Besonders bei einer Nutzung bestehender Räumlichkeiten können standardisierte RZ-Konzepte zu kurz greifen.
Schenkt man einigen Herstellern Glauben, so scheint das Zauberwort „Standardisierung“ derzeit die Lösung für alle Herausforderungen rund um die Realisierung eines Rechenzentrums zu sein. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass sich die Anbieter dabei wohl eher nicht mit wirklichen Kundenanforderungen auseinandersetzen wollen. Oder dass sie Investitionen in Beratung und Know-how durch eigene, kostengünstig produzierte Produktstandards ersetzen möchten. Zwar räumen sie der individuellen Planung weiterhin einen hohen Stellenwert ein, die Realisierung mit standardisierten Bauteilen gilt ihnen jedoch als eine Art Allzweckwaffe.
Doch wie sollten RZ-Betreiber und IT-Verantwortliche mit Angeboten von der Stange umgehen? Hier gilt es, Verkaufsargumente wie Kosteneffizienz und schnellere Realisierungszeit auf jeden Fall kritisch unter die Lupe zu nehmen. Generell steht die Standardisierung im RZ-Umfeld für die Vereinheitlichung von Maßen, Typen, Verfahrensweisen oder anderem. Ein Ziel der Anbieter ist es, unter Einbindung genormter Bauteile Kosten bei der eigenen Produktion zu sparen. Zu prüfen bleibt, ob diese Kostenreduzierung an den Kunden weitergeben wird oder nur die eigenen Produktmargen verbessert werden sollen.
Modularer Safe für 19 Zoll Rack
Die Standardisierung ergibt in bestimmten Bereichen des RZ dann Sinn, wenn technisch tatsächlich keine Nachteile zu befürchten sind und die Kosten für Investitionen und Betrieb reduziert werden sollen. So kann bei kleinen Anwendungen ein standardisierter modularer Safe für die sichere Unterbringung eines 19-Zoll-Racks die optimale Lösung darstellen. Erfahrungen mit standardisierten Konzepten zeigen allerdings, dass sie individuellen Unternehmensanforderungen und räumlichen Rahmenbedingungen oftmals nur unzureichend Rechnung tragen können. Insbesondere im Fall einer weiteren Nutzung bestehender Räumlichkeiten können standardisierte Konzepte zu kurz greifen. So können Normbauteile an ihre Grenzen stoßen, etwa wenn es um limitierende Decken oder Raumstützen geht.
Jeder RZ-Verantwortliche, der seine IT-Infrastruktur wirtschaftlich betreiben möchte, wird sich in den nächsten Jahren mit einer anforderungsgerechten IT auseinandersetzen müssen. Denn ein effizienter und sicherer IT-Betrieb in einem optimalen physikalischen Umfeld schafft Wettbewerbsvorteile – u.a. in Bezug auf die Verfügbarkeit und Qualität. Betrachtet man vor diesem Hintergrund die Bauzeit eines individuell realisierten Rechenzentrums, stellen maßgeschneiderte Lösungen keinen Nachteil für die Kunden dar. Im Gegenteil lassen sich auch Projekte dieser Art erfahrungsgemäß termingerecht und bei laufendem Betrieb umsetzen. Überdies entsprechen diese Lösungen genau dem tatsächlichen Verfügbarkeitsanspruch sowie Anforderungen wie Grundschutzniveau oder Hochverfügbarkeit.
Geht es um geprüften Systemschutz, können Individualkonzepte ebenfalls greifen: So existieren neuartige Verbindungstechniken, die die Montage ohne Rücksicht auf Abstände zu den Gebäudewänden ermöglichen. Dies kann sowohl Platz sparen als auch eine schnelle Inbetriebnahme gewährleisten. Zudem stehen Aspekte wie Sicherheit und Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt, denn bestimmte Raumtypen verfügen aufgrund ihrer Bauweise über eine hohe Dichtigkeit. Dies kann u.a. eine effizientere Klimatisierung ermöglichen.
Anders kann es bei der geprüften Sicherheit von Normelementen im Rechenzentrumsbau aussehen: Eine einfache Prüfung einzelner Bauteile ist im unternehmenskritischen IT-Umfeld wenig aussagefähig. So wird bei der Bauteilprüfung von Standardkomponenten nur das einzelne Bauteil auf seine Schutzwertigkeit überprüft. Dabei lassen sich keinerlei Aussagen darüber treffen, wie die einzelnen Bauteile im Zusammenspiel auf Bedrohungen wie Feuer, Wasser oder korrosive Brandgase reagieren.
ECB-S-zertifiziertes Raumsystem bei Hochverfügbarkeit
Wer einen bezahlbaren physikalischen Schutz für seine IT sicherstellen möchte, sollte sein Augenmerk auf die Umgebungsbedingungen legen. Welches Niveau eine physikalische Sicherheitslösung gegen schädliche Einflüsse von außen bzw. innen haben muss, ist vom jeweiligen Schutzbedarf sowie Verfügbarkeitsanspruch abhängig. So eignet sich ein ECB-S-zertifiziertes Raumsystem beispielsweise bei Hochverfügbarkeit. Neben produkttechnischen Vorteilen kann die Implementierung der zertifizierten Lösung auch finanzielle Vorteile für den Betreiber mit sich bringen: Parallel zur Betriebskostenreduzierung garantiert das neutrale Gütesiegel einen Investitionsschutz, der wiederum zur Verbesserung von Versicherungskonditionen beitragen kann.
Was ist ECB-S?
Ein ECB-S-geprüfter Sicherheitsraum steht für einen klar definierten Prüf- und Überwachungsprozess gemäß EN 1047-2, dem Temperatur- und Feuchtegrenzwerte inklusive der Ausführung zugrundeliegen und auf den sich Endkunden – unabhängig der Aussage der Hersteller – verlassen können.
Wofür steht EN 1047-2?
EN 1047-2 stellt ein Zertifizierungsverfahren dar. Es basiert auf drei Teilaspekten, die im Zusammenspiel die ausgewiesenen Produkteigenschaften nach den Europäischen Normen sicherstellen. Während die EN 1047-1 die Sicherheit von Datensicherungsschränken und Disketteneinsätzen nachweist, bezieht sich die EN 1047-2 auf die nachgewiesenen Eigenschaften von Datensicherungsräumen und -containern.
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