Lagerverwaltung auf Vordermann gebracht

Logistiker senkt Durchlaufzeiten

Im Interview berichtet Alen Kuko, Betriebsleiter beim Logistikspezialist C. Brettschneider aus Aachen, von der Suche nach einem neuen Lagerverwaltungssystem (LVS).

  • Alen Kuko ist Betriebsleiter beim Logistikspezialist C. Brettschneider aus Aachen.

  • Als internationale Spedition verfügt C. Brettschneider über einen eigenen Lkw-Fuhrpark.

  • Das mittelständische Unternehmen verfügt über eine Lagerfläche von 12.000 m².

  • Zum neuen Lagerverwaltungssystem gehören auch moderne Barcode-Scanner mit Touchscreen-Oberfläche.

ITM: Herr Kuko, die C. Brettschneider GmbH begann vor über 120 Jahren mit der Produktion von Verpackungen. Welches Leistungsportfolio bietet das Unternehmen heute?
Alen Kuko:
Unser Kerngeschäft ist weiterhin die Produktion und der Handel mit Verpackungsmaterialien jeglicher Art. Ob Groß- oder Kleinmengen, Standardsortiment oder konstruktive Verpackungen – wir sind darauf abgestimmt unseren Kundenstamm zuverlässig und Just-in-Time mit eigenem Fuhrpark zu beliefern.

Vor neun Jahren machten wir dann den ersten Schritt in Richtung Logistikdienstleistung. Damals beschränkte sich dies noch auf diverse Verpackungsaktionen, die wir für unsere Bestandskunden übernahmen während wir heute Kunden aus allen Branchen und immer mehr Onlinehändler bedienen.

ITM: Ihr Unternehmen hat sich in den vergangen Jahren dynamisch entwickelt. Was grenzt Ihr Geschäftsmodell heute von herkömmlichen Kontraktlogistik-Dienstleistern oder Speditionen ab?
Kuko:
Unser Leistungsportfolio wird im Grunde ständig erweitert: In der Basis übernehmen wir die gesamte Abwicklung der Lagerprozesse von Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung, Versand bis hin zur anschließenden Retourenbearbeitung. Daneben hoben uns unsere hauseigenen Verpackungslösungen schon von Beginn an vom Wettbewerb ab.

Ein weiteres Merkmal besteht in unserer Flexibilität, denn gerade der Onlinehandel befindet sich im stetigen Wachstum und wir sehen uns als flexiblen Dienstleister und Partner. Dabei möchten wir keine Grenzen setzen, sondern individuelle Logistiklösungen gemeinsam erarbeiten und anbieten. So werden z.B. Designmöbel in Einzelteilen gelagert und erst nach Kundenauftrag zusammengebaut und versendet. Dadurch konnten wir die Lagerkosten für unseren Kunden reduzieren und die Lieferfähigkeit gleichzeitig erhöhen.

ITM: Welche Anforderungen stellte dieses Geschäftsmodell an Ihre Lager-IT?
Kuko:
Da wir unterschiedlichste Waren – vom Hundefutter über  Kiteboards bis hin zu sperrigen Möbeln – für unsere Kunden lagern und versenden, muss unsere Lagerverwaltungs-Software flexibel sein und sich ständig weiterentwickeln. Als Anwender müssen wir in der Lage sein, ein neues Geschäft bzw. eine kurzfristige Aktion unmittelbar selbst im System einzurichten ohne auf einen IT-Dienstleister angewiesen zu sein. Zudem ist die IT-Verzahnung mit unseren Kunden, gerade im E-Commerce-Umfeld, ein entscheidender Faktor und wir müssen als Logistikdienstleister in der Lage sein, uns schnell an den Webshop oder die Warenwirtschaft unseres jeweiligen Kunden anzubinden.

ITM: Was hat Sie dazu veranlasst, das bisher eingesetzte LVS abzulösen?
Kuko:
Aufgrund unserer kundenspezifischen Services ist für unser Geschäft die Mandantenfähigkeit und Schnittstellenanbindung eine unumgängliche Anforderung. Die abgelöste Software konnte diese Anforderung zwar erfüllen, jedoch wurde jeder Mandant logistisch gesehen auf die gleiche Art und Weise abgewickelt. Änderungen im Ablauf bzw. Schnittstellenanpassungen führten zwangsläufig zu kostspieligen Programmanpassungen. Darüber hinaus mussten viele Lagerprozesse aber auch der Datenaustausch mit unseren Kunden in Teilen noch manuell gesteuert werden.

ITM: Wie sind Sie bei der Systemauswahl vorgegangen?
Kuko:
Zunächst haben wir uns umgesehen, welche Software von anderen, dynamischen und innovativen Mittelständlern im Lager eingesetzt wird. im Rahmen einer Logistikmesse haben wir uns dann mehrere Systeme näher angeschaut und miteinander verglichen, bevor wir dann schließlich bei der Log:IT GmbH ein Konzept in Auftrag gegeben haben.

Darüber hinaus ergab sich während der Konzeptphase die Gelegenheit, an Entwicklertagen („Developer Days“) teilzunehmen: Dabei handelt es sich um ein spezielles Schulungsangebot mit dem Systemadministratoren in die eigenständige Systemkonfiguration eingeführt werden – dies hat uns einen wirklich tiefen Einblick in die Struktur und Möglichkeiten der Software ermöglicht und uns in der unserer Entscheidung bestätigt.

ITM: Was waren Ihre konkreten Anforderungen an das neue Lagerverwaltungssystem?
Kuko:
In erster Linie Flexibilität, gerade hinsichtlich mandantenspezifischer Anpassungen, der IT-Verzahnung mit unseren Kunden und der Umsetzung effizienter logistischer Prozesse und schneller Durchlaufzeiten. Aber auch für die kundenindividuelle Faktura war Flexibilität das A und O. Darüber hinaus wollten wir für die Zukunft keinen Partner mit einer kostspieligen Modulpolitik und zudem die Möglichkeit, Software-Anpassungen selbst durchführen zu können.

ITM: Welche Herausforderungen stellten sich bei der Umstellung auf die neue IT-Lösung und wie war es um die Akzeptanz durch die Mitarbeiter bestellt?
Kuko:
Die Inbetriebnahme des neuen Lagerverwaltungssystems musste  an einem einzigen Tag bei laufendem Lagerbetrieb erfolgen. Es musste sichergestellt sein, dass trotz der IT-Umstellung bereits vom ersten Tag an alle Aufträge und Sendungen zu 100 Prozent abgewickelt und sukzessive alle einzelnen Mandanten auf das neue System umgestellt werden können.

Neu waren für die Mitarbeiter neben der Software auch die neuen Barcode-Scanner, die wir angeschafft haben. Dank guter Vorbereitung, der Inbetriebnahmebegleitung vor Ort durch Log:IT und der intuitiv bedienbaren Touchscreen-Oberfläche auf den mobilen Erfassungsgeräten gab es eine nahtlosen Umstellung auf das neue System.

ITM: Welche Vorteile haben Sie und Ihre Kunden von der neuen Lösung?
Kuko:
Wir arbeiten mit dem neuen Lagersystem Dilos effizienter und konnten die Durchlaufzeiten weiter senken. So können wir z.B. für das Aktionsgeschäft flexibel Cross-Docking umsetzen oder Schnelldreherzonen einrichten. Je nach Kunde oder Lagerbereich sind wir nicht mehr auf eine Kommissionierart festgelegt sondern können sowohl auftragsbezogen als auch in verschiedenen Varianten des Multi-Order-Picking agieren und diese auf eine Vielzahl von Mandanten sofort anwenden. Da wir zahlreiche Anpassungen eigenständig vornehmen können, sind wir in der Lage, unseren Kunden schnelle Reaktionszeiten zu bieten. Zudem steht uns für den Echtzeit-Datenaustausch mit unseren Kunden ein Set an anpassbaren Standardschnittstellen aber auch das Webportal unsere IT-Anbieters zur Verfügung, in welchem unsere Kunden rund um die Uhr Bestände abfragen oder Aufträge erfassen können. Unsere Kunden können daher neben unserer Schnelligkeit und Servicequalität auch von durchgängiger Transparenz profitieren.

ITM: Wie gehen Sie beim Datenaustausch mit neuen Logistikkunden vor? Ist immer erst eine Schnittstellenprogrammierung erforderlich?
Kuko:
Der Datenaustausch findet entweder per Schnittstelle oder per Webportal statt. Bei der Schnittstelle unterscheiden wir zwischen Standard- und individuellen Schnittstellen.

Mit dem Standard lesen wir einerseits Daten z.B. über den Austausch von Textdateien oder Excel-Tabellen ein, da jeder Kunde in der Lage ist, seine Auftragsdaten zumindest als Textdatei zu exportieren. Zum Standard gehören andererseits aber auch bereits komplexere Schnittstellen wie z.B. zu gängigen Webshop-Systemen. Eine individuelle Schnittstellenprogrammierung ist nur dann erforderlich, wenn unser Kunde „exotische“ Systeme einsetzt und die Anbindung per Webportal nicht ausreichend ist.

ITM: Zusätzlich zu den bestehenden 12.000 m² Lagerfläche am Standort Aachen erweitern Sie Ihren Betrieb aktuell um eine weitere Lagerhalle mit weiteren 10.000 m² Fläche. Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Erweiterung und wie begegnen Sie dieser Herausforderung IT-seitig?
Kuko:
Aufgrund unseres dynamischen Wachstums ist auch der Lagerfüllgrad stetig angestiegen. Wir benötigen also Platz um unser Geschäft weiter auszubauen. Die neue Lagerhalle wird dann per Terminal-Server an unseren zentral gehosteten Lager-Server angebunden und benötigt daher keine eigene Server-Landschaft. Auch bei der Kommunikation mit den mobilen Scannern nutzen wir zur Echtzeitdatenerfassung Terminal-Server und haben hinsichtlich Performance, Antwortzeiten und der Ausfallsicherheit, falls z.B. eines der tragbaren Erfassungsgeräte zu Bruch geht und ein Ersatzgerät einspringen muss, sehr gute Erfahrungen gemacht.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok