Vor mehr als 15 Jahren begann das mittelständische Unternehmen zunächst mit der Planung, Lieferung und Installation klassischer Objektbauten für Hoch- und Tiefbaustellen, bevor es in den letzten Jahren verstärkt die chemische Industrie als Geschäftsfeld entdeckte.
„Aufgrund unserer Firmengröße ist es in Bezug auf die IT-Abteilung praktikabler, auf externe Unterstützung zu setzen.“ Sebastian Renner (re.), Projektverantwortlicher ERP, Amtra Mobilraum GmbH
„Vor der ERP-Einführung hatten wir mehrere Insellösungen im Einsatz, diese Systeme waren allerdings nicht zukunftsträchtig.“ Thomas Kahler (re.), Vertriebsleiter Amtra Mobilraum GmbH
Am Standort Wesseling setzt der Mittelständler auf die hauseigene Mobilraum-Bauweise.
ITM: Herr Kahler, wie haben Sie mit Ihren mobilen Raumsystemen den Weg in die chemische Industrie geschafft?
Thomas Kahler: Den Grundstein dafür legte die Gründung unserer Niederlassung in Köln-Niehl, mit dem Ziel, die dort ansässigen Shell-Raffinerien als Kunden zu gewinnen. Erfolgreiche gemeinsame Projekte bestärkten uns in der Entscheidung, den Umstieg vom klassischen Hoch- und Tiefbau in die chemische Industrie zu wagen.
Inzwischen stammen 85 Prozent unserer Aufträge aus dem chemischen Bereich, so dass wir uns auf die Besonderheiten vor allem in Bezug auf die dort geltenden, strikten Sicherheitsanforderungen spezialisieren konnten und über die reine Vermietung hinaus zahlreiche zusätzliche Dienstleistungen rund um die mobilen Raumsysteme anbieten können. Standardmäßig berücksichtigen wir natürlich sämtliche technischen Eigenschaften der Container, wie beispielsweise die Unterlüftung zur Schimmelvorbeugung oder die Entwässerung der Einheiten.
ITM: Wo und wann entsteht normalerweise die Nachfrage nach solchen Container-Mietlösungen?
Kahler: Immer dort, wo kurzfristig der Bedarf nach zusätzlichen Raumkapazitäten entsteht. Aktuell ist beispielsweise die Nachfrage von Kommunen stark angestiegen, die bei der Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen mitunter vor großen Problemen stehen. Aber auch Kindergärten, Schulen oder Universitäten sind häufig auf zusätzliche Räumlichkeiten angewiesen, wobei deren Anforderungen völlig anders gelagert sind als die der Industrie.
Die Vermietung der Container ist in der Regel kurzfristig ausgelegt, so dass wir eine bestimmte Anzahl an Einheiten für einen festgelegten Zeitraum aufstellen. Wir haben uns bei der Namensgebung im Übrigen bewusst für den Begriff „Mobilraum“ entschieden, denn die modernen Raummodule sind sehr viel flexibler als die Container früherer Tage.
ITM: Wie hoch sind durchschnittlich die Standzeiten der Container?
Kahler: Ein durchschnittlicher Mietvertrag läuft – wie ich zu meiner eigenen Überraschung feststellen musste – etwas über ein Jahr. Diese doch recht lange Zeit ist häufig auf Großprojekte zurückzuführen. Wird zunächst eine große Anzahl mobiler Einheiten angemietet, von denen während der Mietzeit aber einzelne nicht mehr benötigt werden und zurückkommen, können wir diese nicht bei der durchschnittlichen Standzeitberechnung berücksichtigen. Dennoch versuchen wir überwiegend das kurzzeitige Geschäft zu bedienen.
ITM: Aus wirtschaftlicher Sicht ist eine längere Standzeit aber doch positiv?
Kahler: Ja, natürlich. Wir sind an beidem interessiert. Eine lange Standzeit bedeutet eine dauerhafte Mietgenerierung. Allerdings sind wir auch auf das kurzfristige Geschäft angewiesen, allein schon deshalb, weil wir festangestellte Handwerker und Monteure beschäftigen, die Arbeit brauchen. Der Mix ist entscheidend.
ITM: Sind Sie regional oder deutschlandweit aktiv?
Kahler: Wir sind zum allergrößten Teil im Westen Deutschlands aktiv. Unsere Zentrale ist in Dernbach bei Koblenz beheimatet. Die nördlichste Niederlassung liegt in Heidenau bei Hamburg. Hinzu kommen weitere Standorte in Mülheim an der Ruhr sowie in Wesseling und Darmstadt.
Bei unserer Firmenzentrale in Dernbach – in der neben der Geschäftsführung die Buchhaltung und die Administration untergebracht sind – handelt es sich übrigens um einen klassischen Objektbau mit Fassade, so dass sich auf den ersten Blick nicht erkennen lässt, dass es sich um Modulbauweise handelt.
ITM: Herr Renner, wie gestaltet sich Ihr Aufgabengebiet?
Sebastian Renner: Neben der ERP-Projektleitung verantworte ich auch das Qualitätsmanagement – zwei Bereiche, die auf den ersten Blick getrennt voneinander zu betrachten scheinen, die bei der Optimierung firmeninterner Prozesse und Systemkonfigurationen allerdings aufeinander aufbauen und aufeinander angewiesen sind.
Parallel kamen zusätzlich Aufgaben aus dem Bereich Controlling und Organisationsentwicklung hinzu. Inzwischen koordiniere ich zahlreiche Geschäftsabläufe und bin so in vielfältige Projekte involviert.
ITM: Wurden Sie denn unter der Maßgabe eingestellt, für die IT zuständig zu sein?
Renner: Nein, erst durch personelle Veränderungen kam es dazu, dass ich inzwischen die gesamte IT – also nicht nur mit Fokus auf ERP, sondern auch Netzwerk- und Infrastrukturthemen – koordiniere. Wobei die IT von einem externen Dienstleister betreut wird. Die Hardware steht zwar bei uns im Haus, wir erhalten allerdings Unterstützung durch einen Mitarbeiter des Dienstleisters Computer Rausch, der dauerhaft bei uns in der Zentrale zugegen ist.
ITM: Wäre es nicht günstiger, die IT selbst zu betreiben?
Renner: Bei unserer Firmengröße ist eine eigene IT-Abteilung derzeit nicht notwendig. Das Problem mit einer eigenen IT besteht darin, dass der zuständige Mitarbeiter recht viel Zeit – ca. 20 bis 30 Prozent – für Fortbildungen aufbringen muss. Zudem entsteht schnell eine Support-Lücke, wenn Mitarbeiter im Urlaub sind oder krankheitsbedingt ausfallen. Daher ist es für uns praktikabler, auf externe Unterstützung zu setzen.
ITM: Steht Ihnen auch für andere IT-Belange ein festes Budget zur Verfügung?
Renner: In der Regel erfolgt eine mittelfristige IT-Planung über Zeiträume von zwei bis drei Jahren. So wussten wir 2009 bereits, dass Ende 2011 ein neues ERP-System eingeführt werden muss. Solche Vorhaben werden dann entsprechend budgetiert. Aber ein derart hohes Budget für ein kostspieliges Projekt ist nicht dauerhaft notwendig. Fixkosten fallen beispielsweise für neue Software-Lizenzen, für Pflegeverträge oder den zyklischen Hardware-Austausch an und können entsprechend geplant werden.
ITM: Wo wir gerade von externer IT-Unterstützung sprechen: Inwieweit beschäftigen Sie sich mit dem Thema Cloud?
Renner: Die Cloud ist perspektivisch sicherlich ein Thema für uns. Derzeit sind unsere Standorte noch über eine Citrix-Terminal-Server-Lösung an die Zentrale angeschlossen. Mit diesem System sind wir sehr zufrieden, zumal viele Verstrickungen zwischen den Niederlassungen bestehen. So kann es sein, dass ein Kunde, der von der Niederlassung Wesseling betreut wird, ein Projekt in Norddeutschland plant und dann von den dortigen Kollegen beliefert wird. Deshalb ist es erforderlich, dass alle Projektbeteiligten immer auf den gleichen Projekt-Workflow und Datenbestand zugreifen können.
ITM: Dafür benötigen Sie eine entsprechende Software, weshalb Sie vermutlich das neue ERP-System eingeführt haben …?
Kahler: Zuvor hatten wir diverse Insellösungen im Einsatz. So existierte ein komplett eigenständiges System für die Verwaltung der Mietverträge neben einem separaten Customer Relationship Management (CRM) und einer separaten Buchhaltungssoftware. Diese drei Systeme waren zudem allesamt nicht zukunftsträchtig, obwohl das Mietsystem nahezu maßgeschneidert gewesen war, da wir tiefe Eingriffe in die Programmierung vornehmen konnten. Aber um einheitliche Daten sowie Analysen über ContainerBewegungen und Mietverträge zu erhalten und um gleichzeitig von den Insellösungen wegzukommen, machten wir uns auf die Suche nach einer neuen Software.
ITM: Es ist schwer vorstellbar, dass es über die vielen Einzellösungen überhaupt möglich war, immer über einen aktuellen Datenstand zu verfügen.
Kahler: Eigentlich funktionierte es ganz gut, beispielsweise war das CRM-System ja an das Mietsystem angeschlossen. Allerdings war die Datenübertragung nur in eine Richtung möglich – vom CRM ins Mietsystem – andersherum jedoch nicht. Das Buchhaltungssystem hingegen war komplett autark, daher standen wir während der ERP-Einführung im Bereich der Datenübernahme vor einer ziemlichen Herausforderung, die mir einige schlaflose Nächte bereitete.
ITM: Für welche Software haben Sie sich letztlich entschieden und wie verlief der Auswahlprozess?
Kahler: Zunächst trafen wir eine Vorauswahl anhand des Preisgefüges. Ausschlaggebendes Kriterium war jedoch unser Kerngeschäft der Mietbewegungen: Reine Vermietungslösungen, bei denen ein Produkt über das System vermietet und nach dessen Rückgabe eine Rechnung erstellt wird, gibt es zwar bei einigen Anbietern. Diese Lösungen bilden jedoch unser Geschäftsmodell nicht adäquat ab, da wir ähnlich wie bei Mietwohnungen im Voraus fakturieren. Dieser Aspekt musste besonders berücksichtigt werden.
Im Endeffekt entschieden wir uns für das ERP-System Oxaion, weil wir sowohl dem System selbst als auch dem dahinterstehenden Beraterteam am ehesten zutrauten, mit unseren Anforderungen zurechtzukommen. Wobei: Was wir wirklich tun, erkannten die Verantwortlichen des Software-Anbieters erst, als die Entscheidung bereits gefallen war. So sagte mir beispielsweise der Projektleiter, dass man unsere Art des Rechnens nicht abbilden könne. Dies führte dazu, dass wir der Software während der Projektphase noch einige Betrachtungsweisen beibringen mussten.
ITM: Sie haben also im System Prozesse hinzugefügt und verändert?
Kahler: Obwohl die Vorgabe der Geschäftsführung lautete, aus Kostengründen so wenig wie möglich am System zu verändern, mussten wir dennoch einige Prozesse anfassen. Obwohl es insgesamt anstrengend war, hat es auch Spaß gemacht, sich gemeinsam nach vorne zu entwickeln.
ITM: Wirken sich diese Anpassungen am System auf die Releasefähigkeit aus?
Renner: Nein, da Oxaion vieles in den Standard übernommen hat, bleibt das System release-fähig. Im Bereich der Vermietung gab es wie gesagt einige Aspekte, die mit dem vorherigen Programmstand nicht abgedeckt werden konnten. Unser Berater ist intern inzwischen zu einer Art Fachmann für Projektierung und Vermietung geworden. Für Oxaion hat sich durch die Projektarbeit mit uns sogar ein neues Geschäftsfeld entwickelt: Durch die Positionierung in der Vermietungsnische, in der kaum ein anderer Anbieter versiert ist, zählt seit letztem Jahr ein weiterer Container-Vermieter zum Kundenstamm.
Allerdings gibt es auch Anpassungen, die für den Standard viel zu speziell sind und die beim Release-Wechsel Mehraufwand verursachen. So muss beispielsweise die Programmierung separat übernommen werden, was dazu führt, dass das Release zunächst parallel aufgespielt wird, um sämtliche zusätzlichen Programmierungen zu testen.
Wir haben Mitte letzten Jahres auf das aktuelle Major-Release hochgezogen, weil sich vor allem in der Programmierung viel verändert hatte. Auswirkungen auf unsere Arbeitsfähigkeit hatte dies jedoch nicht.
ITM: Das heißt, Ihr Mitbewerb profitiert jetzt von Ihrem Wissen?
Kahler: Ja, im Grunde schon. Wir legen zwar viel Wert auf unsere spezielle Service-Leistung, aber das Rad haben wir dennoch nicht neu erfunden. Zumal dieser Mitbewerber ein anderes Geschäftskonzept verfolgt als wir.
ITM: In welchen Schritten erfolgte die gesamte Systemeinführung?
Renner: Ende 2011 führten wir zunächst das Rechnungswesen ein, was in meinen Augen eher untypisch für eine ERP-Implementierung ist. Dies resultierte daraus, dass der Support für die bis dahin eingesetzte Software auslief und die Funktionsuntüchtigkeit des Systems absehbar war. Obwohl die einzelnen Systemmodule von Oxaion eng miteinander verstrickt sind, lassen sie sich trotzdem sehr gut separat voneinander einführen.
Im nächsten Schritt widmeten wir uns dem Miet- und Projektmanagement, die durchgängig miteinander verknüpft sind. Schrittweise folgten dann die Bereiche Service- und Reklamationsmanagement. Seit Anfang letzten Jahres gilt das Projekt mit der Überführung von Einkauf, Beschaffung und Lagerhaltung als abgeschlossen.
ITM: Sie sprachen die schlaflosen Nächte während der Implementierungsphase und insbesondere der Datenübernahme an. Wo lag das Hauptproblem?
Kahler: Die Problematik bestand darin, dass wir über 50.000 Kontakte mit unzähligen Ansprechpartnern auf Debitorenseite sowie über 5.000 Kontakten auf Kreditorenseite verfügen. Diese in einem einheitlichen Datenbestand zusammenzuführen, war noch der einfachere Teil der Übung, nachdem wir uns zuvor Gedanken darüber gemacht hatten, wie wir die Debitoren und Kreditoren in einem einheitlichen Nummernsystem zusammenführen können.
Die eigentliche Herausforderung bestand darin, die laufenden Mietverträge zum Stichtag – dem 1. März 2013 – in das System zu überspielen und die gleichen Rechnungen zu erhalten wie vorher. Zum Zeitpunkt der Datenübernahme liefen ca. 400 Mietverträge mit schätzungsweise 3.500 Containern und 50.000 Möbelstücken. Der Überblick, wo welcher Container mit welchem Inventar stand, durfte dabei nicht verloren gehen.
ITM: Haben Sie die Umstellung in einem Rutsch oder sukzessive vollzogen?
Kahler: Aufgrund unserer Fakturierungsmethode – wir rechnen in zwei Zyklen ab: zum 15. und zum 1. eines Monats – konnten wir die Daten in zwei Phasen überspielen. Da die Anzahl der Mietverträge, die zum 15. abgerechnet werden, geringer war, haben wir mit diesen begonnen. Nach erfolgreichem Abschluss zogen wir dann den zweiten Teil nach. Parallel dazu nutzten wir die Umstellung, um Datendubletten zu beseitigen.
Bis heute glaube ich, dass die Übertragung fehlerfrei funktioniert hat. Einzelne Stichproben belegen das. Trotzdem kann es natürlich sein, dass es einige wenige Container gibt, bei denen wir nicht mit Sicherheit sagen können, wo sie gerade stehen.
ITM: Würden Sie ihr Vorgehen bei künftigen Umstellungen ändern?
Kahler: Nein, im Grunde würden wir alles wieder genauso machen. Allerdings mit einem stärkeren Fokus auf größere Firmen und die Anbindung an einen Debitorenstamm, da Oxaion die Möglichkeit bietet, mit Unterfirmen zu arbeiten.
Den einzigen Schönheitsfehler, den ich derzeit zu beklagen habe, liegt in der Datenanlage: So würde ein Stammhaus Filialnummer 000 erhalten und alle darum befindlichen Firmen und Konzerne eine angepasste Filialnummer, um die gleiche Debitorennummer zu erhalten.
ITM: Haben Sie die Altsysteme (CRM, Buchhaltung) inzwischen abgeschaltet oder laufen diese parallel weiter?
Kahler: Nachdem die Datenübernahme ins neue System erfolgreich verlaufen war, schalteten wir das CRM-System und die Buchhaltungssoftware nacheinander ab. Dies geschah vor allem vor dem Hintergrund, die Dienstleistungs- und Wartungskosten zu verringern.
Danach beschäftigten wir uns mit einem Integrationstest in einem Testmandanten, um eine möglichst hohe Genauigkeit bei den umgestellten Mietverträgen zu erhalten.
ITM: Wie gehen die Mitarbeiter mit dem neuen System um?
Renner: Nach etwa einem halben Jahr war die Systemumstellung auch in den Köpfen der Mitarbeiter vollzogen. Mithilfe von Schulungen und verschiedenen Tests sowie der Unterstützung durch das Beraterteam sollten die Mitarbeiter, die wir zuvor in die drei Key-User-Gruppen Vertrieb, Technik und Logistik aufgeteilt hatten, angespornt werden, das neue System zu nutzen und Berührungsängste zu beseitigen. Der Ruf nach dem alten System verhallte schnell.
ITM: Gibt es heute noch Peripheriesysteme?
Renner: Wir haben eine Personalsoftware für die gewerblichen Mitarbeiter und Entgeltabrechnungen im Einsatz, die von der Summit IT stammt und über eine Schnittstelle zu Oxaion verfügt. Zudem setzten wir auf ein Dokumenten-Management-System (DMS) von Command sowie und eine klassische Finanzsoftware für Überweisungen.
ITM: Zu Beginn erwähnten Sie das Zusammentreffen von ERP und Qualitätsmanagement in Ihrem Verantwortungsbereich. Wird letzteres im neuen System abgebildet?
Renner: Teile des Qualitätsmanagements sind in das ERP-System integriert und werden darüber abgewickelt. Wir sind ISO-9001- und SCCp zertifiziert (Safety Certificate Contractors – Arbeit, Sicherheit und Umwelt), welche beide in der chemischen Industrie gefordert werden. Weil die ISO beispielsweise die Bewertung von Lieferanten und ein Reklamationsmanagement verlangt, bilden wir Teilbereiche davon in Oxaion ab. Da es sich allerdings nicht für alle Spezifikationen lohnen würde, diese ins System zu integrieren, läuft das Qualitätsmanagement ein stückweit parallel.
ITM: Betrachten Sie die ERP-Einführung als abgeschlossen oder gibt es noch Funktionen, um die das System erweitert werden könnte?
Kahler: Aus vertrieblicher Sicht wären zusätzliche Marketing-Aktivitäten interessant, die wir aufgrund des Budgets zunächst hinten angestellt haben. Wünschenswert wäre der Datenexport für spezielle Angebote, Newsletter und E-Mail-Marketing auf Knopfdruck.
Es ist uns aber beispielsweise über die Standardfunktionen gelungen, aufgrund bestimmter Adressmerkmalklassifizierungen in den Debitorenstämmen die Selektion auf Ebene der Ansprechpartner zu ermöglichen. Der Datenexport ist also ausreichend, so dass nur kleine Veränderungen nötig wären.
Renner: Derzeit erfolgt der Export der Datensätze über eine SQL-Abfrage, was ausreichend funktioniert. Trotzdem haben wir den Anspruch, das System vollumfänglich zu nutzen, um effektiver arbeiten zu können. Aus Controlling-Sicht gibt es den Wunsch nach einer optimierten Auswertungsmöglichkeit, um essentielle Aussagen über das System zu erhalten. Es macht schon einen Unterschied, ob Daten in Excel importiert werden, um Kennzahlen daraus abzuleiten, oder ob diese Daten aus einer vorgefertigten Abfrage aus dem System gewonnen werden.
ITM: Beschäftigen Sie sich in dem Zusammenhang mit Trendthemen wie „Big Data“ und „In-Memory-Technologien“?
Renner: Grundsätzlich bin ich an dieser Thematik schon interessiert, aufgrund unserer Unternehmensgröße können wir uns diesen Zukunftsthemen aber nicht voll verschreiben. Da wir keine reine IT-Abteilung haben, müssen wir stark priorisieren. Denn wenn ein halbes Jahresbudget in solche Themen investiert würde, blieben andere Dinge auf der Strecke.
ITM: Hätten Sie sich damals für SAP entschieden, stünde diese Umstellung irgendwann definitiv an.
Renner: Das stimmt vermutlich, aber SAP kam nicht nur aus Budgetgründen nicht in Frage, sondern auch aufgrund der Flexibilität.
ITM: Wie erfolgt der Transport der Container? Arbeiten Sie mit Fremdfirmen zusammen oder übernehmen Sie den Transport eigenständig?
Kahler: Sowohl als auch: Wir erzeugen über das ERP-System pro Container einen entsprechenden Lieferschein. Systembasiert wird dann anhand der Bestellbelege entschieden, ob wir selbst fahren oder eine Spedition beauftragt wird.
ITM: Und wie bilden Sie die Bewegungen der Container ab?
Renner: Ebenfalls im ERP-System. Jeder Container hat eine Seriennummer, zu der es eine sogenannte Geräteakte mit Informationen über den Container-Typ, die Kundenhistorie sowie eventuelle Reklamationen und Besonderheiten gibt.
Denn bei uns gleicht kaum ein Container dem anderen. Neben einer gewissen Standardausstattung, die aber beispielsweise in der Position der Steckdosen oder der Höhe des Bodenrahmens variieren kann, weisen die Container besondere Spezifikationen z.B. im technischen Aufbau auf. So lässt sich nachvollziehen, ob Container kompatibel sind und welche Art von Anlage gebaut werden kann oder ob Änderungen notwendig sind.
Hinzu kommt die klassische Lagerbestandsverwaltung: Wie viele Container eines bestimmten Typs sind auf Vorrat, müssen neubeschaffen oder umdisponiert werden?
Zudem gibt es bei uns die Besonderheit, dass wir trotz Vermietung keinen Lagerabgang verzeichnen. Die Container werden zwar an den Kunden ausgeliefert, aber lediglich über ein sogenanntes Kundenmietlager virtuell umgebucht. Kommt der Container am Ende der Laufzeit zu uns zurück, wird er ausgebucht und kann wieder neu disponiert werden. Auf diese Weise behalten wir den Überblick und können genau nachvollziehen, welche Seriennummer sich bei welchem Kunden befindet.
ITM: Wie erfolgt die Buchung der Container ins System? Verwenden Sie dazu mobile Geräte?
Renner: Die Bauleiter sind mit mobilen Geräten ausgerüstet, je nach Präferenz mit Laptop, Tablet oder Smartphone. Die Daten werden am Ende eines Tages über Workflows innerhalb des Projektes erfasst, so dass auch bei gebietsübergreifenden Tätigkeiten alle Beteiligten über alle Arbeitsschritte informiert sind. In der Praxis sieht das wie folgt aus: Ein Arbeitsauftrag wird über das System übertragen, der Bauleiter übernimmt die Abnahme. Danach erfolgt der Übertrag in den Mietvertrag, dieser wiederum erteilt die Info über die Abrechnungsmodalitäten.
Kahler: Vor dem Hintergrund unseres Unternehmenswachstums und der Systemkomplexität lag unser Bestreben darin, einen Arbeitsprozess zu entwickeln, der ohne E-Mail und Telefonate auskommt. Mit der Workflow-Variante sind die Arbeitsschritte an allen Standorten identisch.
ITM: Aber eine spezielle mobile Lösung verwenden Sie nicht?
Kahler: Oxaion bietet zwar die Anbindung an eine App – hinsichtlich der CRM-Funktionalitäten ist diese sehr gut –, für uns ist der Einsatz aber nicht unbedingt notwendig. Unsere Bauleiter haben theoretisch die Möglichkeit, Bestellungen mobil aufzugeben. Aber so schnelllebig ist unser Geschäft nicht. Und mit guten Kontakten zum Lieferanten funktioniert es auch telefonisch recht zügig.
Renner: Interessant wäre eine mobile Anbindung für das Reklamationsmanagement, über die die Service-Techniker direkt Rückmeldung geben könnten. Auch die Verknüpfung zu einem Scanner-System wäre für die Lagerhaltung von Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien hilfreich. Dies planen wir voraussichtlich für das nächste Jahr. Dann ließe sich jedes der rund 1.800 Ersatzteile nach der Entnahme im Lager scannen und mit der entsprechenden Projektnummer in der Kostenrechnung verbuchen.
ITM: Können Sie dies näher erläutern?
Kahler: Da wir kein klassischer Produktionsbetrieb sind, kommen viele der Teile, die wir über Materialentnahme verbauen, nach Ablauf der Mietzeit wieder zurück. Ein gutes Beispiel dafür sind die Fundamentplatten, auf denen die Container aufgestellt werden. Zur Montage transportieren wir x Platten, die ausgebucht werden. Schon nach dem Aufbau kommt eine bestimmte Anzahl zurück, die dann sofort wieder eingebucht wird.
ITM: Zuletzt noch Ihre Einschätzung zu der jüngsten Übernahme von Oxaion durch die Investorengruppe WHEB.
Renner: Grundsätzlich ändert sich für uns an der operativen Abwicklung nichts. Wir wurden vorab über diesen Entschluss informiert, mit dem Hinweis, dass für uns alles beim Alten bliebe. Möglicherweise profitieren wir sogar, wenn das Budget steigt, die Innovationskraft vorangetrieben wird und mehr Geld für Weiterentwicklungen ausgegeben werden kann.
Wir haben ein durchweg positives Verhältnis zum gesamten Oxaion-Team und würden uns selbst als sehr engagierten Kunden bezeichnen. Wir nehmen z. B. an Fachtagungen teil und werden für Vorträge angefragt. Auf diesem Wege erhalten wir die Möglichkeit, uns mit anderen Anwendern oder Administratoren auszutauschen und Ideen zu sammeln.
Die Amtra Mobilraum GmbH …
… aus Dernbach bei Koblenz ist Spezialist für mobile Raumsysteme. Die Kernkompetenz liegt hierbei neben der Vermietung von Mobilräumen in einem umfassenden Service- und Logistikkonzept. So übernimmt der Mittelständler die Planung und Anlieferung der Mietcontainer sowie den fristgerechten Aufbau vor Ort. Zu den Kunden gehören Großunternehmen wie BASF, Evonik, Shell und Vattenfall sowie zahlreiche Kindergärten, Schulen und Universitäten. Das inhabergeführte Unternehmen beschäftigt über 60 Mitarbeiter an fünf Standorten.
www.amtra-gmbh.de
Thomas Kahler
Alter: 36 Jahre
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Werdegang: verschiedene Führungspositionen im kaufmännischen und technischen Bereich
Derzeitige Position: Vertriebsleiter
Hobby: Fußball
Sebastian Renner
Alter: 26 Jahre
Familienstand: ledig
Werdegang: duales Studium „Internationales Handelsmanagement“ an der Europäischen Fachhochschule in Brühl mit Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei QVC. Seit 2013 bei Amtra zunächst als Projektverantwortlicher für die Oxaion-Einführung tätig.
Derzeitige Position: Management-Beauftragter
Hobbys: Basketball, seine franz. Bulldogge Milow, Reisen