Welche Bedeutung eine anwenderfreundliche IT-Lösung tatsächlich gewinnt, zeigt sich bei dem Berliner Sicherheitsunternehmen MSA. Hier werden Produkte für Betriebssicherheit entwickelt – von persönlicher Schutzausrüstung bis hin zur Gaswarntechnik. Das Klientel ist breit gefächert: Rettungsdienste, wie Feuerwehr und THW, Forstbetriebe oder Industrieunternehmen zählen zum Kundenkreis. Bei MSA hat das Thema Usability eine ganz andere Tragweite. Schließlich entscheidet hier die Anwenderfreundlichkeit der entwickelten Technologien über das Überleben von Rettungsteams und den zu bergenden Personen.
Wegen der großen Nachfrage bei dem System zur telemetrischen Überwachung von Atemschutzgeräten wollte man sich bei der kommenden Produktgeneration nicht nur auf ein Technologie-Update beschränken, sondern auch in puncto Nutzererwartungen das Interaktionsdesign überarbeiten. Ziel war eine sichere Bedienbarkeit, die auch in Stresssituationen gewährleistet ist. Im Einsatzfall, bei schlechten Sichtverhältnissen und in Extremsituationen muss eine optimale Funktionalität des Überwachungs- und Warngeräts gegeben sein. Nur so können im Evakuierungsfall einzelne Teammitglieder rechtzeitig auf eine mangelnde Sauerstoffversorgung aufmerksam gemacht und entsprechend Maßnahmen ergriffen werden.
Projektleiter Jürgen Boß rekapituliert: „Wir hielten unser bisheriges Telemetrieprodukt für recht benutzerfreundlich – auch in Krisensituationen. Zunächst sahen wir also wenige Möglichkeiten, die grundlegende Bedienung zu verbessern. Es sollten lediglich zusätzliche Funktionalitäten eingebunden werden, ohne die Anwendung zu überfrachten.“ Dazu holte man sich fachliche Unterstützung. Der psychologische IT-Berater Apliki sollte auf Basis des expertenbasierten Vorgehens eine sichere Bedienung für das System gewährleisten. Nach der Einarbeitung schlug Apliki ein Bedienkonzept vor, das konsequent auf sicheren Informationstransfer und fehlerfreie Ein-Knopf-Interaktion ausgelegt war. Zunächst galt es, das bei vielen Entwicklungsszenarien auftauchende Grundsatzproblem anzugehen: Meist fällt es den Entwicklern schwer, ihren Fokus auf den Anwender zu legen und ihn als wichtigen Einflussfaktor schon in der Planungs- und Architekturphase mit einzubeziehen. Die Gesamtstrategie- und Technologiebrille lässt nur einen eingeschränkten Blick auf die Praxis zu. Arbeitsabläufe werden folglich so strukturiert, wie sie sich aus der Sicht der Planer darstellen. Die Erwartungen und vor allem Erfahrungen des Nutzers bleiben außen vor. Situative Einflussfaktoren werden oftmals einfach nicht erkannt. Die Anwendung driftet an den Anforderungen der Nutzer vorbei, bleibt rein funktionsgesteuert.
Der Weg zu einem neuen Lösungsansatz bei MSA führte also zunächst über den Endanwender - diesen galt es genau zu „verstehen“. Das kann zeit- und kosteneffizient lediglich auf der Expertenebene analysiert werden, auf webbasierenden Untersuchungen oder durch Felduntersuchungen direkt beim Anwender. Bei MSA hat man sich, um zunächst ein Gefühl für die völlig neue Herangehensweise zu bekommen, für die Expertenebene entschieden.
Um eine Datenbasis zu schaffen, wurden unterschiedliche Methoden aus der psychologischen IT-Beratung angewandt. Im Rahmen von Fokusgruppen generierten Teilnehmer durch Gruppengespräche gegenseitig Ideen und lieferten wertvolle Erkenntnisse über Stärken und Schwächen des Produkts. Aus diesen Analyseergebnissen wurden systematisch die Entwicklungsartefakte abgeleitet: Vision, Persona und Szenario. Daraus wurde im weiteren Vorgehen der Lösungsraum generiert und jede Idee von Anforderungen bis hin zum Interaktionsdesign bewertet. Auch bei der Oberflächengestaltung kamen spezielle Methoden wie das Pair-Design zum Einsatz.Am Ende erhielt MSA ein Interaktionsdesign, das als programmierter Click-Dummy-Prototyp zum Test zur Verfügung stand. „Zur Gegenkontrolle ließen wir unser ursprüngliches Konzept im selben Simulator programmieren und stellten beides den Anwendern vor. Ohne Ausnahme wurde die Apliki-Lösung bevorzugt“, erinnert sich Jürgen Boß. „Diese Lösung zeigte sich einfacher und klarer in der Bedienbarkeit. Noch dazu konnte Apliki seinen Prototypen in der Hälfte der Zeit fertigstellen, in der wir unsere eigene Lösung präsentationsbereit hatten.“
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