12.07.2017 Von Klebepunkten zur Loyalitätswährung

Methoden der Kundenbindung

Von: Lea Sommerhäuser

Im Interview nimmt Jens Dressler, CTO von Fanmiles, veraltete Methoden der Kundenbindung unter die Lupe und stellt zugleich die sogenannte Loyalitätswährung vor, mit der Unternehmen ihre Kunden für Aktivitäten und Treue belohnen können.

„Grundlage für die Loyalitätswährung ist ein offenes Ökosystem“, erklärt Jens Dressler, Fanmiles.

„Grundlage für die Loyalitätswährung ist ein offenes Ökosystem“, erklärt Jens Dressler, Fanmiles.

ITM: Herr Dressler, mit welchen Methoden versuchen Unternehmen oftmals, ihre Kunden zu binden?
Jens Dressler:
Ein klassisches Loyalitätsinstrument sind sicherlich die Bonuspunkte, die meist sogar noch in physischer Form gesammelt werden – etwa mit einer Stempelkarte oder in Form von Klebepunkten. Wer am Ende genug Schokoladencreme gekauft hat, erhält dann eine „Belohnung“. Ein recht einfaches Prinzip. Die Belohnung ist häufig an einen Shop, eine Kette oder ein bestimmtes Produkt gekoppelt. Als Dankeschön stehen meist ein oder zwei Produkte zur Auswahl. Doch obwohl Kundenloyalität ein entscheidendes Kriterium für unternehmerischen Erfolg ist, hängen noch immer viele Geschäfte an solch veralteten Retention-Marketing-Methoden.

ITM: Was verbirgt sich an dieser Stelle hinter der sogenannten Loyalitätswährung?
Dressler:
Grundlage für die Loyalitätswährung ist ein offenes Ökosystem. Im Gegensatz zu herkömmlichen Instrumenten ist die Währung dadurch nicht an bestimmte Marken, Shops oder Produkte gebunden. Beispielsweise haben der FC Schalke 04 oder Bayer Leverkusen solch eine Lösung in ihren Stores oder Websites eingebunden. Wer also über den Schalke-Store online ein Trikot erwirbt, erhält – vorausgesetzt er verfügt über einen eigenen Account – „Fanmiles“ gutgeschrieben. Zentraler Baustein für die Integration auf Partnerseiten ist „Connect“, das mithilfe eines Developer-Programms integriert wird und in Kombination mit der „Earn“-Schnittstelle das Guthaben auf den Käuferkonten gutschreibt.

Auch für Offline-Stores wurde mit dem Fanpad eine Integration entwickelt: Ohne eine zusätzliche Kassenintegration belohnen Unternehmen ihre Kunden nach dem Einkauf mit Fanmiles. Zusätzlich sind bekannte Stars auf der Plattform, die die Fans für ihre Aktivitäten und Treue entsprechend belohnen. Wenn die Nutzer über ausreichend Fanmiles verfügen, können sie mit ihrem Guthaben Produkte unserer Partner erwerben.

ITM: Für welche Branchen ist solch eine Währung generell interessant?
Dressler:
Prinzipiell für alle Unternehmen, die online im B2C aktiv sind, Kunden an sich binden und mit ihnen interagieren möchten. Über die Adfan-Analytics-Lösung können Unternehmen beispielsweise die Transaktionen ihrer Apps analysieren. Mit diesem Tool können sie ihre Kunden verstehen und erfahren, welche Aktivitäten funktionieren und welche weniger gut laufen.

ITM: Welche technologischen Voraussetzungen gibt es für ein international akzeptiertes System?
Dressler:
Die Weiterentwicklung der APIs ist in diesem Jahr neben der Internationalisierung eines der Kernthemen – Stichwort „Self-Service-Skalierung“. Prinzipiell kann sich bereits jeder neue Partner weltweit über das offene Developer-Programm an den Loyalty-Account anbinden und die Währung herausgeben.

ITM: Wie reagieren letztlich die Kunden auf Loyalitätswährung?
Dressler:
Bonuspunkte waren bereits offline ein sehr beliebtes Loyalitätsinstrument. Die Aussicht, Guthaben gleich bei einer Vielzahl unterschiedlicher Partner zu erwerben, ist auf Kundenseite so gut angekommen, dass es bereits über 350.000 Accounts gibt.

Bildquelle: Fanmiles

 

 

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