04.04.2017 Digital Natives für das Unternehmen gewinnen

Motivationsfaktoren für junge Fachkräfte

Von: Enrique Nuñez

IT-Fachkräfte sind gefragter denn je. Doch gerade für mittelständische Unternehmen ist die Mitarbeitergewinnung von Digital Natives im Wettbewerb zu Großunternehmen eine Herausforderung. Denn technisch versierte Talente wünschen sich immer seltener Führungsverantwortung, sondern Entwicklungs-chancen, Sinnstiftung, flache Hierarchien, flexible Arbeitsmodelle und Work-Life-Balance.

Vor allem junge Fachkräfte benötigen Freiraum, der u.a. durch flache Hierarchien, flexible Arbeitsmodelle und die Wahrung der Work-Life-Balance sichergestellt werden kann.

Bei der Gewinnung von neuen Mitarbeitern setzen mittelständische Unternehmen häufig auf schnelle Aufstiegschancen, einen familiären Umgang oder regionale Nähe. Doch die junge Generation der Arbeitskräfte fühlt sich durch diese Angebote immer weniger angesprochen. Auch hohe Löhne oder eine sichere Arbeitsstelle zählen nicht mehr zu den wichtigsten Prioritäten bei der Jobauswahl. Stattdessen streben sie Selbstverwirklichung an.

Das heißt, die Aufgaben und das Umfeld müssen Spaß machen und die zu erledigenden Aufgaben sollen sinnvoll sein. Dabei möchten sie durchaus Entwicklungschancen nutzen. Doch darunter verstehen sie meist nicht Führungsverantwortung, sondern eine Weiterentwicklung ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten über Schulungen oder Learning by doing auf Gebieten, die sie interessieren. Dies kann bei IT-Fachkräften z.B. das Programmieren, Entwickeln oder Implementieren von Software sein.

Vor allem Mittelständler tun sich immer noch schwer damit, technisch versierte junge Mitarbeiter zu rekrutieren und zu halten. Denn sie müssen zunehmend andere Motivationsfaktoren wie Sinnstiftung, flache Hierarchien, flexible Arbeitszeitmodelle und eine ausgewogene Work-Life-Balance berücksichtigen.

Mit der Aufgabe identifizieren

Tatsächlich ist die Loyalität gegenüber einer Aufgabe oder einem Projekt heute oft größer als gegenüber dem Arbeitgeber. Was Mitarbeiter persönlich als sinnvoll empfinden, erledigen sie gerne. Daher müssen sie den Sinn hinter einer Aufgabe erkennen können, um sich damit zu identifizieren. Ist das Projekt erledigt, sollte gleich die nächste Herausforderung anstehen, da ihnen sonst schnell langweilig wird. Schließlich haben Digital Natives ein hohes Pflichtbewusstsein und möchten ihren eigenen Verantwortungsbereich besitzen. Ansonsten zeigen sie sich wechselwillig. Daher sollten Vorgesetzte rechtzeitig neue Projekte anbieten, in denen die Mitarbeiter eigenständig Lösungen entwickeln können.

Führungskräfte spielen generell eine wichtige Rolle für die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Denn viele junge Arbeitnehmer wünschen sich eine starke Bezugsperson, vor allem bei direkten Vorgesetzten. Verlässt diese das Unternehmen, wandern häufig auch Teammitglieder ab. Digital Natives schätzen insbesondere regelmäßige Feedbacks zur erbrachten Leistung sowie transparente Entscheidungen. Ziele und Erwartungen sollten dabei klar formuliert sein.

Home Office und Work-Life-Balance

Zudem möchten sie, wenn möglich, in Management-Entscheidungen einbezogen werden sowie in ihrem Bereich eigenständig Entscheidungen treffen können. Dies funktioniert nur bei flachen Hierarchien. Dagegen kann eine ständige Kontrolle durch den Vorgesetzten auf junge Fachkräfte abschreckend wirken.

Flache Hierarchien ermöglichen aber auch Flexibilität am Arbeitsplatz. So sollten Mitarbeiter die Möglichkeit erhalten, im Home Office zu arbeiten. Tatsächlich sind sie dann meist produktiver als Angestellte, die ständig im Büro sind. Gerade bei Aufgaben, die einen hohen Grad an Konzentration erfordern, wie die Programmierung von Anwendungen, kann das Home Office für eine höhere Effizienz sorgen. Selbstbestimmtes Arbeiten in einer selbst gewählten Umgebung mit selbst festgelegten Arbeits- und Pausenzeiten ist ein wichtiges Auswahlkriterium bei der Stellenauswahl.

Aber auch im Büro möchten sie ihre Arbeitszeiten möglichst eigenverantwortlich bestimmen, um zu Zeiten zu arbeiten, an denen sie am produktivsten sind. Außerdem lassen sich damit Familie und Beruf besser in Einklang bringen. Dies wirkt sich auf die Work-Life-Balance aus. So bildet etwa bei Rackspace das flexible Arbeitsmodell die Antwort auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Teammitglieder.

Viele Digital Natives verfolgen neben der Arbeit eigene Projekte. Neben flexiblen Arbeitszeiten ermöglichen Sabbaticals längere Abwesenheiten für persönliche Weiterbildungen oder Erziehungsarbeit.

Bildquelle: Thinkstock / iStock

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH