22.02.2017 Mut zum harten Schnitt

Rechenzentren zwischen Cloud und Modernisierung

Von: Siegfried Dannehl

Während IT-Budgets – falls überhaupt – bestenfalls moderat wachsen, erfordert die Umsetzung moderner, kundenorientierter Geschäftskonzepte eine radikale Steigerung bei der IT-Funktionalität und -Agilität. Wer dieser Zwickmühle entkommen will, muss nicht nur bereit sein, vorhandene IT-Infrastrukturkonzepte komplett infrage zu stellen, er muss sich auch von traditionellen Denkweisen verabschieden. Und agieren wie ein Start-up.

  • Bernd Sommer von Curvature Deutschland.

    „Unternehmen sollten ihre Rechenzentren verstärkt an einer ‚bimodalen IT‘-Strategie zwischen innovativ-agilen und zuverlässig-traditionellen Prozessen ausrichten“, rät Bernd Sommer von Curvature Deutschland.

  • Heiko Henkes, Director Advisor  bei der Experton Group

    „Das Management vieler verschiedener Service-Provider und die nahtlose Integration einzelner Dienstleistungen zu einer geschäftsorientierten Lösung für die Anwender stellt eine große Herausforderung an die IT-Organisation dar“, betont Heiko Henkes, Director Advisor bei der Experton Group.

Die Durchdringung traditioneller Geschäftsprozesse durch IT bzw. die Adaption moderner IT-Trends und -Tools überrollt nach Ansicht des Beratungsunternehmens Experton Group immer noch viele Entscheidungsträger. Ein Ende ist nicht in Sicht – ganz im Gegenteil. Wer sich nicht intern und extern digital transformiert, befindet sich aktuell in einer Abwärtsspirale und wird nach Meinung der Marktbeobachter in den kommenden zehn Jahren aus dem Markt ausscheiden.

„Die Herausforderung dabei ist die immense Geschwindigkeit, mit der Konsumenten durch neue, zunehmend intelligente und digitale Services angesprochen werden, und der daraus resultierende Druck auf etablierte Unternehmen. Heutzutage müssen sich Unternehmen ständig neu hinterfragen und im Grunde eine Reaktionsfähigkeit analog zu einem Start-up aufbauen“, erklärt Heiko Henkes, Director Advisor bei der Experton Group.

Anwenderunternehmen sind nach seiner Ansicht deshalb gefordert, etablierte Prozesse zu hinterfragen und neu zu klassifizieren. „Der Kosten- und Leistungsdruck führt über modernes und zukunftsweisendes Sourcing auch zu einem optimierten Vendor Management und Service Integration and Management (SIAM), was wiederum die Nutzung hybrider Cloud-Services ermöglicht“, so Henkes.

Auch die Nutzung von Public-Cloud-Services wird dank kleiner Innovationszyklen und Preise immer reizvoller. „Diese Services weichen jedoch stark von den bisherigen Systemkonsolen wie von VMware ab. Auch die Fülle an Möglichkeiten erschlägt die User förmlich. Somit sind die ungewohnte Umgebung und die Frage nach der Änderung von Verträgen für die Auslagerung von Diensten Gründe für die Inanspruchnahme eines Managed-Service-Providers, der Kunden beim Onboarding und dem Betrieb über zertifizierte Mitarbeiter unter die Arme greift“, empfiehlt Heiko Henkes.

Cloud Computing hat Priorität

Viele Unternehmen arbeiten an der Modernisierung ihres Rechenzentrums, um die digitale Transformation zu unterstützen und Fachabteilungen kostengünstig flexible und agile IT-Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Immer häufiger kommt nach Ansicht des Beratungsunternehmens IDC dabei eine Software-defined Infrastructure (SDI) als Lösungsansatz zur Umsetzung von Cloud Computing, für geringere operative Kosten und zum effizienteren Betrieb von Informationstechnologie zum Einsatz.

Software-defined Infrastructure beschreibt ein Konzept für den Aufbau und automatisierten Betrieb von offenen und elastischen IT-Infrastrukturumgebungen. Sie haben folgende Merkmale: Virtualisierte Workloads können mittels Software-Steuerung automatisiert und unabhängig von der darunterliegenden Infrastruktur (Server, Storage, Netzwerk) konfiguriert, bezogen, migriert, skaliert und repliziert werden. SDI schlägt die wichtige Brücke zwischen interner (physischer und virtualisierter) IT-Umgebung und externen Hosted oder Public Cloud Services.

Mit starren IT-Ressourcen lässt sich die digitale Transformation der Unternehmen und Geschäftsfelder nach den Worten von Matthias Zacher, Senior Consultant und Projektleiter bei IDC, nur unbefriedigend umsetzen. „Immer mehr Geschäftsprozesse auf der Kundenseite erfolgen online und in Echtzeit. Für die IT bedeutet das auf der einen Seite die Bereitstellung skalierbarer und agiler Ressourcen für cloud- und web-basierte Services sowie native Cloud-Workloads und auf der anderen Seite Unterstützung und Modernisierung der vorhandenen konventionellen Systeme und Anwendungen im Backend wie Datenbanken, Transaction und Batch Processing“, so Zacher.

Gespartes in Innovationen stecken

Nach Ansicht von Bernd Sommer, Account Director bei Curvature Deutschland, haben Unternehmen dank flexiblen IT-Providern und Drittanbietern heute viele Möglichkeiten, die Rentabilität ihrer Rechenzentren und Support-Investitionen zu optimieren und dem stetig wachsenden Kostendruck zu begegnen.

„Mit Konzepten wie herstellerunabhängiger Wartung (Third Party Maintenance, TPM) sowie Hardware aus Vorbesitz wird nicht nur dem Anspruch auf Nachhaltigkeit Rechnung getragen, es lassen sich zudem enorme Budgeteinsparungen realisieren. Bis zu drei Viertel der Beschaffungs- und Wartungskosten kann ein Unternehmen dann in die Umsetzung innovativer Projekte investieren“, kalkuliert Bernd Sommer.

Vom Marktforschungsinstitut Gartner durchgeführte Studien haben laut Sommer gezeigt, dass sich gerade in mittelständischen Unternehmen ein bimodales IT-Modell empfiehlt, das die Lebensdauer des Großteils der infrastrukturellen Hardware verlängert, den Austausch durch Hardware aus Vorbesitz vorsieht und die Wartung zu einem Bruchteil der Kosten ermöglicht.

TPM-Modelle durchbrechen die herstellergetriebenen Erneuerungs- und Austauschzyklen nachhaltig, um Investitionsvolumen für die Implementierung neuer Technologien freizusetzen. Sommer fordert ein radikales Umdenken, weg vom Lebenszyklusdogma. „Für 80 Prozent der IT – vor allem Server, Speicher und Netzwerke – kann das übliche herstellergetriebene Rip and Replace, also der Austausch in Zyklen von drei bis fünf Jahren, überflüssig werden“, so Sommer.

Voraussetzung ist nach seinen Worten allerdings, dass der TPM-Anbieter für Zuverlässigkeit steht, jederzeit kurzfristig lieferfähig ist und einen Direkt-Support mit hoch qualifizierten Ingenieuren anbietet, die ohne Zeitverzug in der Lage sind, korrekte Diagnosen zu stellen und schnellstmögliche Lösungen anzubieten.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

 

 

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