„Die große Tragödie unser Gesellschaft ist, dass wir quantitativ über- und qualitativ unterinformiert sind. Wir wissen bedeutend mehr als unsere Vorfahren, doch wir wissen es bedeutend weniger gut. (....) Überbordende Quantität und unzureichende Qualität bewirken eine ernsthafte Desinformation, die viele Leute daran hindert, klar zu sehen und Zusammenhänge richtig zu erkennen.” Das bereits einige Jahre zurückliegende Zitat des damaligen Informationschefs des Europarats, Pierre Lévy, hat nichts von seinem Wahrheitsgehalt verloren – ganz im Gegenteil. Angesichts der eskalierenden Datenflut im Geschäftsumfeld, lässt sich seine Aussage mühelos auf das Informationsmanagement moderner Unternehmen übertragen und zeigt Herausforderungen auf, die weit über die Speicherung großer Datenmengen hinausgehen.
Ähnlich wie die Prozessorgeschwindigkeit wachsen die Datenmengen extrem stark. Laut IDC verdoppelt sich das weltweite Datenvolumen etwa alle 18 Monate. Nach Ansicht von Bitkom-Vizepräsident Volker Smid sorgt vor allem die zunehmende maschinelle Erzeugung von Daten dafür. Diese Daten reichen von Protokollen von Geschäftsprozessen über automatische Erfassungen von RFID-Lesern in der Produktion und Logistik bis hin zur Digitalisierung von Bildern, Musik und Videos in HD oder 3D. Auch in der Finanzindustrie, im Gesundheitswesen oder in der Wissenschaft fallen große Datenmengen an. Gesetzliche Vorgaben verlangen immer häufiger die Langzeitarchivierung geschäftskritischer Informationen in digitaler Form. Zudem kann das Speichern der maschinell erzeugten Daten zu einem Vorteil im Wettbewerb führen, etwa bei dem Aufspüren
von Unregelmäßigkeiten bei Finanztransaktionen, bei der Marktforschung oder beim Optimieren des Energieverbrauchs.
„Treiber dieses unablässigen Datenwachstums sind verbesserte Technologien und sinkende Investitionskosten. Verglichen mit 2005 haben sich die Kosten für die Erzeugung, Erfassung, Verwaltung und Speicherung von Informationen auf ein Sechstel verringert. Im gleichen Zeitraum sind die Investitionen von Unternehmen in das digitale Universum – Cloud-Dienste, Hardware, Software, Services und Mitarbeiter für die Erzeugung, Verwaltung, Speicherung von Informationen – um 50 Prozent auf vier Billionen US-Dollar gestiegen“, beschreibt Sabine Bendiek, Geschäftsführerin EMC Deutschland die Situation. Als zunehmend problematisch erweist sich das enorme Wachstum unstrukturierter Informationen, die inzwischen mehr als 90 Prozent der Daten ausmachen. Während strukturierte Daten, beispielsweise die Inhalte von Datenbanken, moderat zulegen, weisen unstrukturierte Daten wie E-Mails und ihre Anhänge überproportionale Steigerungsraten auf.
Die ungebremst wachsende Datenflut zu verarbeiten, stellt Unternehmen vor enorme Herausforderungen. So hält zum Beispiel der Ausbau von IT-Personal nicht Schritt mit dem massiven Wachstum von Servern, Datenverwaltung und File-basierten Daten: Laut IDC werden die Fähigkeiten, die Erfahrung und die Ressourcen der IT-Mitarbeiter nicht schnell genug ausgebaut, um in allen Wachstumsbereichen Schritt zu halten. Im Laufe der nächsten zehn Jahre (bis 2020) müssen sich IT-Abteilungen darauf einstellen, dass das 50-fache an Informationen verwaltet werden muss und 1,5-mal so viele IT-Experten benötigt werden, um die Daten zu verwalten.
Angesichts der weltweiten Wirtschaftssituation mit stagnierenden oder gar sinkenden IT-Budgets, steigt insbesondere bei Mittelständlern der Bedarf an intelligenten und umfassenden Speichermanagementlösungen. Speichermanagementexperten wie die Point Software & Systems GmbH weisen darauf hin, dass dabei neben funktionalen und wirtschaftlichen Aspekten auch rechtlichen Bestimmungen Rechnung zu tragen ist. Neben Skalierbarkeit, Geschwindigkeit, Verfügbarkeit und Kosteneffizienz gilt es, Compliance-Vorgaben und Risikomanagement, das heißt den Schutz von Geschäftsdaten vor unbeabsichtigter Lösung oder gar böswilliger Änderung oder Zerstörung, nicht aus dem Blick zu verlieren. Eine intelligente Speichermanagementlösung kann zur Minimierung dieses Geschäftsrisikos beitragen, indem – beispielsweise als Teil des Tiered-Storage-Konzepts – eine Speicherschicht zur Verfügung gestellt wird, die Änderungen und Löschung der gespeicherten Daten vor Ablauf der Compliance Retention-Zeit verhindert.
Auch kleinen und mittelständischen Unternehmen stehen heute neuartige Anwendungen für die Datenarchivierung zur Verfügung, die Kosten reduzieren – zum Beispiel mittels Datendeduplizierung, Auto-Tiering und Virtualisierung. Gleichzeitig unterstützen sie die Anwender bei der Festlegung dessen, was archiviert werden soll. Speicherspezialisten sind sich weitgehend einig, dass sogenannte Tiered-Storage-Konzepte unter Berücksichtigung unterschiedlicher Speichertechnologien wie Solid State Disk, SAS-, FC- oder SATA-Festplatten, Tape-Technologien und optischen Speichern, enorme Vorteile hinsichtlich kritischer Aspekte wie Leistungsfähigkeit, Kapazität, Compliance und Kosten bieten.
So besteht Tier 1 aus höchst performantem Speicher. Tier 2 gewährt hohe Kapazität und sorgt dafür, dass die gespeicherten Daten immer zugänglich bleiben. Tier 3 ist auf die Langzeitarchivierung ausgelegt und bietet zusätzliche Eigenschaften, die insbesondere für gesetzeskonforme Archivierung (Compliant Archiving) notwendig sind. Moderne Speichermanagementlösungen wie der Point Storage Manager realisieren eine Multi-Tier-Storage-Architektur durch ein regelbasiertes Datenmanagement mit automatischer Migration zwischen oder auch innerhalb eines Tiers.
Neue IT-Strukturen auf Basis von Privat- und Public-Cloud-Lösungen oder auch eine Kombination aus beidem (Hybrid-Cloud) werden an Bedeutung gewinnen. Nach Ansicht von EMC profitieren Unternehmen dabei von Skaleneffekten und werden beweglicher und flexibler als mit herkömmlichen IT-Umgebungen. Cloud Computing ermöglicht die Nutzung von IT als Dienstleistung (IT-as-a-Service). Durch das Entstehen großer Datensammlungen werden Unternehmen nach Einschätzung des Speicherspezialisten verstärkt dazu übergehen, die IT als Service zu beziehen statt in eigne IT-Infrastruktur zu investieren.
Ein wichtiger Aspekt des Speichermanagements, egal ob im eigenen Hause oder beim Service Provider, ist die Datensicherheit. Neue, moderne Sicherheitsmechanismen und -anwendungen erkennen die Informationen, die geschützt werden müssen und auch welches Sicherheitsniveau nötig ist. Dies umfasst Threat Protection Devices, Software, Fraud-Management-Systeme und Reputation Protection Services.
„Datenlecks muss besser vorbeugt werden, denn digitale Informationen sind ein wertvolles Unternehmensgut. Das Schlimme ist: Viele Datenverluste werden noch nicht einmal bemerkt. Eine wirkungsvolle Prävention gelingt also nur durch die Entwicklung einer perfekt abgestimmten Strategie und der In-stallation vielschichtiger Kontrollen“, berichtet Olaf Riedel, Partner bei Ernst & Young, in einer aktuellen Veröffentlichung der Beratungsgesellschaft*. Die kontinuierlich steigende Zahl der Übertragungsmethoden, Speichermöglichkeiten auf kleinstem Raum und die Unübersichtlichkeit der Verteilung erhöhen die Gefahr des Datenverlusts. Mit steigender Zahl der Informationen wird es nach den Worten von Olaf Riedel zu wesentlich mehr Datenverlusten kommen.
„Verhindern können Unternehmen den Verlust ihrer wertvollen Daten nur, wenn die Prävention zum klaren Geschäftsziel wird“, so Riedel. Zur Entwicklung einer Strategie und der Einführung von Kontrollmechanismen hat Ernst & Young einen ganzheitlichen Präventionsansatz entwickelt, der auf vier Grundsäulen beruht: Datenkontrolle, Datenschutzüberwachung, Support der Informationssicherheitsprozesse und die technologische Unterstützung der Datenschutzprogramms.
Für eine zuverlässige Kontrolle der Daten muss ein Unternehmen zunächst identifizieren, über welche sensiblen Daten es verfügt, wo diese gespeichert und wie sie übermittelt werden. Wichtig ist vor allem die Überprüfung der Speicherungsstruktur. Gerade eine unstrukturierte Datenspeicherung fördert unvorhergesehene Datenpannen. Auch die Definition von festen Datenrichtlinien und Standards ist für den Datenschutz unabdingbar. Ein effektives Präventionsprogramm umfasst nicht nur die Datenüberwachung innerhalb des digitalen Systems, sondern auch die gründliche Kontrolle der Infrastruktur, um etwa das Kopieren von Festplatten oder den Verlust von anderen physikalischen Speichermedien zu verhindern.
„Berücksichtigt ein Unternehmen bei seinem Präventionskonzept die Maßnahmen Datenkontrolle, Datenschutzüberwachung, Support der Informationssicherheitsprozesse und technologische Unterstützung des Programms, senkt es das Risiko erheblich, dass Daten unkontrolliert verloren gehen, und es bereitet sich effektiv auf zukünftige neue Risiken vor“, sagt Olaf Riedel.
Alles auf den Prüfstand
Luis Praxmarer, Analyst bei der Experton-Group, empfiehlt, im Rahmen einer umfassenden strategischen Unternehmensplanung auch den Informationsmanagement-Lebenszyklus und die Storage-Strategien zur Unterstützung der unternehmensweiten und abteilungsinternen Anforderungen auf den Prüfstand zu stellen.
Unter anderem müssen folgende wichtige Punkte abgeklärt werden:
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