21.04.2017 Alexander Saul, Vodafone, im Interview über die Basis von Industrie 4.0

Narrowband-IoT: Ein Netz nur für Maschinen

Von: Ina Schlücker

Mit „Narrowband-IoT“ will Vodafone ein stabiles Netz für das Internet der Dinge aufbauen. Neben schnellen Übertragungsraten kommt es dabei vor allem auf hohe Sicherheitsstandards an, wie Alexander Saul, Geschäftsführer Enterprise bei dem TK-Anbieter, im Interview erklärt.

  • „Wir vernetzen Gegenstände und Maschinen auch dort, wo herkömmlicher Mobilfunk nicht mehr hinkommt: hinter Betonwänden,  im Keller oder in großen Gebäuden“, berichtet Alexander Saul, Geschäftsführer Enterprise bei Vodafone Deutschland.

    „Wir vernetzen Gegenstände und Maschinen auch dort, wo herkömmlicher Mobilfunk nicht mehr hinkommt: hinter Betonwänden, im Keller oder in großen Gebäuden“, berichtet Alexander Saul, Geschäftsführer Enterprise bei Vodafone Deutschland.

  • Narrowband-IoT setzt auf der Mobilfunkinfrastruktur von Vodafone auf und soll für die fast unbegrenzte Gegenstandsvernetzung optimiert sein.

    Narrowband-IoT setzt auf der Mobilfunkinfrastruktur von Vodafone auf und soll für die fast unbegrenzte Gegenstandsvernetzung optimiert sein.

ITM: Herr Saul, was verstehen Sie unter Narrowband-IoT?
Alexander Saul:
Narrowband-IoT ist eine Erweiterung unseres LTE-Netzes. Die Technologie setzt auf unserer vorhandenen Mobilfunkinfrastruktur auf und ist für eine beinahe unbegrenzte Vernetzung von Gegenständen optimiert.

Kurz: Narrowband-IoT ist unser Maschinennetz. Ein Netz, speziell für Anwendungen, bei denen in regelmäßigen Abständen kleine Datenmengen übertragen werden. Dabei ist die Technologie besonders energie- und kostensparend. Damit schaffen wir die Möglichkeit, Milliarden Geräte miteinander zu vernetzen und machen das Internet der Dinge für unsere Geschäftskunden massentauglich. Und mit Narrowband-IoT vernetzen wir Gegenstände und Maschinen auch dort, wo herkömmlicher Mobilfunk nicht mehr hinkommt: hinter Betonwänden, im Keller oder in großen Gebäuden. Denn das Maschinennetz funkt dank seiner Reichweite nahezu überall.

ITM: Wie funktioniert die Vernetzung von Maschinen und Produktionsstandorten mittels dieser Technologie genau?
Saul:
Im Gegensatz zu unserem klassischen Mobilfunknetz, über das wir bereits mehr als 45 Millionen Maschinen und Fahrzeuge weltweit vernetzt sind, funken im Maschinennetz vor allem Anwendungen, bei denen in regelmäßigen Abständen kleine Datenmengen übertragen werden – wie etwa bei vernetzten Wasserzählern oder Tracking-Geräten für Transportcontainer.

Dabei ermöglichen der minimale Energieverbrauch und Batterielaufzeiten von bis zu zehn Jahren der IoT-Module die Vernetzung auch ohne externe Stromversorgung. So können zum Beispiel beim Auslesen von Zähler- oder Füllständen Energie- und Kosten gespart werden. Sensoren erfassen dabei bestimmte Zustände. Ist ein Behälter, etwa ein Müllcontainer oder ein Wassertank, komplett gefüllt, wird über das Maschinennetz ein Datensignal abgesetzt. Das Gleiche passiert, wenn in einem Raum eine bestimmte Temperatur oder ein Feuchtigkeitsgrad überschritten wird, oder aber beim Weinanbau ein bestimmter Reifegrad auftritt. Auf dieser Basis können Behälter zum richtigen Zeitpunkt geleert, weitere Produktionsschritte eingeleitet und die Weintrauben zum bestmöglichen Zeitpunkt geerntet werden.

Daneben gibt es Bereiche, in denen sehr große Datenmengen nahezu in Echtzeit ausgetauscht werden müssen, z.B. bei großen Produktionsanlagen in der Industrie oder beim vernetzten Straßenverkehr. Bei solchen Anwendungen kommt heute unser LTE-Netz zum Einsatz und ab 2020 mit 5G das Hochgeschwindigkeitsnetz der Zukunft.

ITM: Sie haben jüngst ein eigenes Narrowband-IoT-Labor in Deutschland gegründet. Welche Ziele verfolgen Sie damit?
Saul:
Wir wollen als Telekommunikationskonzern die Zukunft im Internet der Dinge gestalten. In unserem IoT Future Lab testen wir gemeinsam mit namenhaften Partnern unter Live-Bedingungen konkrete Anwendungsszenarien und Geräte. Das Testnetz hat so viel Leistung, dass wir problemlos sämtliche Aufzüge in ganz Deutschland vernetzen könnten.

ITM: Mit welchen Partnern und Branchen arbeiten Sie im IoT-Bereich zusammen?
Saul:
Wir setzen auf Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Modulhersteller bis zum Netzwerkausrüster, vom Start-up bis zum Großkonzern. Zum einen arbeiten wir mit einer ganzen Reihe Technologiepartnern zusammen, wie den Netzwerkausrüstern Ericsson, Huawei und Nokia, den Modulherstellern Telit und U-blox und den Chip-Produzenten Intel und Neul.

Zum anderen kommen unsere Kooperationspartner aus der Industrie und den Reihen unserer Kunden. Dazu zählen aktuell der Digitaldienstleister der Deutschen Bahn, DB Systel, der Energienetzbetreiber Netze BW und der Energiedienstleister Techem. Mit diesen und weiteren Unternehmen arbeiten wir an konkreten Anwendungsbeispielen.

ITM: Welche Kunden sprechen Sie mit Narrowband-IoT an?
Saul:
Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und nicht auf einzelne Branchen beschränkt. Vom Energiedienstleister, über den Maschinenbauer, bis zum Einzelhändler oder auch Landwirt. Ganz egal, ob Großkonzern, Mittelstand oder Kleinbetrieb. Überall gibt es Szenarien für die digitale Vernetzung von Geräten und Maschinen, mit denen sich Unternehmen neue Geschäftsfelder erschließen, besseren Service anbieten oder auch ihre Effizienz steigern können.

Ein Beispiel: Mit der Deutsche-Bahn-Tochter DB Systel werden wir mit Narrowband-IoT-Sensoren ausgestattete Mülleimer testen, die ihren Füllstand selbstständig erkennen und melden.

ITM: Ein Blick nach vorne: Wie lange wird es dauern, bis sich das Internet der Dinge flächendeckend durchgesetzt hat?
Saul:
Die Vernetzung von Maschinen breitet sich rasant aus. So werden 2020 weltweit 25 Milliarden Geräte und Maschinen vernetzt sein, 2016 waren es lediglich fünf Milliarden.

ITM: Was sind die Hemmnisse, was die Treiber für die Verbreitung?
Saul:
Haupttreiber sind neue Geschäftsmodelle basierend auf der IoT-Technologie, mit denen sich Unternehmen neue Märkte und Einnahmequellen erschließen. Man denke nur an innovative Carsharing-Dienste wie Drive Now oder Connected Car Services, die ohne IoT undenkbar wären. Weitere Treiber sind effizientere Prozesse in Produktion und Logistik. Hier sorgt IoT für höhere Qualität, verbesserten Service und geringere Kosten.Und auf technologischer Seite ist die zunehmende Digitalisierung von zentraler Bedeutung, denn erst sie ermöglicht die volle Vernetzung. Ein Beispiel ist die Energiebranche, die ihre Infrastruktur auf digitale Zähler umstellt, sogenannte Smart Meter.

Als Herausforderung sehen wir, dass Standardisierung und einheitliche Sicherheitsstandards noch stärker vorangetrieben werden müssen. Nur so kann die Kommunikation zwischen den einzelnen Geräten und Maschinen reibungslos funktionieren und kein Missbrauch von außen stattfinden. Mit Narrowband-IoT setzen wir auf die hohen Sicherheitsstandards unserer bestehenden Mobilfunkinfrastruktur auf. Dabei funkt das Internet der Dinge in einem eigenen Bereich, auf das nur mit spezieller Berechtigung zugegriffen werden kann. Entsprechende Authentifizierungsprozesse schließen unbefugten Zugriff von außen aus. Zudem können wir Unternehmen aufzeigen, wie sie das Internet der Dinge gewinnbringend für sich nutzen können.

Bildquelle: Vodafone

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