Julian Dziki ist Geschäftsführer der Inbound Marketing Agentur Seokratie. Seit knapp acht Jahren ist Online Marketing seine Leidenschaft. Heute teilt er sie mit über 20 Mitarbeitern.
Der studierte Geschichtswissenschaftler Julian Dziki ist Geschäftsführer der Münchner Inbound Marketing Agentur Seokratie. Auf dem Branchenblog Seokratie.de schreiben er und sein Team über aktuelle Trends im Inbound Marketing. Dieses Jahr spricht er am 12.10.2017 auf dem SEO-DAY.
Der SEO-DAY ist einer der größten SEO-Konferenzen im deutschsprachigen Raum mit über 45 Speakern, 850 Gästen, 100 Medienpartnern und Top-Sponsoren aus der Branche.
ITM: Worin unterscheidet sich Shop-Seo im Jahr 2017 mit dem Shop-SEO von 2007?
Julian Dziki: Im Jahr 2007 konnte man mit Onpage-Optimierung und Linkbuilding alleine gute Resultate liefern und auch einen qualitativ nicht hochwertigen Shop auf die erste Position bringen. 2017 sollte der Nutzer an erster Stelle stehen. "Tricksereien" sind zumindest langfristig nicht mehr möglich. Onpage-SEO hat an Bedeutung stark gewonnen, Linkbuilding stark verloren. Große zusätzliche Bedeutung haben alle "weichen" Rankingfaktoren bekommen: Allgemeine Bekanntheit und Beliebtheit des Unternehmens, Social Media, Usability und generell, wie gut der Online Shop den Nutzer zufriedenstellt. Diese Faktoren kann man nur dadurch beeinflussen, indem man wirklich ein besserer Online-Shop wird.
ITM: Wen kann man sich als Vorbild im Bereich Shop-SEO nehmen? Gibt es den idealen Shop?
Dziki: Das Tolle an SEO ist ja, dass es so viele Herangehensweisen gibt. Gleichzeitig ist es dann aber auch so, dass kein Shop wirklich alles perfekt macht. Viele Shops sind technisch sehr gut aufgestellt, aber das restliche Online Marketing lässt dann eher zu wünschen übrig. Je nachdem, wo man den Fokus legt, ist der eine oder andere Shop ein gutes Vorbild.
Eine große Rolle spielt derzeit auch das Shopsystem. Hier sehe ich Shopware als mittlerweile sehr häufig gewähltes System. Aber auch WooCommerce wird immer besser.
ITM: Wie wichtig sind Deiner Meinung nach Backlinks für den SEO-Erfolg bei Online-Shops?
Dziki: Die Bedeutung von Backlinks ist stark zurückgegangen. Andere Signale sind wichtiger geworden, die sich nicht so leicht manipulieren lassen. Heutzutage sollte man niemanden mehr mit Linkaufbau beauftragen. Zum einen ist der Großteil der erhältlichen Links schlichtweg nur gekauft und damit entweder nutzlos oder sogar gefährlich.
Zum anderen gibt es genügend andere Tätigkeiten, die für gute Rankings sorgen, genauso effektiv sind und dabei nicht gegen die Google Richtlinien verstoßen. Wir kümmern uns schon lange nicht mehr um Backlinks, stecken unsere Energie lieber in Onpage-SEO, Content Marketing und Social Media und haben damit großen Erfolg in den unterschiedlichsten Branchen.
Backlinks sind für Agenturen sehr vorteilhaft, weil es ein einfach zu skalierendes Produkt ist, das sich gut verkaufen lässt. Hat der Kunde mehr Budget, kauft man eben einfach künftig mehr Backlinks - ohne großen Personaleinsatz ist hier eine Skalierung kein Problem.
Das ist meiner Meinung nach der einzige Grund, warum Backlinks überhaupt noch ein Thema sind: Weil sie für Agenturen ein gut laufendes Produkt mit hoher Marge sind. Die meisten Inhouse-Teams ohne Agenturen haben ebenfalls mit Linkbuilding schon lange aufgehört.
Meine Meinung: Wer einen Backlink freiwillig, zum Beispiel von einem Partner bekommen kann, der sollte ihn nehmen. Aber darum bemühen sollte man sich nicht.
ITM: Wieviel Prozent des jährlichen Budgets sollten Deiner Meinung nach in den Aufbau von SEO fließen?
Dziki: SEO ist für mich Onpage-SEO und das muss nicht immer gewaltig groß sein. Es hängt vor allem von der Größe der Webseite ab. Je größer und komplexer, desto mehr Zeitaufwand benötigt SEO.
Wie viel Prozent in Online Marketing fließen sollte, ist hingegen viel wichtiger. Jean Paul Getty sagte einmal "Ohne Werbung wäre ich heute Millionär." Er war Milliardar.
ITM: Viele Onlineshops integrieren Blogs. Für wie sinnvoll hältst Du das? Spielt das Thema Content eine wichtige Rolle? Stichworte Storytelling undInfluencer Marketing?
Dziki: Gutes Content Marketing und Storytelling ist derzeit wohl die langfristig effizienteste Online-Marketing-Maßnahme. Schwer zu kopieren für den Wettbewerb, unglaublich gut für die eigene Marke und mit Nebeneffekten für SEO und Social Media, die es nirgends sonst gibt.
Allerdings muss die Qualität stimmen: Content Marketing braucht eine Strategie und ein Konzept! Wer einfach so drauflos bloggt, der wird 2017 keinen Erfolg haben.
ITM: Worauf sollte man in der heutigen Zeit achten, wenn man einen Online-Shop optimiert oder neu aufsetzt?
Dziki: Auf den Kunden! Jeden Winkel seines Shops sollte man aus der Sicht des Kunden betrachten. Worauf legt die Zielgruppe wert? Was für Informationen benötige ich für meine Produkte? Was ist üblich bei Online Shops meiner Branche?
Sehr hilfreich ist es auch, wenn man nicht immer nur direkt an den Verkauf denkt, sondern auch berät und den Kunden an die Hand nimmt. 2017 kommt man oft über Umwege leichter ans Ziel als mit dem Kopf durch die Wand!
ITM: Gibt es Änderungen, die dieses oder nächstes Jahr auf Shop-Betreiber zukommen?
Dziki: AMP könnte interessant werden, wenn Google es schafft, das auch für Shops großflächig durchzusetzen.
ITM: Ist Virtual Reality ein Thema, das auch auf Shop-Betreiber zukommen könnte?
Dziki: Ich bin begeisterter Playstation-VR-Nutzer und bin sicher, dass Virtual Reality langfristig sehr wichtig werden wird. Für Shops wird das aber noch eine Weile dauern. Für manche Branchen könnte es interessant werden, etwa für den Einrichtungsbereich oder alle Produkte, die von dreidimensionaler Darstellung profitieren. Allerdings ist hier die Marktdurchdringung noch sehr gering: Man kann guten Gewissens noch abwarten, wie sich das Ganze entwickelt.
ITM: Künstliche Intelligenz ist auch im E-Commerce ein wichtiges Thema. Wie verändert die Sprachsuche das Kaufverhalten?
Dziki: Künstliche Intelligenz ist sicher ein wichtiges Thema. Die naheliegendste Verwendung sehe ich in der Empfehlung relevanter Produkte für Bestandskunden, das eine KI besser übernehmen kann als vorgefertigte Schemata.
Bei der Sprachsuche bin ich mir nicht sicher: Ich persönlich nutze sie eher für informationsorientierte oder navigationsorientierte Suche. Für E-Commerce sind mir die Ergebnisse derzeit zu ungenau, vor allem weil Nutzer immer sehr spezifisch suchen und das Ergebnis dann auch optisch präsentiert bekommen wollen.
ITM: Chatbots erobern OnlineShops - Wie effektiv sind diese und würdest Du diese jedem OnlineShop-Anbieter empfehlen?
Dziki: Chatbots sind - intelligent programmiert - für Online-Shops sinnvoll, die viele standardisierte Fragen beantworten. Das Prinzip Chatbot ist sehr reizvoll und vor allem medienwirksam. In der Praxis ist die Anwendung aber noch lange nicht da, was theoretisch möglich wäre.
ITM: 2017 dreht sich alles um das Thema mobile - auch im Bereich E-Commerce. Was sollte man hierzu als Online-Shop-Betreiber beachten?
Dziki: Dass man problemlos und ohne Frust eine mobile Bestellung tätigen kann. Immer mehr Menschen haben weder PC noch Laptop. Wer als Online Shop Betreiber an Relaunch denkt, sollte der mobilen Version mindestens genauso viel Beachtung schenken wie der Desktop-Version.
ITM: Auch mobile Payment wird beliebter. Welche Gefahren und welche Vorteile siehst Du?
Dziki: Ich sehe eigentlich nur Vorteile. Die einzige Gefahr ist die der Sicherheit - Aber hier werden sich vor allem die Payment-Anbieter durchsetzen, die ein Höchstmaß an Sicherheit bieten. Bereits heute haben viele Menschen einen Zugang zum Online Banking auf dem Smartphone. Ob man das noch durch den ein oder anderen Payment-Anbieter erweitert, macht letztlich keinen Unterschied mehr.
Bildquelle: SEO DAY