Softwaredschungel: Interview mit Ansgar Dodt, Safenet

Transparente Lizenzierungsmodelle

Im Interview betont Ansgar Dodt, Vice President Worldwide Sales, Software Monetization bei Safenet, dass viele Mittelständler die Einhaltung aller Lizenzbedingungen in der Praxis nicht sicherstellen können. Transparente Lizenzierungsmodelle und -modelle sind gefragt.

Ansgar Dodt, Safenet

„In den kommenden Jahren werden sicherlich nutzer- bzw. nutzungsbasierte Lizenzierungsmodelle zunehmen“, überlegt Ansgar Dodt, Vice President Worldwide Sales, Software Monetization bei Safenet.

ITM: Herr Dodt, steigen mittelständische Unternehmen im Lizenzierungsdschungel ihrer verwendeten Softwarelösungen und Applikationen stets durch oder herrscht viel Unwissenheit bzw. Aufklärungsbedarf?
Ansgar Dodt:
Viele Mittelständler – genauso wie Großunternehmen – können die Einhaltung aller Lizenzbedingungen in der Praxis nicht sicherstellen. Die Ursachen sind vielfältig: angefangen bei hochkomplexen und schwer verständlichen Lizenzierungsbedingungen über Software, die die Kunden bei der Einhaltung der Lizenzbedingungen nicht unterstützt, bis hin zu Lizenzierungsmechanismen die – wissentlich oder unwissentlich – durch Virtualisierungstechnologien ausgehebelt werden können. Aufklärung ist deshalb definitiv hilfreich, trotzdem darf die Last nicht vollständig auf die Mittelständler abgewälzt werden. Die Softwarehersteller selbst müssen in transparente Lizenzierungsmodelle und -technologien investieren, die dem Kunden die Einhaltung erleichtern.

ITM: Was sind häufige Irrtümer im Bereich „Lizenzierung“?
Dodt:
Der häufigste Missbrauch ist unbewusst. Wenn der Kollege eine hilfreiche Software hat und die sich bei mir auch installieren lässt, gehe ich vielleicht davon aus, dass mein Arbeitgeber eine Lizenz für das ganze Unternehmen oder meine Abteilung erworben hat. Für das explizite Nachfragen fehlt die Zeit oder die richtigen Ansprechpartner sind gar nicht bekannt. Ähnlich in der IT: Wenn sich Software in virtualisierten Umgebungen beliebig vervielfältigen lässt, gehen die Verantwortlichen vielleicht davon aus, dass das durch die Lizenzbedingungen abgedeckt ist.

ITM: Was legen die Hersteller/Software-Anbieter den Lizenzierungspreisen in der Regel zugrunde? Sprich: Wie gestalten sich typische Lizenzierungsmodelle in der Softwarewelt?
Dodt:
Es gibt ganz verschiedene Dimensionen der Lizenzierung: angefangen bei Einzelplatz- versus Netzwerklizenzen, über Kauf- oder Mietmodelle bis hin zu Festpreisen oder nutzungsbasierter Abrechnung. Bezahlt werden kann vorab oder im Nachhinein. Im Allgemeinen geht der Trend von Kauflizenzen für einen Einzelplatz hin zu flexiblen Mietmodellen mit nutzerbezogener Lizenzierung. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter eine Software mit der entsprechenden Lizenz sowohl auf dem Firmen-PC als auch auf ihrem Laptop oder Smartphone benutzen können. Diese Modelle sind wir als Verbraucher aus den App-Stores inzwischen gewöhnt. Aufgrund ihrer Vorteile halten sie auch in der Unternehmenswelt zunehmend Einzug.

ITM: Heutzutage werden Serverinfrastrukturen, auf denen verschiedenste Software läuft, verstärkt virtualisiert. Welche Rolle spielt dies für den Bereich „Lizenzierung“?
Dodt:
Kunden und Softwarehersteller sind mit dieser Entwicklung oft gleichermaßen überfordert. Da Softwarehersteller mit selbstgebauter Lizenzierungstechnologie diese meist nicht für virtualisierte Umgebungen anpassen können, ist der Kunde auf selbst zu entwickelnde Kontrollen und Prozesse angewiesen, um versehentlichen Missbrauch zu vermeiden. Das ist für alle Seiten keine einfache Aufgabe.

ITM: Warum ist die Lizenzierung in virtuellen Umgebungen so schwierig?
Dodt:
Früher konnten Softwarehersteller ihre Lizenz an ein eindeutiges Hardware-Identifikationsmerkmal, beispielsweise die Prozessor-ID, binden. In virtualisierten Umgebungen kann dieses Merkmal jetzt aber beliebig dupliziert werden – das zieht den Software-Anbietern sprichwörtlich den Teppich unter den Füßen weg. Was früher eindeutig war, ist heute beliebig kopierbar.

ITM: Inwiefern haben die Hersteller/Software-Anbieter bereits die Möglichkeiten der Virtualisierung in ihre Lizenzbedingungen überführt und ihre Modelle entsprechend angepasst?
Dodt:
Einige Softwarehersteller haben ihre Lizenzmodelle so geändert, dass sie Virtualisierung umgehen können – sie lizenzieren z.B. aus der Cloud, also aus einer für sie kontrollierbaren Umgebung. Es werden dann aus der Cloud Lizenzen an eine maximale Zahl von Nutzern oder Rechnern vergeben – egal ob diese auf virtuellen Maschinen arbeiten oder nicht. Ein anderer Ansatz ist die Weiterentwicklung oder ein Austausch der Lizenzierungstechnologie beim Softwarehersteller, so dass Lizenzierung beim Endkunden durch neue technische Verfahren auch in virtuellen Umgebungen reibungslos und sicher funktioniert.

ITM: Alte Lizenzformen berücksichtigen oftmals nicht die Möglichkeiten der virtuellen Welt. Wie leicht lassen sie sich anpassen?
Dodt:
Das gelingt mit neuer Lizenzierungstechnologie – entweder einem License-Server in der Cloud oder einem Lizenzierungsmechanismus, der auch in virtuellen Umgebungen (auch solchen mit dynamischer Verschiebung von Applikationen) zuverlässig gegen unlizenzierte Kopien schützt.

ITM: Wie lässt sich Software in einer beliebigen virtualisierten Umgebung kontrollieren? Welche Verfahren/Tools/Lösungen gibt es zur sinnvollen Verwaltung der Lizenzierung in virtuellen Umgebungen?
Dodt:
Wir können Lizenzierungstechnologien bereitstellen, die entweder Lizenzen sicher von einem Lizenzserver in der Cloud bereitstellen oder vor Ort technische Verfahren nutzen, die auch bei dynamischen Virtualiserungsumgebungen eine sichere Bindung herstellen. Selbstverständlich gibt es auch noch den Weg über Audits. Dieser kann aber sowohl für die Softwarehersteller als auch für die Kunden wegen des damit erheblichen Aufwands und den möglicherweise überraschenden Ergebnissen wesentliche Nachteile mit sich bringen.

ITM: Mit welchen „Strafen“ müssen Mittelständler rechnen, wenn ihre Software nicht ordnungsgemäß lizenziert ist bzw. wie teuer könnte es für einen Mittelständler werden, wenn er in eine Lizenzierungsfalle tappt?
Dodt:
Im Regelfall muss der Mittelständler mindestens mit der Nachzahlung für die nicht gekauften, aber genutzte Lizenzen rechnen. Darüber hinaus können je nach Lizenzvereinbarung mit dem Softwarehersteller Pönalen fällig werden.

ITM: Bedeutet Virtualisierung an sich nicht schon grundsätzlich höhere Lizenzkosten?
Dodt:
Nicht automatisch. Bei einer nutzerbasierten Lizenzierung stellt sich beispielsweise das Problem gar nicht. Hier werden nicht die Installationen, sondern die Nutzer lizenziert.

ITM: Wie können sich Mittelständler letztlich am besten einen Überblick über ihre Lizenzen in virtuellen Umgebungen verschaffen? Wenden sie sich am besten direkt an die Hersteller/Software-Anbieter oder an eine unabhängige Beratung?
Dodt:
Die einfachste Lösung für Kunden ist es, wenn der Softwarehersteller eine Lizenzierungstechnologie mitliefert, die von vorneherein verhindert, dass eine Nutzung über die vereinbarten Lizenzierungsbedingungen überhaupt möglich ist. Ein zweiter Weg ist die Nutzung von kommerziellen Lösungen zum Software-Asset-Management, die jedoch nicht unbedingt mit allen im Hause genutzten Softwaretiteln arbeiten können. Dann gibt es noch die unabhängige Beratung und im Hause definierte Prozesse zur Software-Inventarisierung und -kontrolle

ITM: Welche Lizenzierungstrends sehen Sie in den kommenden Jahren? Inwiefern wird sich ein einheitliches, auf Virtualisierung abgestimmtes und für den Anwender faires Lizenzmodell durchsetzen? Und wie könnte so ein Modell aussehen?
Dodt:
In den kommenden Jahren werden sicherlich nutzer- bzw. nutzungsbasierte Lizenzierungsmodelle zunehmen. Nutzerbasierte Modelle zielen auf die Anzahl der Anwender anstatt auf die Anzahl der Installationen ab. Sie beziehen die Häufigkeit bzw. Dauer der Nutzung in die Lizenzkalkulation mit ein. Damit verbinden sich mehrere Vorteile über die technische Lösung der Virtualisierungsthematik hinaus: Installation und Nutzung werden entkoppelt, Einmalkosten werden in laufende Kosten umgewandelt (und reduzieren damit den initialen Investitionsbedarf) und die Kosten passen sich der Unternehmensentwicklung an.

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