12.06.2017 Das fehlerlose Netzwerk als Ziel

Monitoring im Mittelstand

Von: Sebastian Krüger

Mit dem Einsatz von speziell auf die Bedürfnisse des Mittelstands zugeschnittenen Monitoring-Lösungen schaffen es die Verantwortlichen in vier Schritten zu einem (fast) fehlerlosen Netzwerk.

Mittelständische Unternehmen sind heutzutage ebenso abhängig von ihrer IT wie internationale Konzerne. Im Gegensatz zur Größe des Risikos stehen häufig vergleichsweise rudimentäre Maßnahmen, mit denen Mittelständler die Verfügbarkeit und Performance ihrer Infrastruktur sicherstellen. Dabei kommen mitunter Monitoring-Tools zum Einsatz, die lediglich Teilbereiche oder -aspekte der IT überwachen. Die Folge sind gravierende Lücken. Neben knappen Ressourcen sind die Hauptursachen für dieses Manko die Komplexität der Tools und mangelnde Erfahrung der Administratoren.

Da ist zunächst der relativ komplexe Markt für Monitoring-Tools zu nennen, auf dem sich unterschiedlichste Lösungen mit grundverschiedenen Ansätzen tummeln: von einfachen Freeware-Tools über leistungsfähige Spezialisten für Teilbereiche bis hin zu teuren Enterprise-Lösungen. Selbst Experten stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn es um die Auswahl der optimalen Lösung für ein mittelständisches Unternehmen geht.

Hinzu kommt ein gewisser Mangel an Erfahrung: Für viele Administratoren in kleineren Firmen ist Monitoring immer noch ein Randthema. Einmal installiert, werden Tools selten hinterfragt. Außerdem ist Monitoring nicht die Kernaufgabe eines klassischen Administrators im Mittelstand, weshalb er in der Regel nicht allzu viel Aufwand in die Evaluierung einer neuen Lösung stecken kann.

Die vier Stufen des Monitorings

Um das eigene Monitoring-Szenario nachhaltig zu verbessern und langfristig Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der IT-Infrastruktur zu steigern, ist es zunächst nötig, den Ist-Zustand zu ermitteln. Als Anhaltspunkt können vier wesentliche Entwicklungsschritte in der Einführung von IT-Monitoring in mittelständischen Unternehmen definiert werden:

1. Kein (systematisches) Monitoring

Hier werden in der Regel unzureichende Einzellösungen eingesetzt und das auch nur punktuell, sodass der Gesamtüberblick fehlt. Das Abfragen des aktuellen IT-Zustands erfordert aktives Anmelden an unterschiedlichen Systemen. Ausfälle werden erst durch Beeinträchtigung der Nutzer bekannt und erfordern eine aufwändige Fehlersuche zu ihrer Behebung. Die Folgen sind ein lückenhaftes Monitoring, kein Alarm bei Ausfällen und erhebliche Schäden durch IT-Ausfälle.

2. Verfügbarkeits-Monitoring

Diese Art bietet einen umfassenden Überblick über die Verfügbarkeit von Geräten und Applikationen und die umgehende Alarmierung bei Ausfällen. Auch Fehlerquellen können einfach lokalisiert und behoben werden, allerdings erst nach erfolgtem Ausfall. Auch lassen sich die Nutzererfahrungen nicht überwachen, proaktives Handeln ist nicht möglich. 

3. Performance-Monitoring

Dieser Ansatz leistet ein Monitoring der generellen Leistungsfähigkeit (User Experience). Es informiert bei Beeinträchtigung derselben bzw. bei bevorstehenden Ausfällen. Auftretende Engpässe oder Ausfälle können zeitnah behoben werden, der Grundzustand der IT-Infrastruktur bessert sich allerdings nicht nachhaltig. Verschiedene, nicht synchronisierte Monitoring-Systeme verhindern einen einheitlichen Überblick und die langfristige Optimierung der IT und so das Vorbeugen vor erneuten Beeinträchtigungen. Das Monitoring funktioniert über mehrere Lösungen und ist nach wie vor relativ zeitaufwändig.

4. Unified Monitoring

Egal ob in der Cloud oder im internen Rechenzentrum, ob Hardware, Software oder Datenverkehr, E-Mail oder Webseiten – alles ist in eine Monitoring-Lösung inte-griert. Langfristig gesammelte Daten ermöglichen eine kontinuierliche Optimierung der IT. Die generelle Stabilität der IT verbessert sich kontinuierlich, und deuten sich Engpässe an, erfolgen rechtzeitig Warnungen. Die Nutzererfahrungen unterliegen einer ständigen Prüfung, Beeinträchtigungen werden sofort erkannt und können proaktiv beseitigt werden. Sollte es wirklich einmal zu einem Ausfall kommen, analysieren solche Monitoring-Lösungen wie beispielsweise von der Paessler AG die Ursache und ermöglichen eine schnelle Fehlerbehebung.

Allerdings heißt das nicht, dass damit ein Endzustand erreicht ist: IT-Infrastrukturen unterliegen einer ständigen Entwicklung. Neue Technologien kommen dazu, Netzwerke werden erweitert, alte Geräte durch neue ersetzt. Das Monitoring muss regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst und aktualisiert werden. Nutzer müssen allerdings nicht zwangsweise sämtliche Entwicklungsstufen durchlaufen; sie können zu jedem Zeitpunkt eine sogenannte Unified-Monitoring-Lösung einführen. Was jedoch gilt es beim Unified Monitoring besonders zu beachten?

Auf die Details achten

Der Markt bietet etliche, teils hochkomplexe IT-Management-Lösungen, die Unified Monitoring beherrschen. Meist überfordern diese Lösungen aber mittelständische Unternehmen – sowohl in ihrer Komplexität als auch im Preis. Aus diesem Grund sollte das Augenmerk bei der Auswahl immer zuerst auf Bedienbarkeit und Preis liegen. Zudem sind auch der Feature-Umfang und eine gut dokumentierte API wesentliche Kriterien.

Gerade bei begrenztem Budget wird gern bei den offensichtlichen Kosten für Lizenzen gespart und zu Open-Source-Lösungen gegriffen. Dabei wird oft übersehen, dass die Implementierungskosten ebenso wie die Folgekosten für Betrieb und Wartung bei Open-Source-Applikationen den Lizenzkostenvorteil häufig schnell egalisieren. Kommerzielle Lösungen stellen aber nicht zwangsweise die bessere Alternative, sondern warten oft bei der Preisbildung mit bösen Überraschungen auf: Undurchsichtige Lizenzgestaltung und eine Vielzahl optionaler Module bescheren dem Käufer Folgekosten, die den Anschaffungspreis im Nachhinein in die Höhe treiben können. Auch gilt meist, dass Suiten aus vielen Einzelbausteinen nicht nur teuer, sondern auch komplex und schwierig zu bedienen sind. Daher sollten die Nutzer im Vorfeld definieren, was sie unbedingt brauchen, auf was sie eventuell verzichten können und was komplett überflüssig ist. Im Zweifel geht die Tendenz stets zur schlankeren Lösung.

Bildquelle: Thinkstock / iStock

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH