17.07.2017 Mobile Recruiting

Jobsuche: Smartphone statt Bewerbungsmappe

Von: Paula Hansen

Fachkräftemangel ist ein häufig gebrauchter Begriff, wenn es um die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter jüngeren Alters geht. Die Frage lautet: Müssen auch Mittelständler der sogenannten Generation Y entgegenkommen, indem sie Dinge wie Mobile Recruiting anbieten? Mircea Popa, Geschäftsführer von Jobninja, meint: ja.

  • Smartphone statt Bewerbungsmappe: Medienwechsel in der Jobsuche

    Smartphone statt Bewerbungsmappe: Medienwechsel in der Jobsuche

  • Mircea Popa, Geschäftsführer von Jobninja:  „Viele Branchen haben aktuell Probleme, ausreichend und vor allem gutes Personal zu finden. Aber auch Unternehmen, die ausreichend viele Bewerbungen erhalten, klagen über Besetzungsprobleme.“

    Mircea Popa, Geschäftsführer von Jobninja: „Viele Branchen haben aktuell Probleme, ausreichend und vor allem gutes Personal zu finden. Aber auch Unternehmen, die ausreichend viele Bewerbungen erhalten, klagen über Besetzungsprobleme.“

ITM: Herr Popa, warum gestaltet sich Ihrer Meinung nach gerade die Personalgewinnung in der Generation Y für Mittelständler schwierig?
Mircea Popa:
Viele Branchen haben aktuell Probleme, ausreichend und vor allem gutes Personal zu finden. Aber auch Unternehmen, die ausreichend viele Bewerbungen erhalten, klagen über Besetzungsprobleme. Gründe hierfür sind beispielsweise mangelnde Bewerberqualität oder ein falscher Eindruck, der durch die Bewerbungsunterlagen vermittelt wird.

ITM: Wie kann Mobile Recruiting an dieser Stelle helfen?
Popa:
Die Generation Y wird in nächster Zeit einen Medienwechsel in der Jobsuche einleiten. Eine Studie am Institut für Personalwirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München hat ergeben, dass die Befragten das Smartphone inzwischen genauso oft für die Jobsuche nutzen wie den Computer. Recruiting muss also mobil werden, um langfristig junge Bewerber zu erreichen. Wer dabei nicht mit der Zeit geht, wird große Probleme bekommen.

ITM: In welchen Branchen sehen Sie Mobile Recruiting als geeignetes Hilfsmittel?
Popa:
Mittels Mobile Recruiting können gezielt Hochschulabsolventen und Berufsanfänger erreicht werden, und zwar branchenunabhängig: Über unsere Plattform wurden bereits Marketing-Manager, ITler, Sales-Manager, Ingenieure sowie Fachkräfte gefunden und eingestellt.

ITM: Sie haben eine App entwickelt, die die Jobsuche vereinfachen soll. Was sind die Unterschiede gegenüber einem Portal?
Popa:
Den wohl wichtigsten Unterschied macht unser Matching-Algorithmus aus. Über unsere App können sich Jobsuchende für die angezeigten Stellen per Swipe bewerben. Hierfür wird einmalig ein Profil ausgefüllt, das wie ein Kurzlebenslauf aufgebaut ist. Dieses wird von unserem Algorithmus mit den Anforderungen der Stellenanzeige verglichen. Zusätzlich fließen auch persönliche Präferenzen der Jobsuchenden ein – falls sich jemand als Quereinsteiger für ein neues Tätigkeitsfeld interessiert. Damit erhält jeder nur die Ausschreibungen, die wirklich zu ihm passen.

ITM: Was genau heißt „per Swipe“?
Popa:
Kommt eine Ausschreibung infrage, kann sich der Nutzer mit nur einem Wisch bewerben. Im Hintergrund wird bei jedem Swipe eine Bewerbungs-E-Mail erzeugt, die über unsere Server an die Arbeitgeber verschickt wird. Über einen Matching-Knopf in der E-Mail erhält der Bewerber die Rückmeldung, dass er für ein Interview ausgewählt wurde. Somit ist für den jeweiligen Bewerber eine positive Rückmeldung zum Stand der Bewerbung direkt ersichtlich.

Speziell der Mittelstand wird dabei vor besondere Herausforderungen gestellt, da die Unternehmen meist nicht so bekannt sind wie große Konzerne und die Mittel und Möglichkeiten zur Personalgewinnung geringer ausfallen. Gerade hier braucht es also neue Strategien, um Bewerber aktiv anzusprechen und dort präsent zu sein, wo nach Stellen gesucht wird.

ITM: Inwiefern sollen Unternehmen von der Personalgewinnung per App profitieren?
Popa:
In erster Linie sparen sie viel Zeit: Das Einstellen einer Stellenanzeige dauert maximal fünf Minuten. Der Aufwand, die eintreffenden Bewerbungsunterlagen zu selektieren, wird reduziert, da nur Bewerbungen von Jobsuchenden eintreffen, die zum Anforderungsprofil passen. Die verkürzte Bewerbungszeit über die App sorgt auch dafür, dass für kurzfristig zu besetzende Stellen schneller ein passender Kandidat gefunden wird. Außerdem wird eine junge Zielgruppe erreicht, was insbesondere für industrienahe Unternehmen wichtig ist, da sie Schwierigkeiten haben, junge Bewerber zu finden.

ITM: Welche Mittelständler zählen zu Ihren Kunden?
Popa:
Das sind beispielsweise der Elektroanlagenbauer Promontan, der Entsorgungsfachbetrieb Walter Roeder GmbH, das Druckereiunternehmen Kösel und die HSM Stahl- und Metallhandel GmbH, um nur einige aus verschiedenen Branchen zu nennen.

ITM: Wie gelangen denn die Stellenanzeigen zu Ihnen und wie viele Nutzer gibt es derzeit?
Popa:
Arbeitgeber können nach einer kurzen Registrierung Stellenanzeigen direkt hochladen. Innerhalb weniger Minuten sind sie online abrufbar. Am Folgetag erscheinen die Ausschreibungen auch bei unseren Partnerjobbörsen wie Indeed oder Kimeta. Derzeit haben wir ca. 18.000 Jobangebote von über 400 auf unserer Plattform registrierten Unternehmen. Angefangen von Start-Ups über Mittelständler bis hin zu DAX-Unternehmen. Seit kurzem fahren wir eine Multi-Device-Strategie, was bedeutet, dass die Stellenanzeigen nun sowohl in unserer App als auch auf unserer Plattform jobninja.com veröffentlicht werden. Über die App erreichen wir momentan etwa 10.000 Jobsuchende, über die Website sind es ungefähr 50.000.

ITM: Mit welchem Argument würden Sie Unternehmen davon überzeugen, auf Mobile Recruiting zu setzen?
Popa:
Für künftige Generationen wird es immer selbstverständlicher werden, Bewerbungen nur noch über mobile Endgeräte abzuwickeln. Arbeitgeber sollten sich daher rechtzeitig darauf einstellen, sonst werden sie diese große Zielgruppe nicht mehr erreichen.  

 

 

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