19.06.2017 Bundesligist baut auf Business Intelligence

So nutzt Borussia Mönchengladbach BI-Software

Von: Leonie Walter

Borussia Mönchengladbach ist nicht nur ein Fußballverein, sondern ein mittelständischer Betrieb mit 120 Mio. Euro Umsatz im Jahr und rund 77.000 Mitgliedern. In diesem Umfeld ist es unabdingbar, Geschäftsaktivitäten auf Basis von aussagekräftigen Zahlen zu steuern. Von daher hat sich der Bundesligist für die Nutzung einer Business-Intelligence-Software entschieden.

  • Frank Fleissgarten ist seit Ende 2000 Systemadministrator bei Borussia Mönchengladbach

    Frank Fleissgarten ist seit Ende 2000 Systemadministrator bei Borussia für anfänglich 25 Mitarbeiter; seit 2003 auch Ausbilder für angehende Fachinformatiker. Seine derzeitige Position ist Bereichsleiter IT der Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH.

  • Der Fußballverein Borussia VfL Mönchengladbach hat 77.000 Mitglieder.

    Der Fußballverein Borussia VfL Mönchengladbach hat 77.000 Mitglieder.

Als ERP-System ist bei den Borussen seit Langem Dynamics NAV im Einsatz. Genutzt wird eine Branchenlösung für Sportveranstaltungen, die für den Bedarf des Fußballvereins individualisiert wurde. Innerhalb des ERP-Systems ist das gesamte Stadion „Borussia-Park“ für mehr als 54.000 Zuschauer elektronisch abgebildet.

>>> Lesen Sie mehr über die digitalen Aspekte des Fußballs in unserer Rubrik >>>

Ticketverkäufe, Platzverwaltungen und mehr werden damit realisiert. Zu jedem Spiel und jedem Karteninhaber entstehen viele Datensätze. Nachvollziehbar ist dadurch u.a., welcher Besucher wann wo im Stadion welches Drehkreuz in welchem Block passiert hat oder welcher Ausgang genutzt wurde. Anhand der Daten werden etwa Cross-Selling-Ansätze gefunden, der Absatz von Merchandising-Artikeln forciert, Lagerbestände überwacht oder der Personaleinsatz im Fohlenshop im Stadion geplant.

Kurz-Interview mit Frank Fleissgarten, Bereichsleiter IT der Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH:

In unserem Unternehmen gilt ...
... Zeit ist Geld. Von daher müssen Informationen schnell und zuverlässig abrufbar sein.

In unserer Branche muss IT-seitig am meisten ...

... in Sicherheit und Zuverlässigkeit investiert werden.

Die notwendigen Mittel vorausgesetzt ...
... würde ich sofort die Digitalisierung unseres Unternehmens noch intensiver forcieren.

Von ITK-Anbietern für den Mittelstand erwarte ich, dass ...
... sie professionell arbeiten und sich auf uns als Kunden mit individuellen Bedürfnissen und Anforderungen einstellen.

Optimaler Support zeichnet sich dadurch aus, dass …
 ... IT-Anbieter schnell reagieren und flexibel Lösungen finden, auch wenn das Problem vorher noch nicht bekannt war.


Vor 2015 wurde die Auswertung der ERP-Daten auf technischer Ebene mit SQL-Abfragen durchgeführt. Dies gestaltete sich jedoch sehr unkomfortabel, weshalb das IT-Team im nächsten Schritt die Business-Intelligence-Lösung (BI) Qlikview einführte. Die Lösung sollte von den Abteilungen für Auswertungen im Self-Service genutzt werden. Doch mit dem Analysesystem alleine ließ sich diese Idee noch nicht umsetzen. Schnell war klar, dass es Experten-Know-how erfordert, wenn die BI-Lösung an das individualisierte ERP-System angebunden werden soll. Es wurde daher ein Tool gesucht, das Qlikview und Dynamics NAV miteinander verbindet und die Auswertungen auf Anwenderseite vereinfacht. Beim Nürnberger Anbieter Prisma Informatik GmbH wurde man fündig: Die NAVdiscovery Toolbox für das Microsoft-ERP-System und Qlikview wurde im April 2015 gekauft.

Das Tool übernimmt die Aufbereitung der ERP-Daten aus Dynamics NAV für das BI. Ohne eine solche Lösung wäre dies ein mühsamer und zeitaufwendiger Prozess. Die Besonderheit der Connector-Lösung: Es werden keine vorgefertigten Script-Templates, die auf dem Cronus-Standard basieren, verwendet, sondern diese werden direkt in der NAV-Umgebung erzeugt, wobei die individualisierten Strukturen berücksichtigt werden. Sind die Datenstrukturen im ERP-System einmal festgelegt, können die relevanten Informationen vom Anwender ohne Unterstützung aus der IT-Abteilung mit dem BI-System abgefragt und auf Knopfdruck auch regelmäßige Auswertungen erzeugt werden.

Gemeinsam mit Prisma Informatik wurden im Projekt die Anforderung aufgenommen und eine Bestandsaufnahme in den Abteilungen gemacht. Es wurde besprochen, welche Auswertungen benötigt werden. Anhand der Ergebnisse übernahm der Dienstleister einige Anpassungen aufseiten der Dynamics-NAV-Installation. Mit dem BI-Tool können die Daten aus dem ERP-System nach unterschiedlichen Kriterien analysiert werden. Die Ergebnisse stehen trotz der komplexen Datenstrukturen sofort zur Verfügung.

Teils täglich, zumindest aber wöchentlich nach den jeweiligen Spieltagen werden die Abfragemöglichkeiten von diversen Abteilungen genutzt. So liefert die BI-Software schnelle Auswertungen für den Ticketverkauf, den Stadionbetrieb, die Mitgliederverwaltung sowie Finanzbuchhaltung und das Controlling. Beispielsweise lässt sich die Auslastung eines Stadionplatzes unter verschiedenen Aspekten beleuchten. Viele Plätze sind mehrfach verkauft: an Dauerkarten- und Tageskarteninhaber oder für unterschiedliche Spiele wie Länderspiele oder Champions League. Die Plätze werden zu ermäßigten Preisen sowie regulär abgegeben – und über die Abfragen kann exakt herausgefunden werden, welcher Platz wie genutzt wird.

Heute Babystrampler, morgen Bettwäsche


Interesse an Auswertungen besteht seitens der Merchandising-Abteilung. Anhand der Mitgliederdaten ist zu erkennen, welches Mitglied welches Fanprodukt gekauft hat. Die Personen lassen sich beispielsweise zu Kundengruppen zusammenfassen, denen besondere Vorschläge für weitere Artikel per E-Mail unterbreitet werden. Viele verschiedene Möglichkeiten bestehen hier: So kann etwa einer Familie, die vor einiger Zeit einen Borussia-Babystrampler gekauft hat, heute der Kauf eines Kindertrikots oder die Borussia-Bettwäsche vorschlagen werden.

Auch Einladungen für den „Fohlen-Kids-Club“ werden auf Basis der Mitgliederdaten gezielt ausgesprochen, um so junge Fans früh an den Verein zu binden. Darüber hinaus lassen sich Rabattaktionen steuern, um die Verkäufe bestimmter Artikel im Online-Shop anzukurbeln. Die Stadionbesucherströme gaben bereits Hinweise darauf, wie viel Personal im 600 m2 großen Stadion-Shop zu welchem Zeitpunkt benötigt wird. Gezielt wurde ermittelt, an welchen Tagen und Uhrzeiten am meisten verkauft wird. So kann auch mit Weitsicht geplant werden, wie viele Kassen besetzt sein sollten.

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