10.02.2017 Geschäftsreisen und Mitarbeiterentsendungen

US-Einreise: Was ändert sich für deutsche Unternehmen?

Von: Guido Piech

Selbst wenn man gerne wollte, lässt sich Donald Trump nicht ignorieren. Die Frage, was sich für deutsche Unternehmen in Zeiten der schnellen Dekrete des neuen „Präsidenten“ ändert, erläutert Rechtanwältin Kari Foss von Fragomen Global.

Rechtanwältin Kari Foss von Fragomen Global.

Rechtsanwältin Kari Foss: „Unternehmen sollten damit rechnen, dass die bestehenden Prüfungsverfahren durch die US-Behörden noch strikter angewendet und dadurch auch zeitaufwendiger werden.“

ITM: Momentan machen die USA durch Maßnahmen zur Einwanderungsbeschränkung von sich reden. Sollte das auch für deutsche Firmen eine Sorge sein?
Kari Foss:
Der deutsche Mittelstand unterhält sehr enge Wirtschaftsbeziehungen zu den USA, was sowohl Geschäftsreisen als auch Mitarbeiterentsendungen nach Amerika für viele Firmen zum Geschäftsalltag macht. Deutsche Mittelständler beantragen für Entsendungen oftmals sogenannte E- und L-Visa. Diese sind auf Fachkräfte zugeschnitten, die für den Unternehmenserfolg in den USA nachweislich wertvoll sind, beispielsweise Ingenieure, Manager, Juristen oder IT-Spezialisten, und unterliegen bereits seit Jahren strengen Auflagen. Wir erwarten, dass sich bei diesen Visagruppen vorerst nicht viel ändert. Allerdings sollten Unternehmen damit rechnen, dass die bestehenden Prüfungsverfahren durch die US-Behörden noch strikter angewendet und dadurch auch zeitaufwendiger werden.

ITM: Heißt das im Wesentlichen Entwarnung? Oder müssen Unternehmen etwas Bestimmtes beachten?
Foss:
Auch wenn Deutschland derzeit nicht im Fokus der Einwanderungsbeschränkungen liegt, würde ich dazu raten, an einigen Stellen sehr aufmerksam zu bleiben. Arbeitnehmer mit doppelter Staatsbürgerschaft (beispielsweise Deutschland und Iran oder Yemen) könnten von veränderten Einreisebeschränkungen betroffen sein. Da hier aktuell viel in Bewegung ist, sollte vor einer Entsendung oder Dienstreise der jeweils aktuelle Stand der Dinge überprüft werden.

Zum anderen ist es nicht unüblich, dass bei einem sogenannten „Intercompany Transfer“, also einer Entsendung innerhalb des Unternehmens, das Gehalt auch für in den USA lebende Mitarbeiter weiterhin aus Deutschland bezahlt wird. Hier könnten durch kommende Änderungen beispielsweise des „E-Verify“ Meldeverfahrens in den USA eventuell neue Herausforderungen auf Firmen zukommen.

ITM: Eine längerfristige Einwanderung in die USA ist ja das Eine. Aber was ändert sich für Geschäftsreisen?
Foss:
Deutsche Staatsangehörige reisen ja für gewöhnlich über das Visa Waiver-Programm, genannt ESTA, in die USA ein. Das wird, nach aktuellem Stand, auch weiterhin problemlos möglich sein. Allerdings wurden für den ESTA-Antrag jüngst Fragen zur Offenlegung der privaten Social Media-Profile der Einreisenden ergänzt. Bisher ist die Beantwortung dieser Fragen freiwillig, aber es wird in den USA diskutiert, inwiefern es möglich und wünschenswert ist, dies verpflichtend zu machen. Sofern das geschieht oder Reisende bei Nicht-Beantwortung spürbare Nachteile bei der Einreise erfahren, könnte das für deutsche Firmen zu einem Problem werden, da Datenschutz in Deutschland einen hohen Stellenwert genießt und Mitarbeiter möglicherweise nicht bereit sind, diese Informationen offenzulegen.

Bildquelle: Thinkstock / Bananastock // Fragomen Global

 

 

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