14.02.2017 Kommentar

Trumps Führungsstil

Von: Guido Piech

Bei all dem Getöse um den neuen amerikanischen Präsidenten fällt es schwer, sich dem Alltäglichen zu widmen. Wobei es einen Aspekt gibt, der besonders ins Auge sticht: Das ist die Art und Weise, wie Trump Entscheidungen trifft.

Oftmals ist zu lesen, Trump verwechsle das Oval Office mit dem Büro seines Firmenimperiums, wo er nach eigenem Gutdünken herrschen kann (gewerkschaftliche oder betriebsrätliche Mitbestimmung interessiert ihn nicht, ist ja kommunistisches Teufelszeug). Wahrscheinlich verwechselt er die Büros aber gar nicht, sondern weiß es einfach nicht besser.

Womit wir bei dem eigentlichen Punkt sind: Trump trifft Entscheidungen nach schlechter Väter Sitte, im Stile eines Patriarchen – was so gar nicht mehr in unsere Zeit passt.

Viele Verantwortliche im Mittelstand schwenken nämlich derzeit auf einen neuen Führungsstil um, der die Meinung und Kritik der Mitarbeiter explizit einbezieht und somit den exakten Gegenentwurf zu Trumps Hau-Ruck-Verfahren darstellt. Von agilem Handeln ist dann die Rede, was bedeutet, dass Projekte in kleinere Etappen unterteilt werden, wodurch Entscheidungen schneller herbeigeführt werden können, da sie jeweils nicht mehr ganz so weitreichend sind. Der Vorteil: Sobald man merkt, dass man sich vergaloppiert hat, kann man Dinge viel schneller revidieren.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, Entscheidungen zügig zu treffen. Im Gegenteil: Nichts lähmt und demotiviert Mitarbeiter mehr als langwieriges Hinausschieben und Vertagen. Doch zügige Entscheidungen lassen sich nur dann zielführend treffen, wenn alle maßgeblichen Kräfte von Beginn an einbezogen sind. Alles andere ist bis in alle Maßen konservativ.

PS: Wünschen wir Herrn Trump und uns allen, dass er seine Attitüde schnellstens ändert. Ansonsten muss ihm die US-Verfassung in aller Deutlichkeit seine Grenzen aufzeigen.

Bildquelle: Thinkstock / Bananastock

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