Jörg Henschel, Metrix GmbH

Lizenzüberprüfungen

Als Berater für das Lizenzmanagement rät Jörg Henschel dazu, Lizenz-Überprüfungen nicht vom jeweiligen IT-Anbieter durchführen zu lassen, denn der entstehende Interessenkonflikt können sich nur zum Nachteil der Anwender auswirken.

Jörg Henschel

Jörg Henschel, Geschäftsführer der Metrix GmbH

ITM: Herr Henschel, was tut sich derzeit im Markt für Lizemnzmanagement?
Jörg Henschel:
Da gibt es vor allem diese drei Themen: Lizenzmanagement 2.0,  Server Lizenzmanagement sowie das Outsourcing von Lizenzmanagement. Ich möchte festhalten, dass eine der Hauptaufgaben des Lizenzmanagements die Sicherung der Compliance ist. Ging es früher vor allem darum zu gewährleisten, dass keine Unterlizensierung besteht, so ist es mittlerweile genauso wichtig, dass ein Unternehmen auch nicht überlizensiert ist. Sobald ein Unternehmen also sämtliche Informationen über die Software-Nutzung proaktiv ins Lizenzmanagement integriert, können Softwarekosten nachhaltig gesenkt werden.

ITM: Können Sie konkrete Zahlen nennen?
Henschel:
Laut diverser Analysten können mit Lizenzmanagement 2.0 langfristig 30 bis 50 Prozent der Softwarekosten eingespart werden – allerdings braucht es dafür erhebliches Fachwissen. Mir ist in den letzten zwölf Monaten aber noch etwas aufgefallen, nämlich das aktive Server-Lizenzmanagement. Vordergründig scheint sich das nicht vom Client-Lizenzmanagement zu unterscheiden – aber das ist ein Trugschluss: Durch die Virtualisierungstechniken wird das Server-Lizenzmanagement viel komplexer als alles, was bisher vom Client-Lizenzmanagement bekannt ist.

ITM: Warum?
Henschel:
Ein signifikanter Unterschied beider Disziplinen liegt darin, dass in der Serverwelt überwiegend nur laufende Prozesse lizenziert werden müssen. Informationen über Installationen, wie sie bei den Clients für die überwiegende Zahl von Lizenzmetriken benötigt werden, sind auf Servern oder in virtuellen Maschinen in der Regel unwichtig. Um die Lizensierung im Server-Umfeld richtig bewerten zu können, muss meistens auch eine Betrachtung der Umgebung, insbesondere der Virtualisierung, einbezogen werden. Oftmals gehören noch Spezifika der lizensierten Produkte, die durch Standardverfahren nicht automatisiert ermittelt werden können, in die Bewertung hinein. Dies alles macht Server-Lizenzmanagement sehr komplex.

ITM: Stichwort Outsourcing des Lizenzmanagements – was muss man darunter verstehen?
Henschel:
Viele unserer Kunden beklagen sich über den hohen Aufwand beim Lizenzmanagement. Ein Ausweg kann sein, diese hoheitliche Aufgabe an einen Dienstleister zu übertragen. Leider wird oft der Betreiber der outgesourcten Hardware oder schlimmer noch, der Lizenzgroßhändler mit dieser Aufgabe betraut – das ist ein bisschen so, als ob man den Bock zum Gärtner macht. Schließlich bleibt eine der schwierigeren Aufgaben, das Ermitteln der Ist-Daten, weiterhin beim Auftraggeber.

ITM: Zu allem Überfluss kommt jetzt noch die Cloud hinzu. Wie kann das denn funktionieren?
Henschel:
Viele unserer Kunden vermuten, dass die „Cloud“ das Lizenzmanagement verkompliziert, aber das stimmt nicht.  Solche Leistungen aus der Cloud zeichnen sich dadurch aus, dass die benutzte Software nicht auf eigener Hardware ausgeführt wird, sondern auf der des Anbieters. Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt sich vom Anbieter vertraglich versichern, dass dieser das Recht besitzt, die Software so zu betreiben; im Zweifelsfall lässt er sich von Forderungen Dritter freistellen.

Problematisch wird es nur dann, wenn man eigene Lizenzen einem Dienstleister zur Verfügung stellt, der diese dann in der „Cloud“ betreibt und man seinen vertraglichen Anforderungen bezüglich des Managements dieser Lizenzen schlicht nicht mehr nachkommen kann, weil  der administrative Zugriff auf diese Systeme fehlt.

ITM: Und was raten Sie als Fachmann den Unternehmen beim Lizenzmanagement zu beachten?
Henschel:
Zum einen sollten Sie sich nicht bei der Lizenzoptimierung von den Unternehmen, beim dem Sie die Lizenzen kaufen, beraten lassen; der hier entstehende Interessenkonflikt wird nur zu ihrem Nachteil. Außerdem muss klar sein, dass die Anschaffung eines Lizenzmanagementtools das Problem nicht löst – es verdeutlicht lediglich, wo die Schwierigkeiten liegen. Der wichtigste Schritt ist  der automatisierte Abgleich der kaufmännischen Soll-Daten mit den technischen Ist-Daten. Aber eines sollte man nie vergessen: Lizenzmanagement ist nichts anderes als Risikomanagement.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok