04.09.2017 Familienbetrieb als digitaler Vorreiter

Neues Geschäftsmodell dank CRM-System

Bei dem auf Preisauszeichnungen im Autohandel spezialisierten Familienbetrieb Visi/One sorgt eine cloud-basierte CRM-Plattform für innovative Geschäftsfelder.

  • Das Team von Visi/One

    Das Team von Visi/One um Geschäftsführerin Stefanie Kalheber entwickelt innovative digitale Preisauszeichnungssysteme für den Autohandel.

  • Papierbasierte Preisschilder im Fahrzeug

    Papierbasierte Preisschilder im Fahrzeug spielen im Autohandel nach wie vor eine große Rolle.

  • Jaguar Land Rover Deutschland

    Mit Jaguar Land Rover Deutschland wurde 2016 das weltweit erste Pilotprojekt umgesetzt.

Visionen aus Ideen und Herausforderungen zu entwickeln, das war schon immer das Ziel von Visi/One. Dank seinem digitalen Preisauszeichnungssystem ist das ehemalige Familienunternehmen aus Remscheid heute globaler Marktführer sowie Wunschpartner sämtlicher großer Autohersteller und treibt die Digitalisierung im Autohandel kontinuierlich mit voran.

Von Beginn an prägten kreative Ideen, die Fähigkeit zum Weiterdenken und der Mut zur Veränderung die Historie des Familienunternehmens. „Es war schon immer unsere Stärke, Impulse von Kundenseite aufzunehmen und darauf basierend Lösungen zu entwickeln“, erklärt Geschäftsführerin Stefanie Kalheber, die Visi/One gemeinsam mit ihrem Mann Michael leitet. So war auch eine Kundenumfrage Basis für die Gründung des Unternehmens und der Erfindung der Hafttasche, die heute ein weltweiter Standard für die Preisauszeichnung im Fahrzeug ist. Allerdings war der Weg dorthin nicht immer einfach und auch mit Rückschlägen verbunden. „Wir haben schon früh viel ausprobiert und waren stets offen dafür, Ideen auch zu verwerfen. Ohne diese digitale Experimentierfreude wären wir heute nicht da, wo wir jetzt stehen“, ist sich die Geschäftsführerin sicher. Ansporn des kleinen Teams waren der unbedingte Wille zum Erfolg und die erforderliche Agilität.

1998 brachte das Unternehmen seine erste Hafttasche für den Autohandel auf den Markt. Diese wurde prompt von der BMW Bank in einer Auflage von 50.000 Stück bestellt. „Es war die erste Preisauszeichnung im Fahrzeug, die komplett entsprechend der Corporate Identity der Marke gestaltet und produziert werden konnte. Die Bank hat die Taschen im BMW-Bank-Design an die Händler verschenkt – und war dadurch mit einem Sprung mit ihren Finanzdienstleistungen in jedem Fahrzeug präsent“, erzählt Kalheber.

Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen zum Hidden Champion entwickelt. Ein wichtiger Schritt bei der internen Digitalisierung erfolgte 2012 mit der Umstellung des Vertriebs auf eine Cloud-Lösung. Damals setzte Visi/One zwar ein ERP-System mit Customer Relationship Management (CRM) ein. Allerdings unterstützte diese All-in-One-Lösung für kleinere und mittlere Unternehmen keine kundenspezifischen Prozesse.

Auf dem Weg in die Cloud

Deshalb suchte das Unternehmen nach einem CRM-System, das eine Plattform für sämtliche Kundendaten bietet, als Cloud-Service betrieben wird und dadurch auch auf mobilen Endgeräten verfügbar ist. Fündig wurde man bei Salesforce: „Das ausschlaggebende Kriterium war, dass ich unsere in monatelanger Arbeit entwickelte Einkaufsplattform in Salesforce innerhalb kurzer Zeit einfach nachbilden konnte. Damit war die Entscheidung für die Sales Cloud gefallen“, erinnert sich Konstantin Kalheber, Geschäftsführer bei dem den Familienbetrieb betreuenden Salesforce-Beratungshauses Incubes.

Gleichzeitig baute Visi/One sein eigenes Produktportfolio kontinuierlich weiter aus. Anregung war – wie schon zu Beginn – die Rückmeldung der Kunden. So entwickelte sich das Unternehmen vom Display-Lieferanten zum Anbieter der digitalen Carsales-Intelligence-Lösung. Bis zur Marktreife dauerte es allerdings noch einige Jahre. „Das Aha-Erlebnis folgte in Gesprächen mit Kunden bei denen sich herausstellte, dass sie sich mit Partnern aus dem Einzelhandel hinsichtlich einer neuen, digitalen Lösung austauschten. Wir wurden nicht gefragt, weil man uns in puncto Digitalisierung überhaupt nicht auf dem Schirm hatte“, weiß Stefanie Kalheber. „Plötzlich fanden wir uns und unsere Produkte in einem völlig neuen Kontext wieder: Denn unser Visi/sales Display war jetzt nicht mehr als eine Halterung, eine einfache Platte. Die Wertigkeit unseres Kerngeschäfts hatte sich völlig gewandelt."

Geschäftsmodell basiert auf CRM-System

Schritt für Schritt kam Visi/One seiner Vision des digitalen Autohauses, das viel mehr als nur Preisänderungen am Auto umfasst, näher: Echtzeitsynchronisation per Klick über sämtliche Quellen und Plattformen wie der eigenen Webseite, Autohandelsportalen und dem Display im Fahrzeug bis zur intelligenten Ermittlung des optimalen Marktpreises durch die Verknüpfung mit Big-Data-Analysesoftware. „Papierbasierte Preisschilder im Fahrzeug sind eine wichtige Entwicklung im Autohandel. Denn die Händler beobachten den Wettbewerb und passen ihre Preise schneller als je zuvor an die Preise im Internet an. Gleichzeitig hat der Kunde im Autohaus über sein Smartphone die volle Kontrolle über die Preiskommunikation des Händlers und sämtliche konkurrierende Angebote im Netz“, erklärt die Geschäftsführerin. Der Familienbetrieb hat dafür die erforderliche Hard- und Software entwickelt – und sich damit erneut in Neuland gewagt. Kunden können die Lösung direkt von jedem Gerät aus nutzen.

Bei der Entwicklung der cloud-basierten Anwendung setzte das Unternehmen auf Salesforce Heroku. „Die Entwicklungsplattform bietet uns in Kombination mit uder speziell entwickelten Carsales-Intelligence-Hardware den Vorteil, dass man die Software je nach Last skalieren kann“, erläutert Konstantin Kalheber. Dadurch ist es möglich, Preise von bis zu 180.000 Fahrzeugen pro Sekunde zu aktualisieren. Verwalten lässt sich das Auszeichnungssystem mit der Service Cloud.

So basiert das gesamte Geschäftsmodell der digitalen Preisauszeichnung auf Salesforce. Denn Mit Jaguar Land Rover Deutschland wurde 2016 das weltweit erste Pilotprojekt umgesetzt. In 2017 startet der Rollout bei 300 Audi-Händlern in Kooperation mit der Zentrale Deutschland.

Bildquelle: Photography Christian Krinninger

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