Die Kinderzahnklinik Kidsdocs orientiert sich im Design am Thema Flughafen.
Es war ein schwarzer Freitag für die Berliner Kinderzahnklinik Kidsdocs: Gegen Mittag, mitten im Praxisbetrieb und wenige Stunden vor Beginn des Wochenendes, fiel von einer Sekunde auf die andere die IT aus. „Das Mainboard unseres Servers hatte einen Defekt. Ohne Vorwarnung stand die Maschine und sie ließ sich nicht wieder hochfahren“, erinnert sich Ronny Hain, der Verwaltungschef der Klinik. „Leider war kurzfristig keine Reparatur möglich, weil der Hersteller außerhalb der Garantiezeit – das Gerät war gerade vier Jahre alt – die notwendigen Ersatzteile nicht mehr liefern konnte.“ Eine fatale Situation für einen Anwender, der seine Prozesse einige Jahre zuvor ganz digitalisiert hatte. 2004 wurden bei Kidsdocs die Karteikarten abgeschafft, die gesamte Verwaltung von der Terminvereinbarung über die Dokumentation der Behandlungen bis zur Abrechnung erfolgt seither über die Praxis- und Zahnarztsoftware Z1, und auch die Röntgenbilder werden digital erfasst und gespeichert. Der Vorteil der durchgängigen Digitalisierung ist klar: Die von der Verwaltung oder von den Ärzten benötigten Informationen sind schnell an jedem Arbeitsplatz verfügbar, Patienten können sogar in einer laufenden Behandlung beide Standorte von Kidsdocs aufsuchen.
„Den Nachteil erlebten wir an jenem Freitag“, führt Hain aus. „Wir waren plötzlich nicht mehr handlungsfähig.“ Zwar gab es eine Datensicherung, aber die reichte nur bis zum Vortag, deckte aber nicht den Vormittag des Ausfalltages ab – und die Kinderzahnklinik hatte auch gar keinen Server zur Verfügung, um ein entsprechendes Recovery durchzuführen. Nachdem der Tag mit einem manuellen Notbetrieb zu Ende gebracht wurde, gelang es über das Wochenende, einen Ersatzserver zu beschaffen, zu konfigurieren und mit den Backupdaten zu bespielen. Die Hauptarbeit für die Mitarbeiter der Klinik bestand darin, die fehlenden Daten des schwarzen Freitags zu rekonstruieren, so dass Terminvereinbarungen und Behandlungen schließlich wieder weitgehend konsistent waren. „Wir haben aus diesem Vorfall viel gelernt“, erklärt Hain. „Zum einen, dass auch eine sorgfältige Datensicherung nicht ausreicht, weil sie bei einem Hardware-Ausfall die kontinuierliche Fortsetzung des Betriebs nicht sicherstellen kann. Zum anderen, dass Kosten und Aufwand einer mehrstündigen Betriebsunterbrechung immens sind. Das ist letztlich viel teurer als die Technik, die notwendig ist, um einen solchen Ausfall zu verhindern.“
Sobald die Klinik ihren normalen Betrieb wieder aufgenommen hatte, befasste sich Hain, der als Verwaltungschef auch für die IT zuständig ist, mit Konzepten für die Lösung des Verfügbarkeitsproblems. „Es war klar, dass wir unser Stand-alone-System ablösen mussten, aber ein Cluster-System als Alternative war uns zu aufwendig“, berichtet er. „Schließlich haben wir hier keinen dezidierten IT-Administrator, der so ein System betreuen kann. Dafür sind wir als kleines mittelständisches Unternehmen mit unseren 80 Mitarbeitern einfach nicht groß genug.“ Durch das Berliner Systemhaus Chambionic, das Kidsdocs mit dem Ersatzserver unterstützt hatte, wurde Hain auf die Hochverfügbarkeitssoftware Stratus Avance aufmerksam gemacht. Diese Lösung ist in der Lage, den IT-Betrieb auch bei einem Hardware-Ausfall nahezu ohne Unterbrechung fortzuführen.
Automatische Fehlererkennung
Avance richtete auf zwei handelsüblichen x86-Servern zwei oder mehrere parallele virtuelle Maschinen ein und synchronisierte diese im laufenden Betrieb mit einer speziellen Software, so dass jeder physische Server ständig auf demselben Stand wie sein Partnersystem ist. Außerdem werden beide Systeme von Avance permanent analysiert. Die Lösung verfügt über eine automatische Fehlererkennung mit einer Fehlermusterdatenbank und kontrolliert ständig mehr als 150 Systemparameter, beispielsweise die Überhitzung von Speicherbausteinen oder Störungen in der CPU. Wird ein gravierender Fehler identifiziert, nimmt die Lösung eine Livemigration der Anwendungen auf den jeweils nicht betroffenen Server vor, verschiebt also die Anwendungen auf den intakten Rechner. Dieser kann den Betrieb fortsetzen, bis die Störung behoben ist. Anschließend bringen sich die beiden Systeme automatisch wieder auf den gleichen Stand. Auf diese Weise erreichen Server eine hohe Verfügbarkeit von über 99,99 Prozent, was einer durchschnittlichen Ausfallzeit von weniger als einer Stunde pro Jahr entspricht.
So ist ein kontinuierlicher Geschäftsbetrieb sichergestellt, außerdem ist durch die Verwendung von Standardtechnologien wie x86-Prozessoren und einem Windows-Betriebssystem keine spezielle Anpassung der Anwendungssoftware nötig, die vorhandenen Applikationen lassen sich weiternutzen.
Schnelle Gegenmaßnahmen
Kidsdocs implementierte die Lösung Mitte 2012 auf zwei Wortmann-Servern, mit jeweils einer virtuellen Maschine und zwei Festplatten mit je 300 GB und zwei weiteren mit 600 GB – eine Kapazität, die vorerst ausreichend ist, die aber noch erweitert werden kann. „Unser Datenbestand wächst rapide“, merkt Hain dazu an. „Vor allem bei den bildgebenden Verfahren ergibt sich ein hohes Datenaufkommen, das wir in unseren Kapazitätsberechnungen abdecken müssen.“ Die beiden Server sind in unterschiedlichen Stockwerken aufgestellt, so dass das Unternehmen nun auch bei Brand oder bei größeren Wasserschäden auf der sicheren Seite ist. Noch nicht genutzt wird jedoch die Call-Home-Funktion, über die Avance den Hersteller und das Systemhaus automatisch über etwaige Störungen der Server informieren kann. Der Grundgedanke dabei ist, dass im Fehlerfall Gegenmaßnahmen so schnell wie möglich initiiert werden können: Der Hersteller kann also Ersatzteile sofort versenden, so dass diese in der Praxis beim Anwender eintreffen, noch bevor dieser überhaupt den Fehler selbst zur Kenntnis genommen hat. „Wir wollen die Nutzung dieser Funktion nicht generell für alle Zukunft ausschließen“, erläutert Hain. „Aber unser gesamtes Netz läuft derzeit völlig unabhängig vom Internet; das ist eine Grundsatzentscheidung, denn wir wollen nicht, dass unsere Systeme ohne unser Zutun mit der Außenwelt Kontakt aufnehmen.“
Die bisherigen Erfahrungen mit der Lösung sind positiv, auch wenn das System seine Ausfallsicherheit bislang nur in Tests beweisen musste – die Simulierung eines GAUs durch Ausschalten der USV und anschließender Unterbrechung der Stromversorgung zeigte jedenfalls ein problemloses Hochfahren des Systems auf dem zweiten Server. Auch im laufenden Betrieb erfüllt das System die Erwartungen. „Die Virtualisierung ergab keine Performance-Verluste“, sagt Hain. „Die Anwendungen laufen unverändert schnell, für die Nutzer ist durch die neue Lösung kein Unterschied im Verhalten der Applikationen feststellbar.“ Bleibt abschließend noch die Frage nach den Investitionen: „Wenn uns diese Lösung auch nur vor einem System-ausfall bewahren kann, ist sie die Investition allemal wert“, meint Hain. Kidsdocs hat mit jener jedenfalls alles getan, um die Wiederholung des schwarzen Freitags auszuschließen.
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