15.08.2017 Maschinenbauer setzt auf reibungsloses Zusammenspiel

Manufacturing-Execution- und ERP-System im Einklang

Von: Tino M. Böhler, Gesa Müller

Der Maschinenbauer Haver & Boecker setzt auf ein reibungsloses Zusammenspiel seines Manufacturing-Execution- und ERP-Systems.

  • Haver & Boecker setzt auf das Zusammenspiel seines Manufacturing-Execution- und ERP-Systems.

    Haver & Boecker setzt auf das Zusammenspiel seines Manufacturing-Execution- und ERP-Systems.

  • Mehr als 700 Verpackungsmaschinen für die Grundstoffindustrie werden jährlich in den Hallen der Maschinenfabrik gefertigt.

    Mehr als 700 Verpackungsmaschinen für die Grundstoffindustrie werden jährlich in den Hallen der Maschinenfabrik gefertigt.

  • Mehr als 300 Mitarbeiter in der Produktion nutzen heute die MES-Lösung.

    Mehr als 300 Mitarbeiter in der Produktion nutzen heute die MES-Lösung.

  • Hohe Transparenz in der Fertigung bei Haver & Boeker

    Hohe Transparenz herrscht in der Fertigung bei Haver & Boeker.

  • Andreas Bauer, Produktionsleiter bei  der Maschinenfabrik Haver & Boecker

    Andreas Bauer, Produktionsleiter bei der Maschinenfabrik Haver & Boecker

Innovativ und weltoffen präsentiert sich die Haver & Boecker OHG. Der familiengeführte Mittelständler aus Oelde vereint mit Drahtweberei und Maschinenfabrik zwei Unternehmensbereiche unter einem Dach.

In Sachen Fertigungsoptimierung setzt man in der Maschinenfabrik bereits seit 2002 auf das Manufacturing Execution System (MES) Cronetwork des IT-Dienstleisters Industrie Informatik. Im Rahmen von Projekten wie „Integrative Informationssysteme und moderne Auftragssteuerung mit ERP und MES“ führte man im Laufe der Zeit ein breites Spektrum verschiedener weiterer Module ein. Betriebs- und Maschinendatenerfassung (BDE, MDE), Feinplanung und Personalzeit sind nur ein Teil davon, weitere Maßnahmen sind bereits in Planung.

Dabei hat alles mit einem Leitstand im Jahr 1998 begonnen. Damals setzte man auf den grafisch-elektronischen Leitstand FI-2 von IDS Scheer. Als das „State of the Art“-Produkt im Jahr 2000 von Industrie Informatik übernommen und unter dem Namen „Cronetwork Feinplanung“ weiterentwickelt wurde, blieb Haver & Boecker dem Anbieter treu.

Das kontinuierliche Wachstum und die schnellen Reaktionszeiten des Anwenders ließen schließlich den Ruf nach einer neuen Lösung lauter werden. „Wir wollten die Daten möglichst dort erfassen, wo sie entstehen. Dafür suchten wir nach einer Möglichkeit zur Verbesserung der Transparenz, um jederzeit über aktuelle Auftragssituationen Bescheid zu wissen“, berichtet Andreas Bauer, Produktionsleiter der Maschinenfabrik.

„Mit einem Team qualifizierter Ingenieure und Fachkräfte entwickeln und fertigen wir heute pro Jahr etwa 700 Verpackungsmaschinen für die Grundstoffindustrie. Zudem bieten wir Gesamtlösungen von der Aufbereitungstechnik über die Lagerung und Verpackung bis hin zur Versandtechnik. Um dieses Spektrum langfristig wirtschaftlich und unter Berücksichtigung vorhandener Kapazitäten optimal fertigen zu können, war die Einführung eines leistungsstarken MES ein logischer Schritt“, berichtet Bauer.

Wichtige Voraussetzungen, die an das neue System gestellt wurden, waren eine schnelle Reaktion auf Prozessänderungen, frühzeitige Hinweise auf Planabweichungen sowie die Konfigurierbarkeit und Anpassung auf die jeweilige Arbeitsaufgabe. Den Produktionsplanern im Unternehmen sollte die aktuelle Fertigungssituation möglichst transparent – und im Idealfall online – dargestellt werden. „Die Lösung war benutzerfreundlich und intuitiv aufgebaut“, begründet Bauer die Entscheidung für Cronetwork MES.

MES und SAP im Einklang

Ein weiterer Schritt war ab 2011 die stufenweise Vorbereitung auf die anstehende SAP-Einführung. Die bis dato vorherrschende Client-Server-Umgebung wurde auf eine web-basierte Lösung umgestellt und sowohl die Betriebsdaten- als auch die Personalzeiterfassung erfolgte fortan über Touch-PCs in allen Produktionsbereichen.

Seit dem Launch von SAP zum Jahreswechsel 2013/2014 werden sämtliche Produktionsmitarbeiter mittels Cronetwork PZE geführt und verwaltet. Zusammen mit den Modulen BDE und Feinplanung erfolgt heute die Auftragssteuerung nach Freigabe über eine zertifizierte Schnittstelle von SAP an das MES-System. Die bewerteten Auftragsdaten werden direkt an SAP Controlling (CO) zurückgemeldet.

„Unser Ziel bei der Einführung war es, die MES-Module BDE und PZE soweit vorzubereiten, dass Mitarbeitermeldungen und Auftragsdaten möglichst rasch ins SAP-System integriert werden konnten. Somit war es bereits ab dem ersten Tag nach dem Echtstart möglich, Personenbuchungen und Auftragsdaten fehlerfrei in unser ERP-System zu melden“, sagt Andreas Bauer.


Auftragsdaten werden heute aus SAP PP (Produktionsplanung) an die MES-Lösung übertragen. Nach Einplanung der Aufträge in der Plantafel werden die Feinplantermine an SAP zurückgegeben. Dort wird der Terminrahmen vorgegeben. Die MES-Lösung optimiert mit einer festgelegten Planstrategie den Auftrag in diesem Zeitraum und meldet Abweichungen frühzeitig. Rückmeldungen erfolgen an SAP PP (Auftragsrückmeldungen) und an SAP CO (Gemeinkostenmeldungen).

MES in allen Firmenbereichen

Den Produktionsalltag unterstützt die MES-Lösung  mittlerweile vielfach, wie Andreas Bauer erläutert: „Die verantwortlichen Meister haben alle erforderlichen Daten aktuell im Blick. Alle Produktionsdaten werden in einem System erfasst. Heute sind wir so weit, dass bereits am Monatsersten alle Abweichungen sowohl in den Betriebsdaten als auch in der Personalzeit abgeglichen sind.“

Allgemein werden die Module PZE, BDE und Feinplanung in allen Bereichen der Fertigung genutzt. „Die Maschinendaten werden bei uns nur im Bereich der Zerspanung erfasst, wobei wir diese aber noch nicht im Detail auswerten. In Summe nutzen heute mehr als 300 Mitarbeiter und Azubis in der Produktion die Lösung. Die Transparenz in der BDE und PZE sowie in der Feinplanung sind für uns wichtige Features“, sagt Bauer. Dazu kommen die einfache „Personal-Abwesenheitsplanung“ und das monatliche Erstellen von lohnfertigen Daten mit Übergabe via Schnittstelle an das Lohnprogramm von Infoniqa.

Die Haver & Boecker OHG
Geschäftsfeld: Hersteller von Drahtgeweben und Industriemaschinen
Gründung: 1887
Hauptsitz: Oelde/Westfalen

Die Maschinenfabrik von Haver & Boecker hat heute ein flächendeckendes MES für alle betrieblichen Mitarbeiter im Einsatz. Die Schnittstellen zwischen SAP und MES funktionieren reibungslos. „Wir haben eine hohe Transparenz in der Fertigung und können agieren, anstatt zu reagieren“, resümiert Andreas Bauer.

Was den MES-Einsatz und die Zusammenarbeit mit dem dahintersteckenden Anbieter betrifft, haben Haver & Boecker besonders die SAP-zertifizierte Schnittstelle und die Erfahrung aus unterschiedlichen Produktionsbereichen mit verschiedenen Lösungsansätzen geholfen. Zudem will der Anwender gerne noch mehr aus seiner Fertigung herausholen, wie Andreas Bauer weiß: „Das operative Business-Intelligence-Tool ‚Pido‘ ist sicherlich ein Thema, das wir in naher Zukunft angehen wollen, um bessere Kennzahlen und mehr Transparenz in einzelnen Fertigungsbereichen zu erzielen.“

Bildquelle: Haver & Boecker

 

 

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