31.01.2017 Cloud-Unternehmertag in Bonn

Keine Angst vor Digitalisierung

Von: Ina Schlücker

Über 700 Teilnehmer kamen im Januar zum diesjährigen Cloud-Unternehmertag von Scopevisio nach Bonn, um mehr über den digitalen Wandel und seine Auswirkungen auf die Geschäftswelt zu erfahren.

  • Cloud-Unternehmertag in Bonn

    Rund 700 Besucher kamen zum Cloud-Unternehmertag am 18. Januar 2017 nach Bonn.

  • Michael Rosbach, Scopevisio AG

    Michael Rosbach, Vorstand der Scopevisio AG

  • Friedhelm Justen, Orten

    Friedhelm Justen vom LKW-Aufbauten-Spezialist Orten hat bei dem Mittelständler jüngst die Einführung einer Cloud-Software begleitet.

Im Rahmen der Veranstaltung ließen verschiedene Referenten wie der Digital-Experte Karl-Heinz Land, Scopevisio-Gründer Dr. Jörg Haas und der Datev-Vorstandsvorsitzende Dr. Robert Mayr keinen Zweifel daran, dass Digitalisierung vieles verändert: Geschäftsmodelle, Geschäftsprozesse und die gesamte Unternehmenskultur. Firmen, die diese Entwicklungen verschlafen, könnten sehr schnell vom Markt verschwinden, so der Tenor der Sprecher, die auch gleich Beispiele wie Quelle oder Schlecker anführten. Im Zuge dessen sprach Michael Rosbach, Vorstand der Scopevisio AG, gar von einem möglichen Massensterben derjenigen Hersteller, die es gänzlich versäumen, auf Digitalisierung zu setzen. Solche Auswirkungen würden auch vor dem IT-Markt keinen Halt machen. Demnach könnten in Deutschland in wenigen Jahren nur noch eine Handvoll IT-Anbieter am Start sein, was für die Kunden wohl kaum von Vorteil wäre.

Sein eigenes Unternehmen hingegen sieht Michael Rosbach gut aufgestellt. So zähle man zu den allein zehn Anbietern weltweit, die durchgängige Cloud-Lösungen für sämtliche betriebswirtschaftliche Belange anbieten. Dieser Technologievorsprung resultiere etwa daraus, dass man bereits seit der Firmengründung 2006 ausschließlich auf die Entwicklung von Cloud-Software baut. Um seinen Kunden weitreichende Lösungen anzubieten, setzen die Bonner zudem auf ein Partnermodell und blicken beispielsweise auf erfolgreiche Partnerschaften mit Microsoft, dem DMS-Anbieter Centerdevice oder dem Cloud-Integrator Agindo.

Einblicke in die Cloud-Praxis

Was die digitale Transformation in der Praxis bedeutet, erläuterten im Rahmen des Events gleich mehrere mittelständische Unternehmen. So organisiert der Gastronomie-Dienstleister L & D die Zusammenarbeit seiner Zentrale mit 91 Betriebsrestaurants in der Cloud. Desweiteren hat der LKW-Aufbauten-Spezialist Orten aus Bernkastel-Kues mit Cloud-Lösungen seine Silos in der Verwaltung abgebaut und durchgängige Prozesse geschaffen. Dabei stand der inhabergeführte Mittelständler vor der Herausforderung, verschiedene Geschäftsbereiche – darunter der Nutzfahrzeughandel, Fahrzeugbau, die Bausatzfertigung oder die Reparaturservices – zu verschmelzen.

Auf Scopevisio wurden die Verantwortlichen bei Orten auf der Cebit 2015 aufmerksam. Während man zunächst eher Zurückhaltung gegenüber Cloud Computing an den Tag legte, konnte die Software der Bonner schließlich aus mehreren Gründen überzeugen: Dank der Nutzung der cloud-basierten Finanzbuchhaltung erhält der Mittelständler die Transparenz über alle Daten und die Standorte in Bernkastel-Kues und Bautzen hinweg. Auf diese Weise konnten zunächst die Rechnungsbearbeitung und mittlerweile auch die Bearbeitung von Lieferscheinen und Bestellungen deutlich beschleunigt werden.

Gardeur vereinheitlicht Vertriebsprozesse

Auch bei dem Textilhersteller Gardeur aus Mönchengladbach kommt Cloud-Software zum Einsatz. Der Anbieter vom Niederrhein nutzt diese zur Vertriebssteuerung und zum Informationsmanagement. Der Textilspezialist betreibt einen eigenen Online-Shop und vertreibt seine Mode darüber hinaus über den Groß- und Einzelhandel, beispielsweise über Kaufhof, Peek & Cloppenburg oder Karstadt. Weitere Vertriebskanäle stellen Amazon, Otto sowie ein eigener B2B-Kanal dar. „Aufgrund des umfangreichen Omni-Channels besitzen wir nicht nur viele Informationen über unsere Kunden, sondern unser Außendienst hat dort auch mit den unterschiedlichsten Ansprechpartner zu tun“, berichtet Dirk Henrik Feier, IT-Leiter bei Gardeur. Seitens der Händler können dies u.a. Einkäufer, EDI-Spezialisten, Logistiker oder Filialmanager sein.

„Bislang liefen unsere Vertriebsprozesse eher unkoordiniert ab“, erklärt Feier weiter. Die Mitarbeiter arbeiteten jeweils mit eigenen Excel-Listen, E-Mail-Programmen und Word-Dokumenten, sodass weder vollständige Informationen noch ein einheitlicher Überblick möglich waren. „Um hier künftig eine homogene Plattform zu schaffen, haben wir uns mehrere Software-Systeme angesehen und uns letztlich für Scopevisio entschieden“, so Feier. Ausschlaggebend für die Wahl war u.a. die Flexibilität der Software im Kontaktmanagement. Zudem können zu jedem Kontakt die dazugehörenden Dokumente abgelegt werden wie Verträge, E-Mail-Verkehr oder Absprachen. „Für eine Cloud-Software sprach generell, dass diese immer und überall verfügbar ist und damit eigene Investitionen in Hardware obsolet werden“, ergänzt Dirk Henrik Feier.

Bislang wird die Cloud-Lösung vorrangig vom Vertrieb als Hilfe genutzt, um Informationen zu bündeln. Überdies fließen Rückmeldungen seitens des Handels, z.B. welche Ware gut und welche weniger gut läuft, in die neue Vertriebssteuerung ein. Künftig sollen weitere Funktionen in Betrieb genommen werden, darunter das Kampagnen-, Dokumenten- und Projektmanagement. „Derzeit arbeiten 20 Mitarbeiter mit der Lösung. In nächster Zeit werden weitere Kollegen geschult, sodass schließlich 70 Mitarbeiter mit der Software arbeiten werden“, so Feier abschließend.

Bildquelle: Aschoffotografie

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