22.08.2017 Schnell wieder an alle Daten

Server-Fail-over in die Cloud

Von: Josua Braun

Klassisches Backup bietet die Sicherheit, dass Daten im Falle eines Systemausfalls nicht verloren gehen. Problematisch ist allerdings die Wiederherstellungszeit. Von daher gehen sogenannte Business-Continuity-Lösungen einen Schritt weiter: Server-Cluster in der Cloud stehen bereit, um Anwendungen und Daten im Notfall umgehend wieder verfügbar zu haben.

Backup sollte im Ernstfall eine einfache Wiederherstellung von Daten erlauben. Diesen Anspruch erfüllen viele Backup-Lösungen, insbesondere wenn die 3-2-1-Regel eingehalten wird. Diese besagt, dass Daten in dreifacher Speicherung vorliegen sollten, eine als Arbeitsversion und zwei Backups. Zweiter Schritt der Regel ist die Speicherung der beiden Backups auf unterschiedlichen Medien. Die dritte Stufe empfiehlt die Lagerung eines Backups an einem entfernten Standort.

Doch selbst bei Einhaltung der Regel und trotz schneller Speichertechnologien zur Wiederherstellung kann ein Unternehmen ohne echtes Disaster Recovery im Ernstfall mitunter für Stunden oder Tage handlungsunfähig sein. Daher lohnt es sich das Backup von der Disaster Recovery mit Fail-Over-Funktionalität strategisch zu trennen, was bisher oftmals nur größeren Unternehmen mit satten IT-Budgets vorbehalten war. Dies hat sich durch spezielle Backup-Mechanismen in der Cloud in Verbindung mit boot-fähigen Instanzen mittlerweile geändert. Damit haben auch mittelständische Unternehmen Zugang zu einer Business-Continuity-Lösung zu kalkulierbaren Kosten.

Schnelle Hilfe beim Totalausfall

Geringe IT-Ausfallzeiten können mit klassischem Backup und Restore häufig nicht erreicht werden. Bei großen Konzernen haben sich hierfür echte Fail-Over-Technologien bewährt. Doch viele Mittelständler haben nicht die finanziellen Ressourcen oder denken, dass sie mit ihrem Backup auf der sicheren Seite sind. Die Wahrheit zeigt sich im Ernstfall. Dann kommen nicht nur Unternehmen ins Schwitzen, sondern auch deren IT-Dienstleister.

Ein Beispiel: Ein mitteständischer Zulieferer der Automobilindustrie hat einen Totalausfall eins Servers. Die Daten sind mit Backups nach der 3-2-1-Regel gesichert. Nach dem Ausfallalarm kontaktiert der Verantwortliche seinen IT-Dienstleister und bittet um schnelle Hilfe. Oft hat der Dienstleister einen ähnlichen Server in der Hinterhand, welcher als Notfallmaschine beim Kunden installieren kann. Naturgemäß muss auch ein Servicetechniker organisiert werden und hier wird es schon schwieriger, denn diese sind meist bei geplanten Projekten im Einsatz. Anschließend wird der Techniker samt der Hardware zum Kunden fahren, die defekte Maschine gegen das Ersatzsystem ausgetauscht und die Daten aus dem Backup wiederhergestellt. Zusätzlich sind Anpassungen, beispielsweise in der Netzwerkkonfiguration nötig.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist mindestens ein halber, eher ein ganzer Tag vergangen. Läuft das Ersatzsystem beim Kunden wird der IT-Dienstleister einen neuen Server bestellen und ein paar Tage später gegen das Notfallgerät austauschen.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist dieses Szenario nicht zufriedenstellend. Beim Automobilzulieferer könnten durch den IT-Ausfall Produktionsengpässe entstehen. Auch der IT-Dienstleister kommt in die Bredouille. Von ihm werden entsprechende Notfallservices erwartet. Bei der Fülle an Möglichkeiten und Ausfallszenarien, kann der IT-Dienstleister jedoch kaum ein Lager an Notfall-Hardware vorhalten. Zudem werfen derartige Zwischenfälle sämtliche Arbeitsprozesse durcheinander.

Das Backup aus der Cloud

Das Problem für Unternehmen bei einem IT-Ausfall ist die Zeitspanne zwischen Vorfall und wiederhergestelltem arbeitsfähigen Zustand. Es bedarf Lösungen, welche Ausfallzeiten auf ein Minimum verkürzen und für IT-Dienstleister und Mittelständler gleichsam praktikabel und finanzierbar sind.

Die Cloud kommt hier zur Hilfe: Ein Server fällt aus und ein wichtiger Teil im Prozess des Unternehmens steht still. Klassische Backups sind vorhanden. Zusätzlich sind Backups in einer speziellen Cloud-Umgebung, beispielsweise via Cloud-Services von Storagecraft in einer virtuellen Umgebung angelegt. Damit können die gesicherten Server direkt vom Backup-Image in der Cloud gestartet werden. Sofort nach Ausfall des Servers handelt der IT-Leiter entweder selbst oder ruft seinen IT-Dienstleister an, der den Ausfall zeitnah aus der Welt schaffen kann. Mit wenigen Clicks auf der Administrationskonsole bootet der Server virtuell in der Cloud des Anbieters und steht als funktionsfähige Maschine samt vorkonfigurierter Netzwerkverbindungen für das Unternehmen zur Verfügung. So ist der Mittelständler nach rund 15 Minuten wieder handlungsfähig.

Anschließend bestellt der IT-Dienstleister das Ersatzgerät und installier dieses beim Kunden. Der neue Server wird aus den vorhandenen traditionellen Backups neu aufgesetzt. Dies bedeutet, dass ein gewisses Delta zwischen den aktuellen Daten des Cloud-Servers und den Daten aus dem Backup besteht.

Hierfür existiert folgende Lösung: Mithilfe eines BMR-Drives werden die fehlenden Daten verschlüsselt und per Eilkurier vom Cloud-Standort – im Falle von Storagecraft ist das Frankfurt – zum Kunden gesendet. Das Daten-Delta aus der Kurierlieferung wird anschließend über das Internet nachgezogen.

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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