19.07.2017 Die Cloud ist ein De-Facto-Standard

Mit der Cloud Kosten einsparen

Von: Kathrin Zieblo

Werden mittelständische Unternehmen künftig noch eigene Rechenzentren betreiben? Und für wen eignen sich die Private oder Public Cloud? Antworten liefert Jochen Walter, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei AWS in Deutschland, im Interview.

Jochen Walter, AWS Deutschland

„Wir sehen schon heute zahlreiche Belege dafür, dass die Cloud inzwischen längst zum De-Facto-Standard in der IT geworden ist", beschreibt Jochen Walter, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei AWS in Deutschland.

ITM: Herr Walter, ist Cloud Computing im Mittelstand angekommen?
Jochen Walter:
Definitiv. Die große Mehrzahl mittelständischer Unternehmen weiß um die Vorteile, die Cloud Computing für deren Digitalisierungsstrategie bietet. Und dies ist unabhängig davon, ob wir in diesem Kontext beispielsweise von der Vernetzung von Maschinen oder der Digitalisierung von Prozessen und ganzen Geschäftsmodellen sprechen – fast immer bildet die Cloud hier den infrastrukturellen Rahmen solcher Initiativen.

ITM: Für wen lohnt sich die Cloud?
Walter: AWS in Deutschland hat mehrere zehntausend aktive Kunden, weltweit sind es Millionen, darunter Unternehmen und Organisationen jedweder Größe und Branche – Start-ups ebenso wie im DAX30 gelistete Unternehmen, ebenso wie Non-Profit-Organisationen, Bildungseinrichtungen, Behörden oder eben kleine und mittlere Firmen, die in meinen Verantwortungsbereich fallen. All diese Unternehmen und Organisationen nutzen die Cloud, weil sie darin einen konkreten Mehrwert sehen. Zu unseren mittelständischen Kunden in Deutschland gehören Beckhoff, Harting, Kärcher, Vorwerk, Wago und zahlreiche weitere, die wir gemeinsam mit unserem insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen so wichtigem Partner-Netzwerk betreuen.

ITM: Welche Vorteile ergeben sich für Unternehmen in der „digitalen Wolke“?
Walter:
Aus unserer Sicht bietet die AWS-Cloud unseren Kunden folgende Vorteile:

  • Eine hohe Agilität und Elastizität, da IT-Ressourcen exakt dann und in dem Maße konsumiert werden können, wie sie gebraucht werden.
  • Durch Skaleneffekte bedingte Kosteneinsparungen, die Anbieter an ihre Kunden weitergeben.
  • Eine Vielzahl an Funktionalitäten und Innovationen, die Kunden aus eigener Kraft so kaum in ihrer eigenen IT-Infrastruktur abbilden könnten.
  • Unternehmen können ihre Anwendungen einfach und innerhalb von Minuten global ausrollen.

ITM: Vor welchen Nachteilen würden Sie warnen? Bzw. wann vom Um-/Einstieg abraten?
Walter:
Wir gehen davon aus, dass in einigen Jahren kaum ein Unternehmen noch ein eigenes Rechenzentrum betreiben wird. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Mehrzahl der Anwendungen in die Cloud wandert. Und wir sehen schon heute zahlreiche Belege dafür, dass die Cloud inzwischen längst zum De-Facto-Standard in der IT geworden ist.

ITM: Welche Anwendung – Private und Public Cloud – passt wann und zu wem?
Walter:
Private Clouds sind deutlich teurer und liefern nicht die Agilität, die die Public Cloud bietet. In fast jedem Anwendungsfall, den wir sehen, bietet die Cloud Kosteneinsparungen von bis zu 80 Prozent gegenüber vergleichbaren On-Premises-Optionen.

ITM: Wie lassen sich Cloud-Services in die bestehende Unternehmens-IT eingliedern?
Walter:
Unabhängig davon, dass wir davon überzeugt sind, dass die große Mehrheit der Unternehmen nahezu alle ihre IT-Workloads in die Cloud verschieben werden, ist heute die Realität, dass Firmen über ihre eigene, historisch gewachsene IT-Infrastruktur verfügen. Wir verstehen uns als nahtlose Erweiterung bestehender On-Premises-Infrastrukturen, die viele unserer Kunden als Hybrid-IT bezeichnen.

ITM: Können Sie den Unterschied zwischen einer Hybrid und einer Multi Cloud kurz erläutern?
Walter:
Eine Hybrid-Cloud kombiniert die Nutzung bestehender On-Premises-Infrastrukturen mit der Cloud. Multi Cloud bedeutet, dass Unternehmen mehrere Cloud-Anbieter nutzen. Wir sehen aber, dass Unternehmen sich häufig für einen einzigen Provider entscheiden. Denn der Aufwand, in einer Multi-Cloud-Strategie alle Anbieter auf einen „gemeinsamen Nenner“ zu bringen, ist sehr hoch.

ITM: Inwieweit herrscht in den Betrieben das Wissen über diese Differenzierung?
Walter:
Wir sehen, dass viele unserer Kunden sich bei uns über solche Themen informieren. In Trainings, Zertifizierungen, Bootcamps und über den Kundenservice klären wir sie regelmäßig über die verschiedenen Optionen und Möglichkeiten der Cloud auf.

ITM: Welche Entwicklung erwarten Sie für das laufende Jahr in Sachen „Cloud im Mittelstand“?
Walter:
Die Cloud wird in Unternehmen kleiner und mittlerer Größe völlig neue Möglichkeiten der Wertschöpfung schaffen. So sehen wir, dass beim industriellen Mittelstand zahlreiche neue Lösungen zum Einsatz kommen. Beispielsweise im Bereich der Konnektivität: Beckhoff, ein führender Hersteller von Automatisierungstechnik hat eine Lösung entwickelt, die Daten von zentralen Fertigungssystemen aus der Werkshalle seiner Kunden in die Cloud sendet.

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