17.02.2017 Fit für die Zukunft

Merkmale moderner Rechenzentren

Im Interview zählt Thomas Sting, Geschäftsführer der Data Center Group, die wichtigsten Merkmale moderner Rechenzentren auf und erklärt, warum übergreifende Sicherheitskonzepte für den reibungslosen IT-Betrieb so wichtig sind.

Thomas Sting, Geschäftsführer der Data Center Group, zählt die wichtigsten Merkmale moderner Rechenzentren auf.

„Laut der RZ-Norm EN 50600 müssen Bereiche mit höchstem Schutzbedarf, wie Server-Räume, in Zukunft noch besser gegen Brände, Einbruch, Sabotage und dergleichen geschützt werden“, berichtet Thomas Sting von der Data Center Group.

ITM: Herr Sting, wodurch zeichnen sich moderne Rechenzentren aus?
Thomas Sting:
Zum einen durch ein hohes Maß an Energie- und Prozesseffizienz. Die jeweiligen Parameter und Messstellen für Abweichungsanalysen sind in einem Data-Center-Management-System (DCM) abgebildet.

Zum anderen sind klar definierte Sicherheitslevel wichtig, die sich an den konkreten Unternehmensanforderungen orientieren. Zum Beispiel Verfügbarkeitslevel auf Basis der vorher vereinbarten, maximalen Ausfall- und Wiederherstellungszeit.

Zudem muss ein Rechenzentrum flexibel und zeitnah auf Veränderungen und technologische Wechsel reagieren können. Dabei hilft ein skalierbares Gestaltungskonzept mit einer modularen Architektur und Versorgungstechnik. Schließlich gewinnt neben Planung und Bau das Thema professioneller RZ-Betrieb immer mehr an Bedeutung. IT-Spezialisten und Facility-Manager müssen eng zusammenarbeiten. So sollte ein aktuelles Betriebsführungs- und Notfallkonzept ein integraler Bestandteil sein, das jährlich aktualisiert werden muss. Die neue RZ-Norm (EN 50600 Teil 3) setzt hier Maßstäbe.

ITM: Welche Rolle spielen Rechenzentren für die Etablierung aktueller Technologien wie Industrie 4.0 und das Internet der Dinge?
Sting:
Diese Technologien benötigen ein Vielfaches an Rechenleistung sowie Echtzeitverfügbarkeit von Kommunikationsdaten. Damit steigt die Abhängigkeit rasant und erfordert somit eine deutlich höhere Sicherheit. Je nach Anforderung können die entsprechenden Leistungen nur von professionellen Rechenzentren geleistet werden.

Dabei erkennen wir die Tendenz, weg von zentralisierten Großstandorten hin zu dezentralen, leistungsfähigen Rechnerstandorten, z.B. auf Basis des Edge-Computing-Modells. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist allerdings der regionale Ausbau von leistungsfähigen Datennetzen und Datenübertragungstechnologien.

ITM: Nicht selten fehlen Mittelständlern die Budgets, aufwendig eigene Rechenzentren zu betreiben. Welche Alternativen gibt es neben dem klassischen Outsourcing an Cloud- oder IT-Dienstleister?
Sting:
Wir bieten genau für diese Anforderungen geeignete Lösungen: Die Planung, den Bau und den Betrieb von kundenspezifischen Rechenzentren am Standort des Kunden – komplett vorfinanziert und abgerechnet auf Basis eines „DataCenter-as-a-Service-Modells“. Kunden können damit ohne vorausgehende Investitionen alle Vorteile eines auf sie zugeschnittenen Rechenzentrums am eigenen Standort nutzen. Dabei regeln wir vertraglich auch die Verfügbarkeiten und Effizienzziele.

ITM: Worauf sollten Mittelständler besonders achten, wenn sie sich für die Nutzung standardisierter RZ-Module entscheiden?
Sting:
Standardisierte RZ-Module haben in der Regel nur einen Vorteil: Da die Hersteller dieser Module die geringeren Herstellungskosten einer Serienfertigung zum Teil weitergeben, reduzieren sich in der Regel die Anschaffungskosten. Allerdings stehen die wesentlichen Anforderungen des Kunden nicht im Mittelpunkt, da eine individuelle Anforderungsanalyse im Normalfall entfällt. Wenn standardisierte Module dann nicht zufällig zu den Firmenanforderungen passen, entstehen im Nachhinein erhebliche zusätzliche Kosten. Hinzu kommt, dass die Betriebskosten für standardisierte Module den Vorteil der geringeren Investitionskosten bereits nach relativ kurzer Zeit negativ kompensieren, da Anpassungen und Skalierungen kaum möglich sind. Sinnvoll ist daher eine TCO-Berechnung über die geplante Nutzungsdauer, etwa unter Berücksichtigung der Energieeffizienz. Besonders zu beachten sind zudem die teilweise überzogenen Wartungskosten durch das Monopol des Herstellers.

ITM: Wie kann hierbei sowohl physische als auch Datensicherheit gewährleistet werden?
Sting:
Empfehlenswert ist in jedem Fall ein übergreifendes Sicherheitskonzept, in dem alle wesentlichen Aspekte eines technischen, logischen und physikalischen Risikomanagements erfasst und möglichst lückenlos aufeinander abgestimmt werden. Sinnvoll ist zudem, die rechtlichen, organisatorischen und personellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Firmensituation einzubeziehen sowie forensische Erkenntnisse zu nutzen.

Übrigens setzt die RZ-Norm EN 50600 auch für die physische Sicherheit der RZ-Infrastruktur neue Maßstäbe: Bereiche mit dem höchsten Schutzbedarf, wie Server-Räume, müssen in Zukunft noch besser gegen Brände, Einbruch, Sabotage und dergleichen geschützt werden. Schließlich können die Auswirkungen des Datenverlusts in Zukunft für Unternehmen noch schneller existenzbedrohend werden.

ITM: Ein Blick nach vorn: Welche RZ-Trends und RZ-Technologien werden mittelständische Unternehmen Ihrer Ansicht nach in der nächsten Zeit besonders umtreiben?
Sting:
Zum einen die Anpassung der IT-Infrastruktur an neue Technologien wie die fortschreitende Automatisierung und Big-Data-Anforderungen, zum anderen die Anforderungen an sehr spezialisiertes Personal, um die Effizienz- und Verfügbarkeitsziele zu erreichen. Daneben spielen flexible und skalierbare Infrastrukturkonzepte sowie Edge Computing eine zunehmend gewichtigere Rolle.

Bildquelle: Data Center Group // Thinkstock / iStock

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