„Am Standort Deutschland spielen Gütesiegel eine recht große Rolle, denn sie stiften Vertrauen durch das Urteil einer unabhängigen Instanz“, berichtet André Kürten, Partner Account Manager bei der Host Europe GmbH.
ITM: Herr Kürten, wie hat sich der E-Commerce-Markt in den letzten Monaten gewandelt? Welche Faktoren spielten dabei eine Rolle?
André Kürten: Der E-Commerce-Markt befindet sich nach wie vor im Aufwärtstrend. Das wird zum einen daran deutlich, dass die Anzahl der Online-Angebote steigt, da es heutzutage dank fertiger Komplettlösungen nur mit sehr geringem Aufwand verbunden ist, kleine Webshop-Projekte in kurzer Zeit einzurichten. Zum anderen geht das stetige Wachstum von E-Commerce-Projekten mit einer zunehmenden Professionalisierung der großen Anbieter einher. Da sich der Schwerpunkt von Multichannel-Strategien auf den reinen Onlinehandel verlagert, ist es für die Betreiber von Webshops essentiell, dass die Angebote rund um die Uhr für die Kunden erreichbar sind. Für uns als Hosting-Anbieter bedeutet dies, dass wir größte Ansprüche an die Hochverfügbarkeit der Systeme erfüllen müssen.
Bei der Entwicklung neuer E-Commerce-Projekte achten Betreiber nicht mehr allein auf einen reibungslosen Shopbetrieb. Zunehmend spielen auch Faktoren wie sichere Bezahlverfahren, ein effizientes Monitoring, Möglichkeiten für E-Mail-Marketing, SEO, Usability und Enterprise Hosting eine wichtige Rolle. Die Erwartungen an eine runde technologische Gesamtlösung sind gestiegen.
Und nicht zuletzt besitzen immer mehr Menschen Smartphones und Tablets, weshalb das Thema „Responsive Webdesign“ zu einem dritten und sehr wesentlichen Wettbewerbsfaktor wird. Shopbetreiber legen verstärkt ein Augenmerk auf den mobilen Kanal, da er es ihnen ermöglicht, die Konsumentengruppe uneingeschränkt und unabhängig von Ort und Zeit zu erreichen.
ITM: Welche Vorteile und Möglichkeiten bieten sich Mittelständlern, wenn sie ihre Produkte bspw. zusätzlich zum Ladengeschäft über einen Webshop vertreiben?
Kürten: Der Onlinehandel ist ein stark wachsender Markt und bietet insbesondere für den Mittelstand viele Vorteile. Mit einem Onlineshop können Einzelhändler ihr lokales Geschäft auf eine viel größere Kundschaft ausweiten. Das Angebot ist rund um die Uhr erreichbar und kann von Kunden aus der ganzen Welt besucht werden. Zudem haben Mittelständler mit einem eigenen Webshop die Möglichkeit, das Sortiment sehr effektiv zu ergänzen und im Prinzip endlos zu erweitern. Und die Verkaufsprozesse sind schlanker, transparenter und medienbruchfrei umsetzbar.
ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse mittelständischer Unternehmen an entsprechenden E-Commerce-Lösungen?
Kürten: Mittelständische Unternehmen achten verstärkt darauf, dass die technologische Lösung skalierbar ist und mit der Unternehmensvision mitwachsen kann. Viele Betreiber beginnen mit einer kleinen, unkomplizierten Webhosting-Lösung. Doch mit steigendem Erfolg eines Projekts sind schnell Kapazitätsgrenzen erreicht und eine umfangreichere Serverlösung muss her. Deshalb ist es wichtig, dass der Umstieg auf ein leistungsstärkeres Webhosting-Produkt problemlos möglich ist. Und uns erreichen immer häufiger Anfragen von Webshop-Betreibern, die ein ganzheitliches Konzept umsetzen möchten und denen ein gutes Customizing extrem wichtig ist.
ITM: Welche grundsätzlichen Anforderungen stellen Mittelständler an eine Webshop-Lösung und worauf sollten sie demnach bei der Auswahl eines E-Commerce-Anbieters achten?
Kürten: Shopbetreiber möchten sich voll und ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, deshalb sind eine leichte Bedienbarkeit der Software und ein sehr guter Support entscheidende Auswahlkriterien. Für einen stabilen Geschäftsbetrieb kommt es darauf an, dass die Systeme zuverlässig und rund um die Uhr erreichbar sind. Für professionelle Webshops kommen daher nur Qualitätsprovider in Frage, die eine garantierte Verfügbarkeit des Onlineshops gewährleisten. Anbieter, deren Geschäft starken saisonalen Schwankungen unterliegt, sollten auf die Flexibilität der Hosting-Lösung und verbrauchsbasierte Abrechnungsmodelle achten. Und ein weiterer Punkt wird immer wichtiger: Wir bemerken, dass die Kunden Wert darauf legen, dass das Hosting in Deutschland erfolgt und dass der Anbieter spezielle Compliance-Anforderungen erfüllt und zertifiziert ist.
ITM: Wie gestaltet sich die Einführung einer Webshop-Lösung? Mit welchem Aufwand ist sie verbunden?
Kürten: Der Aufwand für die Einführung einer Webshop-Lösung ist je nach Projektgröße sehr unterschiedlich. Für Anbieter, die mit einem kleinen Sortiment in den E-Commerce einsteigen möchten, gibt es Online-Shop-Software beispielsweise bei Host Europe bereits ab einem Preis von 9,99 Euro monatlich. Das sind fertige Shoplösungen, die durch einfache Handhabung und ohne große Spezialkenntnisse für Mittelständler mit überschaubaren Produktstückzahlen und einer exotischen Zielgruppe relativ schnell in Betrieb genommen werden können. Bei größerem Umfang wachsen auch die Anforderungen an die technologische Lösung. Hat der Kunde Wachstumspläne, begleiten wir ihn beim Aufbau einer Enterprise-Lösung. Für große, komplexe Webshop-Projekte ist es in jedem Fall ratsam, eine gute Beratung durch eine erfahrene und spezialisierte Agentur einzuholen, die die wichtigsten Themen und Trends im E-Commerce-Markt kennt und verstanden hat. Für umfangreiche professionelle E-Commerce-Projekte müssen Shopbetreiber mit einer Größenordnung von fünf- bis sechsstelligen Euro-Beträgen kalkulieren.
ITM: Auf welche Weise lässt sich nach Installation die Gebrauchstauglichkeit eines Webshops testen?
Kürten: Am Markt haben sich einige Anbieter darauf spezialisiert, Lastsimulationen auf Shopumgebungen durchzuführen. Dabei werden spezielle Monitoring-Tools angewendet, um auf Basis der Ergebnisse notwendige Maßnahmen abzuleiten. Damit lässt sich der technologisch reibungslose Betrieb testen. Für Onlinehändler ist aber ebenso essentiell, wie der Kunde das Angebot wahrnimmt und bedienen kann. Dafür gibt es zahlreiche Verfahren zum Testen der Usability und der User Experience, auf deren Grundlage der Shop optimiert werden kann.
ITM: Inwiefern sind Webshops heute schon barrierefrei?
Kürten: In der Regel sind die grundlegenden Anforderungen an Barrierefreiheit bereits gut umgesetzt, da dies auch einen Einfluss auf die Suchmaschinenergebnisse hat. Welcher Aufwand für einen barrierefreien Zugang betrieben wird, obliegt dann aber der Philosophie der Shopbetreiber. Ein Anbieter von Hörgeräten wird andere Maßstäbe an seine Lösung ansetzen als beispielsweise ein Shop für Pyrotechnik.
ITM: Welche Techniken sorgen für Schnelligkeit?
Kürten: Schnelle Ladezeiten sind ganz wesentlich für den Erfolg eines Webshops, denn gerade beim Online-Einkauf wollen Kunden einen effizienten Abwicklungsprozess. Und das Konkurrenzangebot ist meist nur einen Klick entfernt. Für Geschwindigkeit sorgen diverse Caching-Methoden, dedizierte Hardwareressourcen und State-of-the-Art-Technologien für die Bereiche Soft- und Hardware. Dabei kommt es vor allem auch auf das entsprechende Know-how und die Erfahrung der Anbieter an, verschiedene Methoden miteinander verbinden zu können.
ITM: Wie kann die Ausfallsicherheit eines Webshops gewährleistet werden?
Kürten: Je mehr Redundanzen zur Verfügung stehen, desto höher ist die Ausfallsicherheit. Beim Hosting lässt sich jede Komponente mit n+1 oder gar höher gegen Ausfall schützen. Das Geschäftsmodell einiger Kunden erfordert gar eine Georedundanz. Das bedeutet, dass der Anbieter selbst den Totalausfall eines kompletten Rechenzentrums auffangen und den Weiterbetrieb gewährleisten kann.
ITM: Was sollte bzgl. der Bezahlmethoden beachtet werden?
Kürten: Für die Kunden von Webshops ist Sicherheit die höchste Priorität. Sie erwarten zu Recht, dass die Bezahlmethoden nach den höchsten Sicherheitsstandards umgesetzt werden, aber natürlich auch, dass die gängigen Methoden wie Zahlung per Überweisung, Rechnung, mit Kreditkarte oder Paypal zur Auswahl stehen.
ITM: Welche Rolle spielen Gütesiegel?
Kürten: Am Standort Deutschland spielen Gütesiegel eine recht große Rolle, denn sie stiften Vertrauen durch das Urteil einer unabhängigen Instanz und belegen die strikte Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften (z.B. im Bundesdatenschutzgesetz). Es achten sowohl Verbraucher bei der Auswahl ihres Webshops als auch Shopbetreiber bei der Auswahl ihres Hosting-Providers auf entsprechende Siegel und Zertifikate. Host Europe ist beispielsweise vom Tüv Süd mit dem Siegel ISO 27001 zertifiziert und erhielt das Zertifikat „Trusted Cloud Service“.
ITM: Wie bzw. mit welchen Faktoren kann der Anwender selbst zum Erfolg seines Webshops beitragen?
Kürten: Aus strategischer und technischer Sicht ist es für den Shopbetreiber wichtig, den Erfolg eines Projektes mit dauerhaften Messmethoden zu kontrollieren. Nur dann ist er in der Lage, Optimierungspotential zu identifzieren und die notwendigen Maßnahmen einzuleiten. Das können z.B. Auswertungen über die Performance-Auslastung sein oder eine Analyse, mit welchen Suchbegriffen der Shop am häufigsten gefunden wird. Ein Mittelständler ist gut beraten, einen Verantwortlichen im eigenen Unternehmen zu benennen, der mit den Dienstleistern im stetigen Austausch steht. Fehlt diese zentrale Schnittstelle, kann es zu unerwarteten Problemen kommen. Ein typischer Fall wäre hier, dass der Webshop nach einer unkoordinierten Marketingmaßnahmen dem nachfolgenden Ansturm nicht standhält.
ITM: Was macht letztlich einen zukunftsfähigen Webshop aus, der auch international erfolgreich ist?
Kürten: Ein international wettbewerbsfähiger Shop muss einerseits multistore-fähig sein und gleichzeitig lokale Eigenheiten berücksichtigen. Das betrifft nicht nur das Sortiment, sondern beispielsweise auch die verfügbaren Zahlungsmethoden und natürlich die Sprachauswahl. Für internationale Kundenprojekte hat sich Host Europe mit anderen spezialisierten Dienstleistern in einem Partnerverbund zusammengeschlossen. Unter United E-Commerce bündeln wir die verschiedenen Kompetenzen, um E-Commerce-Projekte umzusetzen, die so komplex sind, dass man sie nur im richtigen Partnernetzwerk bedienen kann.