17.03.2017 Richtige Voraussetzungen für Webshop-Gründung schaffen

Shop-Software zur Miete stößt an Grenzen

Von: Kathrin Zieblo

Oliver Feldmann, Geschäftsführer der Webshop Factory GmbH, erläutert im Interview, welche Voraussetzungen Mittelständler unbedingt vor der Webshop-Gründung schaffen sollten.

Oliver Feldmann, Geschäftsführer der Webshop Factory GmbH

„Shop-Systeme zur Miete sind nur sehr begrenzt zu Individualisieren und sobald Sonderanforderungen notwendig sind, können diese Anforderungen oft nicht realisiert werden", warnt Oliver Feldmann.

ITM: Herr Feldmann, wollen kleine und mittelständische Unternehmen einen Online-Shop eröffnen, stehen sie zunächst vor der Wahl der richtigen Software und der Frage „Mieten, kaufen oder auf Open-Source setzen“? Anhand welcher Kriterien ist es ratsam diese Entscheidung zu treffen?
Oliver Feldmann:
Die Zukunftsperspektive der Online-Shop-Software muss im Fokus stehen. Das die Software marktgerecht sein soll und den persönlichen Geschäftsanforderungen entsprechen muss, ist selbstverständlich. Bei einem Online-Shop-Projekt spielen die Kosten für die Shop-Software insgesamt nur eine untergeordnete Rolle. Ob die Software letztendlich gemietet oder gekauft wird, ist nicht entscheidend für Erfolg oder Misserfolg eines Online-Shops. Der Trend geht bei kleineren Shop-Gründungen Richtung günstige Cloud-Shop-Systeme zur Miete. Größere Online-Shop-Projekte werden hingegen oft mit kostenintensiven Open-Source-Lösungen umgesetzt.

ITM: Welche Funktionen sind in einem modernen Shop-System heute unerlässlich?
Feldmann:
Eine ständige Weiterentwicklung und Vernetzung der Shop-Systeme mit weiteren Marktteilnehmern ist sehr wichtig. Erst dadurch werden Anbindungen an Marktplätze, Preisvergleich-Portale etc. möglich. Zusätzlich sollten Funktionen wie eine korrekte Darstellung auf mobilen Endgeräten und ein Responsive Template Design unbedingt vorhanden sein.

ITM: Welche Vor- und Nachteile bieten Webshops zur Miete?
Feldmann:
Bei Mietshops sind die Kosten konstant und einfach zu kalkulieren. Weiterhin werden Mietsysteme im Regelfall von den Anbietern permanent weiterentwickelt und der Shop-Betreiber muss sich nicht mit Softwareupdates beschäftigen. Dies sind klare Vorteile. Nachteilig hingegen ist die Tatsache, das Mietshopsysteme teilweise sehr starr sind und schnell an ihre Grenzen stoßen. Shop-Systeme zur Miete sind nur sehr begrenzt zu Individualisieren und sobald Sonderanforderungen notwendig sind, können diese Anforderungen mit Mietshopsystemen oft nicht realisiert werden. Besonders heikel wird es, wenn zunächst mit einem Mietshopsystem gestartet wurde und Sonderanforderungen erst nach ein oder zwei Jahren benötigt werden. Dann ist ein teurer Shop-System-Wechsel oft die Folge.

ITM: Für wenn kommt ein Miet-Shop infrage? Und wann ist es hingegen ratsam auf einen Kauf-Shop zurückzugreifen?
Feldmann:
Die Grundlage für eine Entscheidung für einen Kauf- oder Mietshop ist eine Frage der Finanzierung. Zum Beispiel können Sie eine Wohnung mieten oder kaufen. Egal ob Sie kaufen oder mieten, am Ende wohnen Sie in der Wohnung. Viel wichtiger ist folglich, ob die Wohnung zu Ihnen passt und Ihre Anforderungen erfüllt – genauso ist es auch bei Shop-Software. Heutzutage scheitern die meisten Online-Shop-Projekte schon in der frühen Phase. Daher lässt sich mit einer hochwertigen Shop-Software zur Miete ein Online-Shop-Projekt günstig antesten, denn im Gegensatz zur Kaufwohnung haben Sie bei einer gekauften Shop-Software, insofern das Projekt scheitern sollte, nahezu keinen Restwert mehr.

ITM: Häufig werden die Begriffe „Open-Source-Software“ und „kostenfrei“ miteinander verbunden, dies ist oft ein Trugschluss. An welcher Stelle entstehen Kosten?
Feldmann:
Eine Open-Source-Software ist oft komplex bei nötigen Anpassungen und erfordert echte Programmierkenntnisse. Bei Agenturtagessätzen um die 700 Euro kommt schnell eine stolze Summe zusammen, denn ein Shop erfordert oft mehrere Manntage Anpassung, bis der Shop online gehen kann. Zusätzlich entstehen Kosten für Hosting und regelmäßige Updates, die manuell eingespielt werden müssen.

ITM: Mit welcher Software-Variante gelingt die Anbindung an ein Marktplatzsystem?
Feldmann:
Alle großen Open-Source-Software-Systeme wie Magento, Shopware, Oxid etc. ermöglichen eine professionelle Anbindung an Marktplatzsysteme. Ebenfalls lassen sich einige hochwertige Mietsysteme mehr oder weniger gut an Marktplätze anbinden. Hingegen ist eine Anbindung mit billigen Mietshopsystemen normalerweise nicht möglich.

ITM: Was spricht grundsätzlich für oder gegen eine solche Anbindung?
Feldmann:
Eine Anbindung an Marktplätze bringt im Idealfall eine große Reichweite und hilft dem Shop-Betreiber weitere Umsätze zu erwirtschaften. Abgesehen von dem Aufwand für die technische Implementierung/ Programmbetreuung und den damit verbundenen Kosten, ist diese Maßnahme relativ risikoarm, im Vergleich zu anderen Werbemaßnahmen. Selbstverständlich verlangt der Marktplatzbetreiber im Regelfall eine Umsatzbeteiligung.

ITM: Geben Sie drei Tipps, wie Mittelständlern der Einstieg in das Online-Shop-Geschäft gelingt.
Feldmann:

  • Haben Sie nicht genug finanzielle Ressourcen – werden Sie scheitern.
  • Haben Sie nicht genug personelle Ressourcen – werden Sie scheitern.
  • Haben Sie nicht genug Know-how – werden Sie scheitern

Gründen Sie keinen Webshop, wenn Sie nicht die richtigen Voraussetzungen haben.

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