Klaus Gottschalk, HPC Systems Architect bei Lenovo
ITM: Herr Gottschalk, wie hoch ist derzeit die Nachfrage mittelständischer Unternehmen nach Servern?
Klaus Gottschalk: Die Nachfrage nach Servern im Mittelstand ist sehr groß. Neue Anwendungen rund um Themen wie Big Data Analytics und Private Cloud sorgen hier für einen deutlichen Nachfrageschub. Für Lenovo ist der Mittelstand einer der wichtigsten Absatzmärkte in den wir Investieren und noch signifikant wachsen möchten.
ITM: Welche Merkmale prädestinieren einen Server für den Einsatz im Mittelstand?
Gottschalk: Für den Kauf von Servern sind eine Reihe von Punkten entscheidend: Aktuelle Hardware, Offenheit und Ausfallsicherheit der Hardware, ein reaktionsschneller Service wenn es mal ein Problem gibt. Und last but not least ein Hersteller und eine Hardwareplattform mit Zukunft so, dass die Investition für den Kauf der Server geschützt ist, das System in der Zukunft erweitert und lange betrieben werden kann.
Für Lenovo sind diese Faktoren Fokusthemen und wir sind dazu bestens aufgestellt.
ITM: Wie treffen IT-Verantwortliche die richtige Wahl?
Gottschalk: Die richtige Auswahl hängt vom geplanten Einsatz ab. Wir empfehlen eine moderne Standard Prozessor-Architektur und sind deshalb Partner von Intel. Mit einem Standard Server ist die Auswahl am Markt hoch und das Preis/Leistungsverhältnis stimmt. Die Server-Architekturen sind erprobt und die Roadmap offen und klar. Aus unserer Sicht ist damit die Invitation gut geschützt.
ITM: Inwieweit spielt die Serverlast eine Rolle als Auswahlkriterium?
Gottschalk: Sie spielt eine große Rolle: Die Plattform wird typischerweise durch die Umgebung und den geplanten Einsatz bestimmt. Für einen Serververbund (beispielsweise ERP oder SAP) würde ich ein integriertes/converged System wählen. Eine Plattform, die direkt die Komponenten Server, Netzwerk, Storage und SAN integriert. Damit kann ich einfach die Komponenten zusammen verwalten und das Zusammenspiel zwischen den Servern (Datenbank-, Applikation- und Web-Frontend) intern über die integrierten LANs und SANs kontrollieren. Dazu gibt es unsere Flex-System-Server-Linie. Das ist eine typische Plattform für ein SAP System eines mittelständigen Kunden.
Für Einzelserver, Infrastruktur- und Servicemaschinen würde ich eine Standard rack-mounted Serverplattform empfehlen. Hier hat man die volle Flexibilität alles anzuschließen und alles so zu konfigurieren, wie man es möchte. Rack-mounted Server sind immer noch das Brot und Butter Geschäft im Servermarkt. Hier sind die 1U- und 2U-Server wie der Lenovo x3550 oder x3650 anzusiedeln und ebenso die Lenovo Think Server. Nach oben hin wird das Portfolio mit den skalierbaren X6 Servern mit 4, 8 und bis zu 16 Sockeln abgerundet. Auf X6 basierten Servern kann man große Datenbank-Server oder hunderte von virtualisierten Servern abbilden. Dies sind auch die typischen Systeme für den Trend der Re-Zentralisierung der IT. Eine Re-Zentralisierung erfolgt typischerweise mittels Lenovo X6 Highend-Servern. Im 4- bzw. 8 Sockel Racksever-Bereich sind das die Produktfamilien x3850 X6 und x3950 X6 und im Flex Segment die Systeme x240, x280, x480 und x880. Merkmale der zentralisierten IT sind hierbei zentrales System-Management und eine möglichst hohe Integration von Storage und Netzwerk in die Lösung.
Ein weiteres Szenario sind die Systeme für HPC bzw. Cloud-Lösungen. Hier ist die Integration und Flexibilität kein zentrales Kriterium. Dafür spielen Punkte wie Einfachheit, Skalierbarkeit, Packungsdichte, Energieeffizienz und zentrales Deployment/Management/Monitoring eine wichtige Rolle. Wir positionieren hierzu unsere NeXtScale Plattform. Ein Chassis mit 12 unabhängigen Knoten. Shared-Nothing-Server ohne jede Redundanz. 2 x 2 Sockel pro Höheneinheit und eine direkte Wasserkühlung. Damit kann man Cloud-Datacenter aufbauen, managen und energieeffizient betreiben.
Das Betriebssystem ist für die Serverauswahl zweitrangig. In der Regel entscheidet man sich für ein Betriebssystem auf Basis von In-Haus Skills und Erfahrung. Linux ist sicher im Vormarsch aber Windows hat eine stabile Benutzergruppe.
ITM: Welche Vorteile haben kleine und mittelständische Unternehmen von einem eigenen Serverbetrieb?
Gottschalk: Stichworte: Datensicherheit für Unternehmensdaten, strategische Vorteile durch eigene In-Haus-Anwendungen und den Skill die Server zu betreiben.
ITM: Was passiert, wenn der Server ausfällt? Welche Sicherheitsvorkehrungen können getroffen werden?
Gottschalk: Das hängt davon ab, wie kritisch die Anwendungen sind, die auf den Servern laufen. Kritische Anwendungen brauchen hoch verfügbare Server oder Flexibilität in der Zuordnung zu Server Hardware. Hochkritische Anwendungen werden durch Failover-Cluster abgesichert. Das ist komplex und teuer. Für weniger kritische Anwendungen ist eine virtualisierte Lösung ausreichend. Ein Hardwareausfall oder -Wartung wird durch automatische oder manuelle Verschiebung auf andere Server gelöst. Für viele Standardanwendungen genügt es oft gute Server-Hardware auszuwählen und in etwas Redundanz zu investieren. Oft reichen schon doppelte Netzteile und Netzwerkadapter um triviale Ausfälle zu verhindern.
ITM: Wann sollte ein Mittelständler besser auf Standardsysteme z.B. auf Windows- oder Linux-Basis zurückgreifen, wann sind spezialisierte Serverplattformen sinnvoll?
Gottschalk: Aus unserer Sicht sind Standardsysteme immer das Tool der Wahl für Inhaus Betrieb der IT. Spezialisierte Hardware hat nur dort eine Berechtigung wo ein Vorteil daraus entsteht.
ITM: Wird der Serverschrank auf Dauer durch Cloud Computing ersetzt werden?
Gottschalk: Gute Frage. Jede Aussage dazu ist ein Blick in die Glaskugel. Für kleine Firmen mit Standard Anwendungen ist die Cloud eine einfache Möglichkeit IT zu benutzen. Für viele Firmen wird das mittelfristig eine attraktive Alternative zu einem Serverschrank sein. Aber wie oben ausgeführt, Anwendungen die kritischen Daten speichern oder einen kompetitiven Vorteil darstellen werden kaum außer Haus gegeben werden. Hier fehlen noch klare Antworten der Cloud-Hersteller.
ITM: Welche Auswirkungen hat das Support-Ende für Microsoft Windows Server 2003 auf mittelständische Anwender?
Gottschalk: Falls man den Upgrade nicht schon geplant hat, sollte man jetzt damit anfangen. Ohne den Upgrade verliert man die Security Updates und andere Fixes von Microsoft. Das kann für einen Hackerangriff Tür und Tor öffnen.
ITM: Welche Servertypen eignen sich für Virtualisierungszwecke?
Gottschalk: Virtualisierung ist heute Standard. In jedem Lösungsszenario ist Virtualisierung eine zentrale Komponente, deshalb muss jeder Server virtualisierbar sein.
Das gilt im Kleinen, wo eine Testmaschine mal schnell aufgesetzt werden muss, ohne dass gleich neue Hardware beschafft werden muss. Bis hin zu großen Umgebungen für virtualisierte Serverfarmen, Cloud Services mit Virtual Desktop Environments, remote Visualisierung oder Self Service Deployment Clouds bei großen Firmen.
Zentrale Punkte dabei sind eine bessere Auslastung der Server, der Last-Ausgleich im Verbund mehrerer Server und ein einfacher Ausfallschutz durch verschieben von Server-Images zwischen Servern im Verbund.
Virtualisierung hat vieles einfacher gemacht und ist nicht mehr wegzudenken.
ITM: Wann ist der Einsatz eines Blade-Servers ratsam und profitabel?
Gottschalk: Für einen Serververbund (beispielsweise ERP oder SAP) würde ich ein integriertes/converged System wählen. Eine Plattform, die direkt die Komponenten Server, Netzwerk, Storage und SAN integriert. Damit kann ich einfach die Komponenten zusammen verwalten und das Zusammenspiel zwischen den Servern (Datenbank-, Applikation- und Web-Frontend) intern über die integrierten LANs und SANs kontrollieren. Dazu besitzen wir unsere Flex-System-Server-Linie. Das ist die typische Plattform für ein SAP System eines mittelständigen Kunden.
ITM: Welche Aspekte müssen IT-Verantwortliche beim Umstieg auf Blade-Server beachten?
Gottschalk: Da die Blade-Infrasturktur (Chassis, Switches, Storage) in Blade-Umgebungen Teil der Plattform sind, würde ich den Investitionsschutz in den Vordergrund stellen. Eine Bladefamilie sollte auf Dauer angelegt sein so, dass ich die Architektur oder auch Teile der Infrastruktur in der nächsten Generation weiter nutzen kann. System x Blade Center ist so ein Beispiel. Die grundlegende Architektur wurde 15 Jahre beibehalten. Erst dann war eine Überarbeitung notwendig.