20.04.2017 Haustechnik

M2M für ein gutes Raumklima

Von: Melanie Engelen

Auch im intelligenten Zuhause, neudeutsch „Smart Home“, sind automatische Lüftungsanlagen kein Garant für perfektes Wohnraumklima – Schimmel oder Risse in Boden und Mobiliar sind oft die Folge. Mit einer Machine-to-Machine-Lösung (M2M) will der Automobilzulieferer Mmc Automation dagegensteuern: Via Mobilfunknetz überwacht und regelt die Lösung das Klima in Wohnräumen und schlägt Alarm, wenn Schäden drohen.

Die Messwerte auch auf dem Smartphone im Blick: Auf Wunsch sendet der „Rkc-4you“ dem Bewohner per E-Mail Alarmmeldungen.

Die Messwerte auch auf dem Smartphone im Blick: Auf Wunsch sendet der „Rkc-4you“ dem Bewohner per E-Mail Alarmmeldungen.

Mit neuer Vernetzungstechnologie zukunftsträchtige Geschäftsfelder erschließen: Das ist das Credo von Industrie 4.0. Der Mmc Automation ist das gelungen: Seit 1994 entwickelt das mittelständische Unternehmen aus Huglfing in Oberbayern Steuerungssysteme und -anlagen für die Automobilindustrie.

Jetzt kommt das Know-how des Unternehmens in einem völlig neuen Umfeld zum Einsatz: dem vernetzten Zuhause. „Im Smart Home soll die Technik wie von selbst funktionieren. Licht, Raumtemperatur und Belüftung sind optimal und ressourcenschonend auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt. So weit die Theorie. In der Praxis zeigen sich jedoch die Schwachstellen“, berichtet Geschäftsführer Alfred Haser.

Wer eine Anlage zur automatischen Wohnraumlüftung installiert hat, lebt nicht automatisch in gesundem und sicherem Raumklima. Die Folgen: Schimmel durch zu feuchte Luft oder Risse im Holz durch zu trockene Luft. Abhilfe schaffen will der Mittelständler mit „rkc-4you“, einem System, das das Raumklima in Immobilien kontrolliert und steuert.

Erst messen, dann steuern

Über Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren erfasst das System die relevanten Außen- und Innenwerte und sendet die Daten via Mobilfunknetz der Telekom an die Cloud-Server der Mmc Automation. In Kombination mit den lokalen Wetterdaten und für die jeweilige Jahreszeit typischen Parametern errechnet das smarte Gerät anhand des Taupunkts, wie intensiv gelüftet werden muss. Die automatische Lüftungsanlage arbeitet nur, wenn es wirklich sinnvoll ist. Es gilt: Je kälter es draußen ist, um so trockener muss die Luft in den Räumen sein, um Schimmel und Feuchtigkeitsschäden zu verhindern. Bei sehr hoher Luftfeuchte außen schaltet der Controller die Lüftung beispielsweise ab. Lüften Bewohner manuell über die Fenster, können sie über ein Ampelsystem am Gerät im Vorbeigehen erkennen, ob einmal wieder frische Luft nötig ist.

Ist ein Gebäude durch falsches Lüften oder schlechte Bausubstanz bereits in kritischem Zustand, rechnet und bewertet die M2M-Lösung individuell: Wie ist das Gebäude gedämmt? Wie ist das Wetter? Lässt sich die Frischluftzufuhr an die individuellen architektonischen und klimatischen Bedingungen anpassen, erholen sich auch trockene Parkettböden wieder und Schimmel wird gestoppt. Das System behält die Situation sogar langfristig im Blick und schützt so jede Immobilie nachhaltig vor Schäden.

Schnell nachrüsten

Entwickelt hat der Mittelständler die Lösung zusammen mit dem Fraunhofer- Institut für Bauphysik in Holzkirchen. Die Steuerungs- und Regeltechnik wurde über Monate in den Wohnungen einer Münchner Wohnungsbaugesellschaft auf Herz und Nieren getestet. Jetzt ist der Controller kompatibel mit allen gängigen Lüftungssystemen und damit auch zum Nachrüsten in Wohnimmobilien, Hotels und Gaststätten geeignet. Streng an die Vorgaben hält sich die Lösung auch hinsichtlich des Datenschutzes: Personenbezogene Daten der Bewohner werden nur mit deren ausdrücklicher Zustimmung eingegeben. Letztlich reicht schon die Postleitzahl, um die passenden lokalen Wetterdaten zu zuordnen. Seine Raumklimawerte im Detail einsehen kann allein der Bewohner.

In einer separaten Ansicht überblicken auch Eigentümer oder Facility Manager die Klimadaten ihrer Immobilie und können so nachvollziehen, wie sich das Raumklima über das gesamte Jahr entwickelt hat. Oder um den optimalen Zeitpunkt für einen Filterwechsel zu planen. Sind Mieter regelmäßig längere Zeit abwesend oder steht eine Wohnung leer, besteht keine Gefahr für die Bausubstanz durch Schimmel oder Trockenheitsschäden. Kommt es zu Pro-blemen, ist die Situation in der Wohnung gut dokumentiert, und die Daten dienen Mieter wie Vermieter als Verhaltensnachweis. „Der rkc-4you ist als autarkes System konzipiert“, sagt Haser. „Verbunden über das Mobilfunknetz der Telekom läuft es ausfallsicher, schließlich hat kein Mieter Lust, ständig den Hausverwalter zu empfangen, um das Gerät nachzujustieren.“

Bildquelle: Mmc

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