19.07.2017 Besser als Protonet?

Uniki: Sicherheit und Datenhoheit mit der eigenen Cloud

Von: Robert Schindler

Eine eigene Cloud für jeden, keine Kompromisse bei Privatsphäre und Benutzerfreundlichkeit: Das Münchner Start-up Uniki verspricht genau das mit seiner Komplettlösung aus privatem Server und Cloud-Plattform. Im Interview erläutert Matthias Bollwein, Gründer und CEO der Uniki GmbH, das Konzept.

  • Die Private Cloud Box uSpace gibt es ab 1249 Euro.

    Die Private Cloud Box uSpace gibt es ab 1249 Euro. Insgesamt drei Ausführungen mit unterschiedlichen Speichergrößen und Prozessorleistungen sind verfügbar.

  • Matthias Bollwein, Ideengeber, Gründer und CEO der Uniki GmbH

    "Wir haben mit einem winzigen Bruchteil der Investment-Summe von Protonet, nämlich nur gut 200.000 Euro, ein Produkt entwickelt, das noch mehr Privatsphäre, mehr Sicherheit, mehr Einfachheit und vor allem dank „App Store“ viel mehr von der Funktionalität bietet." Matthias Bollwein, Ideengeber, Gründer und CEO der Uniki GmbH

  • Die Uniki GmbH wurde im September 2016 von Mathematiker und IT-Unternehmensberater Matthias Bollwein (l.) und dem Informatiker Roman Leuprecht in München gegründet.

    Die Uniki GmbH wurde im September 2016 von Mathematiker und IT-Unternehmensberater Matthias Bollwein (l.) und dem Informatiker Roman Leuprecht in München gegründet.

  • Der App-Store ermöglicht es Unternehmen, die IT-Infrastruktur in der Private Cloud aufzubauen.

    Der App-Store ermöglicht es Unternehmen, die IT-Infrastruktur in der Private Cloud aufzubauen.

ITM: Herr Bollwein, wie kann Ihr Produkt kleinen Mittelständlern helfen?
Matthias Bollwein:
Studien wie die kürzlich von Kantar TNS veröffentlichte zeigen, dass kleine Mittelständler bei der Digitalisierung zunehmend den Anschluss verlieren. Das ist auch kein Wunder, denn erstens sind IT-Dienstleister oder gar eigene Spezialisten für kleinere Firmen überproportional teuer und zweitens werden kleinere Firmen wesentlich häufiger Opfer von Angriffen und Datenklau, als große.

Wir geben kleinen Unternehmen eine Lösung, die keine Spezialisten erfordert, sich automatisch um die Sicherheit der Daten kümmert, vollkommene Privatsphäre garantiert und dennoch das ganze Spektrum an Anwendungen abdeckt: Vom einfachen und sicheren Datenaustausch über Online-Kollaboration bis hin zu Website-Baukasten, Zeiterfassung, Kundenkartei, Warenwirtschaft und Buchhaltung.

ITM: Protonet hat es trotz guter Idee, viel Medienrummel und Kunden nicht geschafft. Ihre Idee scheint mir ähnlich - warum sollte es bei Uniki klappen?
Bollwein: Dazu müssen wir uns wohl ansehen, was bei Protonet eigentlich passiert ist. Sogar laut Aussage des Insolvenzverwalters war das Potential für ein solides Unternehmen eigentlich da. Die Gründer haben sich jedoch nach Silicon Valley abgesetzt, praktisch kein Interesse mehr an der deutschen GmbH gezeigt und es irgendwie geschafft, zig Millionen an Investment zu „verbrennen“.

Wir haben mit einem winzigen Bruchteil der Investment-Summe von Protonet, nämlich nur gut 200.000 Euro, ein Produkt entwickelt, das noch mehr Privatsphäre, mehr Sicherheit, mehr Einfachheit und vor allem dank „App Store“ viel mehr von der Funktionalität bietet, die für Start-ups und Mittelständler wichtig ist. Dadurch, dass wir so effizient aufgestellt sind, können wir das Unternehmen zuerst profitabel machen und auf solide Beine stellen und dann groß skalieren.

ITM: Hat die rein private Cloud als Geschäftsmodell denn Zukunft? Anwender auch im lange skeptischen Mittelstand vertrauen anscheinend mehr und mehr den Cloud-Diensten. Insbesondere beim Betrieb von Rechenzentren in Deutschland gelten Cloud-Services in Bezug auf Betriebssicherheit, Datensicherheit und Datenschutz inzwischen als sicher und zuverlässig.
Bollwein: Zum einen sehen wir verstärkt auch den gegenläufigen Trend: Die Anwendungsfälle, die schnelle Skalierung oder kurzfristige Ressourcen-Mieten erfordern, sind eher selten. Für alle anderen Anwendungsfälle, zum Beispiel permanente Infrastruktur, wie sie die meisten kleinen Firmen brauchen, ist die Auslagerung in die Cloud extrem teuer und die Risiken sind unüberschaubar. Die Daten können entweder in isolierte „Silos“ bei SaaS-Anbietern gegeben werden, oder die Infrastruktur muss von Experten auf überteuerten Ressourcen aufgebaut werden. Macht da nicht eine Lösung vor Ort mehr Sinn, die die Betriebskosten um einen Faktor 5-10 reduziert, Datenschutz-Risiken ausräumt und trotzdem keine Experten-Wartung braucht? Bisher gab es die nur leider nicht - das ändern wir nun.

Macht da nicht eine Lösung vor Ort mehr Sinn, die die Betriebskosten um einen Faktor 5-10 reduziert, Datenschutz-Risiken ausräumt und trotzdem keine Experten-Wartung braucht?

Zum anderen ein Kommentar zum Thema Datenschutz deutscher Cloud-Services: Oftmals wird ja schon den eigenen Mitarbeitern nicht vertraut. Doch was hindert einen verärgerten deutschen Cloud-Admin daran, Kundendaten zu verkaufen oder ein ganzes Rechenzentrum zu löschen, wie erst kürzlich bei einem holländischen Anbieter geschehen? Deutsche Rechenzentren garantieren vielleicht vertraglichen Datenschutz, technisch können sie das aber niemals garantieren. Wir schon, denn unsere Lösung steht beim Kunden vor Ort und wir haben keinen Zugriff.

ITM: Welche grundlegenden technischen Konstruktionen machen Ihre Lösung sicher?
Bollwein: Einer der häufigsten Angriffspunkte, beispielsweise bei Routern oder NAS-Festplatten, sind vergessene „Standardpasswörter“ oder „Admin-Zugänge“. Bei uns gibt es solche nicht: Unser Produkt konfiguriert sich beim Kunden vor Ort und erst dann werden alle Schlüssel generiert. Sie können also weder uns noch anderen bekannt sein oder gar auf dem Postweg ausgelesen werden.

Zweitens: Server waren bisher so kompliziert, weil sie vor allem per Konsole konfiguriert werden. Das hat einen guten Grund, denn alle bisherigen graphischen Benutzeroberflächen sind inhärent unsicher: Sie laufen permanent mit Administrations-Rechten auf dem Server. Wir haben die erste graphische Konfigurationsoberfläche entwickelt, die jeder bedienen kann und die auch in puncto Sicherheit für den produktiven Einsatz im Unternehmen geeignet ist.

Drittens: Alle Verbindungen sind vom Endgerät bis zum Server verschlüsselt - egal, wo sich der Nutzer gerade aufhält. Wir sind die ersten, die automatisch eine Verbindung aufbauen, sodass der lokale Server wie ein Cloud-Dienst einfach und schnell über das Internet erreichbar ist, ohne dabei die Verbindungsverschlüsselung zu unterbrechen.

ITM: Die Daten der Kunden laufen aber auch über Ihren Server?
Bollwein: Genau. Wir sind allerdings die ersten, die dabei nicht die Verschlüsselung aufbrechen – das heißt wir können unmöglich in die Datenströme „reinschauen“. Jeder Kunde erhält automatisch sein eigenes SSL-Zertifikat und über ein Hardware-Security-Modul wird die Identität des Servers sichergestellt. Die Verbindungen sind also vom Endgerät, zum Beispiel Laptop oder Smartphone, bis zum Server des Kunden verschlüsselt. Kunden, die ihre eigene Domain besitzen und damit direkt an ihren uSpace-Server durchstellen wollen, können das auch tun.

ITM: Wie funktioniert das eigene OS, UnikiOS? Was steckt unter der Haube? Linux?

Bollwein: Klar, im Server-Bereich führt an Linux nichts vorbei. Es ist zuverlässig und es gibt bereits tausende guter Web-Anwendungen, die wir in unserem „App Store“ anbieten können. Das System ist aber vergleichbar mit Googles Android: Auch das basiert auf Linux, der Benutzer sieht davon aber nie etwas. Denn obendrauf läuft eine Umgebung, die eine einfache Benutzeroberfläche und eine Umgebung zur Ausführung von Apps liefert. Genau das macht auch unser System. Es gibt dem Nutzer eine einfache Oberfläche, kümmert sich um die Verbindungs- und Sicherheitskonfiguration und die Koordinierung der Apps. Die Apps selbst sind anders als bei Android nicht zwingend in Java geschrieben, sondern werden als Container bereitgestellt.

Wir wollen auch die Hersteller der Apps, Systemhäuser und IT-Dienstleister ermutigen, unser System als Basis für ihre eigenen Lösungen zu nehmen um mehr Kunden zu erreichen und größeren Mehrwert zu bieten.

ITM: Welche Anwendungen/Apps, die kleinen Unternehmen helfen können, bringt das System mit?
Bollwein: Jedes Unternehmen braucht einfache und sichere Datei-Synchronisierung, also liefern wir standardmäßig Seafile mit. Das ist extrem zuverlässig, bietet Clients für Windows, MacOS, Android, iOS, Linux, WebDAV-Standard und Netzlaufwerke, Up- und Download-Links, Historie und vieles mehr. Also alles, was komfortable Datei-Synchronisierung braucht.

Auch gemeinsame Kalender, Kontakte etc. braucht jedes Unternehmen. Da liefern wir Kopano mit, eine Enterprise-Grade Groupware mit Microsoft Exchange Support. Den Rest kann sich jedes Unternehmen individuell zusammenklicken. Ein Online-Shop beispielsweise kann von einer E-Commerce Lösung wie Magento profitieren. IT-Unternehmen brauchen Dokumentation, Quellcode-Verwaltung und Projektmanagement. Start-ups und produzierende Unternehmen können auf eine der besten ERP-Lösungen, Odoo, zurückgreifen. Diese liefert Warenwirtschaftssystem, Zeiterfassung, Kundenkartei, Lieferanten-Management, Website- und Online-Shop-Baukasten, Buchhaltung, ja sogar Flottenmanagement und vieles mehr.

Alle diese Anwendungen gibt es bei uns im Store, die meisten davon derzeit kostenlos und für die Tools von Atlassian, Jira, Bitbucket und Confluence, kann eine Lizenz vom Hersteller bezogen werden.

ITM: Aktuell zahlt der Kunde einmal für das Produkt. Monatliche Kosten entstehen nicht, richtig? Gibt es Pläne, das Modell in diese Richtung zu monetarisieren?
Bollwein: Ja, mehrere. Zum einen werden zusätzliche Apps von uns bald monatlich berechnet. Wir wollen auch Hersteller von Web-Anwendungen motivieren, ihre Apps selbst in unserem Store zur Verfügung zu stellen. So können sie mehr Kunden erreichen und es wird ein Umsatzmodell wie im App-Store von Apple oder Play Store geben.

Außerdem arbeiten wir an neuen Technologien, die die Geräte unserer Kunden zu einem dezentralen Netzwerk zusammenschließen, in dem sie ihre Ressourcen teilen können. Zum Beispiel kann auf Blockchain-Basis Speicher erweitert oder für andere zur Verfügung gestellt werden, oder Berechnungen ausgelagert werden. Das macht sie flexibler für den Kunden, unabhängiger von uns und günstiger im Betrieb. Wir verbinden Schrittweise die Flexibilitäts-Vorteile der Cloud mit der Datenschutz-Garantie, die nur lokale Infrastruktur liefern kann.


Die Uniki GmbH wurde im September 2016 von Mathematiker und IT-Unternehmensberater Matthias Bollwein und dem Informatiker Roman Leuprecht in München gegründet. Seit Juni 2017 ist das Start-up mit einer Komplettlösung aus Hardware und Software für Datenhoheit am Markt. In Kombination mit einem eigenen App-Store können sich Unternehmen ihre  IT-Infrastruktur über Uniki einrichten. Das Team besteht derzeit aus sechs aktiven Teammitgliedern, darunter Business Angel Matthias Jungmann.
https://www.uniki.de

Bildquelle: Uniki

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