16.12.2015 Gebrauchte Software-Lizenzen für Mittelständler

Skeptische Software-Hersteller

Von: Kathrin Zieblo

Warum Software-Hersteller dem legalen Gebraucht-Software-Handel skeptisch gegenüber stehen und warum dies für mittelständische Unternehmen ein lohnendes Geschäft sein kann, berichtet Axel Susen, Geschäftsführer Susensoft, im Interview.

Axel Susen, Susensoft

Axel Susen, Geschäftsführer Susensoft

ITM: Herr Susen, wie bewerten Sie die Gerichtsurteile der letzten Jahre, mit denen der Handel mit gebrauchter Software für rechtmäßig erklärt wird? Ist der Verkauf und Kauf gebrauchter Lizenzen damit problemlos möglich?
Axel Susen:
Themen aus der IT und speziell im Bereich Software sind auch für Richter nicht einfach zu beurteilen. Einerseits wird das Urheberrecht bemüht andererseits gelten Handelsrechte und Wettbewerbsrechte. Zudem ist das Produkt „Software“ schwer fassbar. Trotzdem baut inzwischen der Handel mit Software auf ein stabiles Gerüst von Gerichtsurteilen, ob vom EUGH oder BGH.

ITM: Was ist beim Kauf eben dieser Lizenzen stets zu beachten? Woran lässt sich beispielsweise erkennen, dass eine erworbene Gebraucht-Software original ist?
Susen:
Die einfachste Form ist ein Volumenvertrag. Hier bietet ein Kaufvertrag von SAP oder das Lizenzportal von Microsoft ausreichend Sicherheit.

ITM: Für wen kommt der Erwerb gebrauchter Software-Lizenzen mit Blick auf mittelständische Unternehmen überhaupt in Frage?
Susen:
Gebrauchte Software-Lizenzen sind besonders für mittelständische Unternehmen interessant, die eine erhebliche Anzahl an Arbeitsplätzen mit entsprechender Software vorhalten. Während in Konzernen die IT Kosten gerne den Fachabteilungen belastet werden, bleibt der IT-Abteilung eines Mittelständlers nur das Sparkonzept. Eine Installation und Wartung durch Drittanbieter sorgt auch für mehr Unabhängigkeit vom Software-Hersteller.

ITM: Welchen Einfluss hat die Nutzung gebrauchter Software-Lizenzen auf die Software-Hersteller?
Susen:
Die Software-Konzerne wie SAP, Microsoft oder Oracle stehen dem Markt für gebrauchte Software-Lizenzen skeptisch gegenüber. Die Hersteller befürchten einen Rückgang ihrer Umsätze im Software-Verkauf und haben aus diesem Grund damit begonnen ihr Geschäftsmodell – auch gegen die Interessen der Anwender – auf Miet-Software sowie Angebote aus der Cloud umzustellen. Eine größere Abhängigkeit vom Lieferanten kann man sich kaum vorstellen.


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