Interview mit Achim Herber, Comparex Deutschland

Software als Kerngeschäft

Im Interview erläutert Achim Herber, General Manager bei Comparex Deutschland, wie man sich nach der Übernahme des IT-Service-Anbieters Datalog vor gut einem Jahr nun stärker im Mittelstand positionieren will.

Achim Herber, General Manager bei Comparex Deutschland

ITM: Herr Herber, was können mittelstän­dische Kunden künftig von Ihnen erwarten?
Achim Herber:
Software ist unser Kerngeschäft. Neben der Lizenz- und Beratungskompetenz im Microsoft-Umfeld erhalten die Kunden Zugang zu einem erweiterten Produkt- und Servicespektrum von mehr als 3.000 Herstellern. Zudem profitieren sie dank des weltweiten Software-Einkaufs von sehr günstigen Konditionen.

Desweiteren stellen auch unsere Services eine Bereicherung für Mittelstandskunden dar. So stehen ihnen nun in der Lizenz- und Comparex-Akademie umfangreiche Kursangebote zur Verfügung. Zudem gibt es gemäß unserer Erfahrung in mittelständischen Unternehmen in der Regel eine rückläufige Zahl an IT-Experten. Unser „Multivendor Helpdesk“ bietet mit flexiblen Abrufmodellen gerade diesen Kunden zertifizierten Support „rund um die Uhr“.

ITM: Was wird sich nach der Übernahme für die bisherigen Datalog-Kunden verändern?
Herber:
In der Vergangenheit konnten Datalog-Kunden nicht in aller Angebotsbreite und Versionstiefe der Softwareprodukte beraten werden. Nur Schwergewichte wie Comparex können zu verschiedenen Themen wie Cloud-Infrastruktur, Virtualisierung und Collaboration spezialisierte Fachteams ins Rennen schicken. So sind wir jetzt der Experte für alle Softwarefragen von Adobe bis Zenoss.

Dank unserer Größe und Profitabilität können wir zudem in Entwicklungen investieren, von denen alle Kunden profitieren können. Ein Beispiel ist „Sam2Go“, ein Service, der im Gegensatz zu vielen anderen Angeboten am Markt dauerhafte Lizenzsicherheit gewährleistet. Kurzum: Bewährtes bleibt auch nach der Übernahme bestehen, wird angereichert um die Kernkompetenzen des jeweils neuen Partners und ergänzt um alle Vorteile, die die internationale Comparex-Gruppe vorhalten kann.

ITM: Welche Soft- und Hardwarebereiche wollen Sie speziell für den Mittelstand ­künftig weiter ausbauen?
Herber:
Zuletzt haben wir u.a. unsere Position als Microsoft Large Account Reseller (LAR) weiter gefestigt und wir halten aktuell 2.350 Zertifizierungen von 55 Herstellern vor. Klares Ziel ist es, bei unseren Mittelstandskunden als der „Single-Source-Software-Lieferant“ gesetzt zu sein.

Auch Hardware ist ein wichtiges Thema für uns, allerdings nicht im klassischen Handelsgeschäft. Wir fokussieren uns hier auf eine projektspezifische Beratung und Beschaffung, die ein hohes Know-how voraussetzt. Dies kommt besonders bei infrastrukturnahen Projekten im gehobenen Mittelstand zum Tragen, etwa bei der Implementierung zukunftsfester privater Cloud-Umgebungen. Hier arbeiten wir u. a. mit den Hardwareherstellern Cisco, EMC und Netapp.

ITM: Zu welchen Projekten werden Sie als Dienstleister hinzugezogen?
Herber:
Momentan führen wir Projekte im Software Asset Management, in der klassischen Virtualisierung, aber auch im Bereich der Collaboration durch. Ein Beispiel: Wir betreuen aktuell einen Kunden im Energieumfeld in Hessen bei der Umstellung seiner IT. In naher Zukunft kommen nicht mehr nur neue Fat-Clients zum Einsatz, sondern auch verschiedenste Endgeräte. Somit sinken die Kosten für die benötigten PC-Komponenten und Infrastruktursysteme, dafür kann in den Ausbau der zentralen Rechenzentren in Frankfurt am Main investiert werden. Denn diese sollen modernisiert und konsolidiert werden, um eine zukunftsorientierte und leistungsfähige IT-Infrastruktur aufzubauen. Dafür vereinen wir neue Infrastruktur-, Virtualisierungs- und Managementtechnologien: Microsoft System Center 2012 mit SCCM + App-V, Hyper-V 3.0 sowie Citrix Xen Desktop 5.6.

ITM: Inwieweit spielen in den Projekten neue Technologien wie Cloud Computing und Big Data bereits eine Rolle?
Herber:
Das skizzierte Projekt besitzt eindeutig Bestandteile einer Private Cloud. Wir haben in diesem und anderen Projekten die Erfahrung gemacht, dass die Private Cloud inzwischen im Mittelstand angekommen ist. In Gesprächen mit unseren Kunden stellen wir jedoch immer wieder fest, dass das Vorurteil „exorbitant teuer“ mitschwingt. Wir entwickeln in unseren Projekten Lösungen, die auch für den Mittelstand erschwinglich sind. Als Trend deutet sich das Thema der Migration vertrauter Anwendungen in Browser-Apps an.

Im Gegensatz dazu ist Big Data im Mittelstand noch nicht präsent. Wir beschäftigen uns theoretisch damit, aber Kundenanfragen gibt es noch nicht. Wir verfolgen die Entwicklungen der großen Hersteller genau, jedoch gibt es noch kein Werkzeug, welches die Bedürfnisse des Mittelstandes abbildet. Die heute in mittelständischen Unternehmen anfallenden Datenmengen bekommen wir mit den vorhandenen Tools wie Sharepoint und Enterprise-Search-Lösungen gut in den Griff.

Hintergrund

Im Februar 2012 übernahm der IT-Dienstleister Comparex die Datalog Software AG. Der 1974 in München gegründete IT-Service-Anbieter Datalog verfügt über ein komplementäres Portfolio sowie über eine starke Position im deutschen Mittelstandsmarkt. Als einer der europäischen Marktführer bietet Comparex eine Expertise im Softwaremarkt; zudem betreut der IT-Dienstleister weltweit etwa 15.000 Kunden, darunter insbesondere öffentliche Verwaltungen, Industriefirmen sowie mittelständische Unternehmen.

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