur noch nutzen.“

Der Mittelstand betrachtet Bedienung und Kosten geeigneter Software-Tools mit Blick auf die Bereitstellung von IT-Services durch die IT-Abteilung. Zum Beispiel erleichtern laut Trouvain Teildisziplinen wie automatisierte Softwareverteilung oder Konfigurationsmanagement den IT-Betrieb deutlich, ohne die Komplexität zu vergrößern. „Die Automatisierung nimmt dem Administrator hier aufwendige Arbeitsschritte ab“, hat Trouvain eine Faustregel parat. „Wenn der Grad der Entlastung deutlich über dem Aufwand für den Betrieb des neu eingesetzten Tools liegt, lohnt es sich – besonders für die im Mittelstand meist unterbesetzte IT-Abteilung.“


Auch Mangementmängel pushen Cloud Computing

70 Prozent der im Frühjahr 2011 befragten 235 deutschen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern arbeiten an einer Cloud-Strategie, so ein Fazit der IDC-Studie „Transformation der Unternehmens-IT auf dem Weg in die Cloud, Deutschland 2011“. 29 Prozent der Befragten wollen Cloud-Services in so vielen Bereichen wie möglich nutzen und beabsichtigen eine relativ breit angelegte Herangehensweise. 41 Prozent der Unternehmen sind hingegen etwas zurückhaltender und planen, das Thema langsamer anzugehen. Diese Gruppe strebt den Einsatz von Cloud-Services bei Teilen ihrer IT an. Nur sechs Prozent der Unternehmen schließen zurzeit die Einführung von Cloud-Services für ihr Unternehmen gänzlich aus.

Demnach wird also künftig ein Mix aus unterschiedlichen Sourcing-Modellen wird die IT-Landschaften bestimmen, wobei der Markt aktuell leicht zur Private Cloud tendiert und dabei den Betrieb im eigenen Rechenzentrum bevorzugen würde. „Dies zeigt, dass sich die Unternehmen momentan mit der Migration zur Private Cloud  wohler fühlen“, folgert IDC-Expertin Lynn Thorenz. „Wir gehen deshalb davon aus, dass zukünftig vor allem hybride IT-Umgebungen in den Unternehmen entstehen werden, denn die Befragten, die einen schrittweisen Ansatz vorziehen, wollen Teile ihrer IT in die Cloud verlagern oder eine Mischung aus Private und Public Cloud nutzen.“

Im Zusammenhang mit Public-Cloud-Services bestimmen nach wie vor Sicherheitsbedenken die Diskussion. Governance (34 %) und Compliance (24 %) sowie Zweifel an der Performance und Verfügbarkeit (24 %) sind die hauptsächlichen und meist genannten Hürden für eine weitere Verbreitung von Public Cloud Services.

Neben dem fehlenden Know-how sehen die Befragten aber vor allem einige Kernvoraussetzungen für den Aufbau einer Private Cloud noch nicht ausreichend erfüllt. Dies betrifft zum einen die dafür nötige Standardisierung und Konsolidierung der IT-Umgebung und zum anderen die ebenso nötige Virtualisierung. Außerdem haben die Unternehmen noch nicht die notwendigen (richtigen) Tools zum Management einer Private Cloud im Einsatz.
Genau diese Hemmfaktoren bei der Private Cloud sieht IDC-Experte Matthias Kraus als Argumente für Public Cloud-Services. „Um Services aus der Public Cloud zu nutzen, muss die interne IT-Infrastruktur nicht erst modernisiert, konsolidiert, virtualisiert usw. werden. Die Unternehmen können sich diese Investitionen in Hardware, Lösungen, Zeit und Ressourcen teilweise sparen und auf direktem Wege vermutlich viel schneller neue Technologien durch Public Cloud-Services einsetzen“, fasst Kraus zusammen.

www.idc.de/consulting/mc_cloud2011_reg.jsp

 

Bildquelle: iStockphoto.com/rphotos

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