„Die Bandsicherung ist in vielen Unternehmen noch weit verbreitet, ist aber gerade für kleine und mittlere Betriebe eine aufwendige Sicherungsmethode“, bemerkt Thomas Kasper, Executive Director DACH bei Carbonite.
ITM: Herr Kasper, inwieweit befassen sich Mittelständler mit dem Thema „Datensicherung“ bzw. wie ernst nehmen sie das Thema? Und welche Lösungen werden aktuell favorisiert?
Thomas Kasper: Die Datensicherung hat als Teil einer robusten Disaster-Recovery-Strategie in kleinen und mittleren Unternehmen einen zunehmend höheren Stellenwert, denn mit der Abhängigkeit von elektronisch verarbeiteten Daten wachsen auch die Risiken für die Geschäftskontinuität. Die optimale Strategie für einen umfassenden Schutz unternehmenskritischer Daten ist der parallele Einsatz einer Onsite-Datensicherung auf lokalen Netzwerkspeichern und eines verschlüsselten Offsite-Backups in einem hochsicheren Rechenzentrum. Viele Mittelständler nutzen solche Modelle bereits mithilfe eigener Private Clouds, während Kleinbetriebe dafür nicht die Ressourcen haben. Eine erst kürzlich von IDC veröffentlichte Studie kam aber zu dem Ergebnis, dass viele Betriebe künftig auf speziell für die Bedürfnisse von KMU optimierte hybride Datensicherungslösungen umsteigen möchten, um ihre Daten und Prozesse sowohl lokal als auch in der Cloud gleichzeitig zu sichern.
ITM: Welche Möglichkeiten bietet den Unternehmen ein Onsite-Backup, sprich eine Datensicherung vor Ort im eigenen Unternehmen? Wie werden die Daten in der Regel vor Ort im Unternehmen gesichert?
Kasper: Viele Unternehmen bevorzugen Onsite-Backups, da sie mit der Archivierung im eigenen Haus die vollständige Kontrolle über gespeicherte Daten behalten. Für die alltägliche Datensicherung kommen meist externe Datenträger oder Netzwerkspeichersysteme zum Einsatz. Insbesondere NAS- (Network Attached Storage) und SAN-Systeme (Storage Attached Network) sind beliebt, da sie als geteilte Ressourcen eine hohe Flexibilität bieten und die Arbeitsproduktivität erhöhen. Zudem lassen sich über das lokale Netzwerk Onsite-Backups schnell durchführen, ohne die Produktivsysteme zu belasten.
ITM: Welche Probleme bringt ein Onsite-Backup mit sich? Gegen welche „Übel“ ist dieses Lösungsmodell nicht gewappnet?
Kasper: Onsite-Backups genügen nicht mehr aktuellen Sicherheitsansprüchen. Lokale Speicherressourcen sind weiterhin durch klassische Gefahren wie Brand oder Diebstahl bedroht und die zunehmende Vernetzung der Arbeitswelt über das Internet erhöht das Risiko für Daten in Firmennetzwerken weiter. Selbst die beste Gefahrenabwehr bietet dabei keinen hundertprozentigen Schutz vor Datenverlusten durch Beeinträchtigung der lokalen Infrastruktur und daraus resultierenden Unterbrechungen der Geschäftstätigkeit. Für maximale Sicherheit empfiehlt es sich daher, Onsite- mit Offsite-Backups zu verbinden. Hybride Backup- und Recovery-Lösungen ergänzen die lokale Datensicherung mit webbasierten Backups und bieten auch Kleinbetrieben eine einfache und wirtschaftliche Möglichkeit, eine konsistente Backup-Strategie umzusetzen.
ITM: Wie gestaltet sich im Vergleich dazu ein Offsite-Backup? Welche Methoden wenden die Unternehmen hier an, um ihre Daten außerhalb des eigenen Unternehmens zu sichern?
Kasper: Bei traditionellen Offsite-Backup-Methoden werden die Daten auf externen Medien wie Magnetband oder optische Datenträger gespeichert und in speziell gesicherten Schließfächern oder Archivräumen außerhalb des Unternehmens verwahrt. Da die Backup-Prozesse der herkömmlichen Verfahren die Geschäftstätigkeit in Produktivumgebungen beeinträchtigen können, verwenden größere mittelständische Unternehmen und Konzerne einen anderen Ansatz. Sie nutzen firmeneigene Rechenzentren, um ihre Daten über das unternehmensinterne Netzwerk zu sichern.
ITM: Mit welchem Aufwand und welchen Problematiken ist ein Offsite-Backup verbunden?
Kasper: Ein Beispiel: Die Bandsicherung ist in vielen Unternehmen noch weit verbreitet, ist aber gerade für kleine und mittlere Betriebe eine aufwendige und unwirtschaftliche Sicherungsmethode. Die Datensicherung dauert meist lang und beeinträchtigt oder blockiert wichtige Produktivsysteme. Daher kann diese Form des Offsite-Backups oft nur wöchentlich durchgeführt werden. Moderne Geschäftsmodelle benötigen im Falle eines Datenverlusts dagegen kurze Wiederherstellungszeiträume, die mit diesen klassischen Sicherungsverfahren kaum wirtschaftlich umsetzbar sind.
ITM: Welche Rolle spielt das Internet beim Offsite-Backup?
Kasper: Die Verbindung zum Rechenzentrum ist für moderne Offsite-Datensicherungsmethoden wie die online- oder cloud-basierte Datensicherung entscheidend. VPN- und WAN-Verbindungen bieten sich hier an, sind für kleine und mittlere Unternehmen aber meist zu kostspielig. Das öffentliche Internet ist für viele Anwender das Medium der Wahl. Dann ist es wichtig, dass der Dienstanbieter zuverlässige Verschlüsselungsmethoden und eine effektive Datenkompression verwendet, um Daten schnell und geschützt ins Rechenzentrum zu übertragen. Insbesondere bei Internetverbindungen mit durchschnittlicher Bandbreite können auch zusätzlich Seeding-Devices eingesetzt werden. Diese hardwarebasierte Lösung fungiert dann als Zwischenspeicher, auf dem die Backup-Daten vor der eigentlichen Übertragung in ein gesichertes Rechenzentrum abgelegt werden können.
ITM: Dann wiederum bieten mittlerweile zahlreiche Dienstleister auch Cloud-Backup-Lösungen an. Kann man hier nicht im Grunde auch von einem Offsite-Backup sprechen? Oder muss man hier differenzieren?
Kasper: Bei Offsite-Backups werden unternehmenskritische Daten und Prozesse abseits von der lokalen IT-Infrastruktur gesichert. Demnach ist auch die Datensicherung in einem Cloud- oder Onlinespeicher eines hochsicheren Rechenzentrums ein Offsite-Backup.
ITM: Was sollten Unternehmen bei der Auswahl eines Cloud-Backup-Dienstleisters beachten? Nach welchen Kriterien sollten sie entsprechende Lösungen auswählen?
Kasper: Zahlreiche Kriterien sind bei der Wahl des Anbieters zu beachten. Viele hängen natürlich von den individuellen Anforderungen des jeweiligen Anwenders ab. Für alle deutschen Unternehmen, die ihre Daten auch langfristig im Cloud-Speicher archivieren möchten, um diese beispielsweise rechtskonform zu archivieren, gilt: Das Rechenzentrum des Anbieters sollte möglichst in Deutschland stehen und die Daten nach deutschen Datenschutzrichtlinien gesichert werden. Orientierung bieten hier Zertifizierungen wie die ISO/IEC 27001 auf Basis von IT-Grundschutz.
ITM: Welche Sicherungsmaßnahmen sind seitens der Cloud-Backup-Dienstleister unbedingt notwendig?
Kasper: Für maximale Datensicherheit sollten Anwender bei der Wahl des Anbieters darauf achten, dass moderne Verschlüsselungsmethoden bei der Übertragung und Speicherung der Daten genutzt werden. Der Austausch der Daten zwischen Client und Rechenzentrum sollte über eine verschlüsselte SSL-Verbindung geschehen. Die Datenhaltung im Onlinespeicher sollte optimalerweise mit einer hardwarebasierten AES-Verschlüsselung oder einer Vorverschlüsselung der Backup-Daten auf Dateisystemebene, etwa mittels Private-Key-Verfahren, erfolgen.
ITM: Auch wenn die Cloud-Sicherung scheinbar zahlreiche Möglichkeiten bietet: Was sind gängige Probleme einer solchen Lösung? Was geschieht beispielsweise bei Internetstörungen?
Kasper: Da sich das Medium mit den Daten im Rechenzentrum und damit außerhalb der Reichweite der Anwender befindet, sollten Unternehmen sich fragen, ob eine reine Onlinedatensicherung für ihr Geschäftsmodell ausreicht. Denn die reine Onlinedatensicherung ist ebenso wenig eine konsistente Backup-Strategie wie die rein lokale Datenhaltung. Fallen die Verbindung zum Dienst oder der Service auf Seiten des Anbieters aus, kann die Geschäftstätigkeit von Unternehmen, die nicht zusätzlich auf eine lokale Sicherung vertrauen, empfindlich gestört werden. Hybride Backup-Lösungen verbinden Offsite-Backups mit einer lokalen, unternehmensinternen Datensicherung, um auch bei Verbindungsabbrüchen die Verfügbarkeit sicherzustellen.
ITM: Welche Schritte sollten Mittelständler letztlich bei der Erstellung einer geeigneten Backup-Strategie beachten?
Kasper: Als Teil eines Disaster-Recovery-Plans hat eine Backup-Strategie die Aufgabe, maximale Datensicherheit mit größtmöglicher Verfügbarkeit und hoher Produktivität zu verbinden. Hilfestellung bei der Entwicklung einer leistungsfähigen Strategie bietet die „3-2-1-Regel“. Geschäftskritische Daten sollten in drei Ausführungen existieren und auf zwei verschiedenen Medien gespeichert werden. Ein Datensatz sollte dabei offsite, also an einem zusätzlichen Standort, aufbewahrt werden.