03.07.2017 Vier Anzeichen für den Wandel

Vom Internet der Dinge zur Wirtschaft der Dinge

Von: Thomas Haarmann

Die Vernetzung intelligenter Geräte, das „Internet der Dinge“ (IoT – Internet of Things) wird die Art und Weise, wie wir kaufen und verkaufen, in den nächsten zehn Jahren verändern. Dass auch eine „Wirtschaft der Dinge“ entsteht, sollen diesen vier Beobachtungen skizzieren >>>

Dass die Wirtschaft der Dinge keine Vision mehr ist, sondern Formen annimmt, will Philip Clarke von Brilliant Hunch Ltd. im Auftrag von Elavon mit diesen vier Beobachtungen skizzieren:

1. Intelligente Technologien

Ein erstes Anzeichen für das Entstehen einer Wirtschaft der Dinge ist der Rollout intelligenter Technologien. Vor allem Geräte und Anwendungen im Bereich des Smart Home liegen im Trend. Laut einer Studie der GfK sind 72 Prozent der deutschen Verbraucher vom Nutzen eines Smart Home überzeugt, 26 Prozent besitzen mindestens ein Produkt, das das eigene Heim intelligenter macht. Smart-TV-Geräte sind bereits weit verbreitet: Im Mai 2016 verfügten mehr als 16 Millionen deutsche Haushalte über mindestens einen Fernseher dieser Art. Von den 2016 verkauften TV-Geräten waren mehr als 60 Prozent internetfähig.

2. Sharing Economy

Das Wachstum der Sharing Economy ist ein weiteres Anzeichen für den Einfluss des IoT auf die Wirtschaft. In Deutschland sind Leih- und Tauschmodelle längst alltäglich und finden wachsenden Zuspruch. Ohne vernetzte Technologien wären sie undenkbar. Beispiele sind die Carsharing-Angebote verschiedener Autohersteller, die Leihfahrradangebote der Deutschen Bahn oder der Kleiderkreisel. Eine Studie von PricewaterhouseCoopers bestätigt den Trend. Danach haben rund 46 Prozent der Deutschen in den vergangenen zwei Jahren mindestens ein Sharing-Economy-Angebot genutzt, und in den nächsten zwei Jahren möchten 64 Prozent der Befragten dies tun.

3. Delegation von Transaktionsbefugnissen

Auch wenn Kühlschränke heute Lebensmittel noch nicht selbstständig nachbestellen können: Es gibt bereits deutliche Anzeichen dafür, dass Verbraucher immer mehr Entscheidungen – auch mit finanziellen Folgen – an intelligente, vernetzte Systeme abgeben.

Die Delegation von Transaktionsbefugnissen, durch die Kunden erlauben, dass Dritte für sie eigenständig kostenverursachende Prozesse in Gang setzen, ist im Finanzbereich bereits Standard: als Lastschriftverfahren mit wiederkehrenden Zahlungen. In Deutschland zum Beispiel wird laut Bundesverband deutscher Banken rund die Hälfte aller bargeldlosen Zahlungen auf diese Art beglichen. Voraussetzung für eine entsprechende Entwicklung im IoT ist lediglich, dass ähnlich umfassende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden wie beim Lastschriftverfahren.

Die Bereitschaft von Verbrauchern, finanzielle Kontrolle abzugeben, wird umso größer sein, je weniger Interesse sie an dem jeweiligen Entscheidungsbereich haben. Dass etwa der Vergleich von Energiepreisen zu diesen Low-Interest-Bereichen zählt, darauf setzt das britische Startup Flipper: Dessen Kunden erteilen dem Unternehmen die Befugnis, jederzeit in ihrem Namen zum jeweils günstigsten Energieanbieter zu wechseln.

4. Vorhersehbare Präferenzen

Ein weiterer Beleg dafür, dass die Wirtschaft der Dinge konkrete Formen annimmt und sich durchsetzen wird, sind die schon heute bestehenden Verfahren zur Erfassung individueller Nutzerprofile und zur Vorhersage persönlicher Präferenzen. Jede individualisierte Kaufempfehlung von eBay oder Amazon bezeugt das ebenso wie jede individuell eingeblendete Google Ad. Streaming-Dienste erfassen bereits unsere Entertainment-Gewohnheiten und Fitness-Apps unser Bewegungsverhalten, um daraus für den Nutzer personalisierte Vorschläge abzuleiten. Und dieser Trend hat gerade erst begonnen: Die Fortschritte bei künstlicher Intelligenz und lernfähigen Maschinen sind gewaltig.

Die mit dieser Entwicklung verbundenen Veränderungen und Möglichkeiten müssen vom Handel im Hinblick auf ihre Eignung eingeordnet und entsprechend genutzt werden. Gerade Handel und Servicebranche müssen sich daher ernsthaft mit den Möglichkeiten und Erfordernissen des IoT auseinandersetzen – und zukunftsfähige Partner finden, die sich nicht nur um die Zahlungsabwicklung, sondern vielmehr um den Verkaufsprozess als Ganzen kümmern

 

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