Markus Mattmann, Regional Director Continental Europe bei Rackspace International
ITM: Herr Mattmann, anhand welcher Zertifizierungen oder Gütesiegel können mittelständische Verantwortliche die Qualität und Sicherheit von Cloud-Services bewerten?
Markus Mattmann: Die Internationale Organisation für Normung (ISO) stellt verschiedene Standards zur Verfügung, welche durch eine Zertifizierung überprüft werden können. Eine der zentralsten Zertifizierungen im Bereich der Cloud-Services ist die ISO-27001-Zertifizierung. Eine weitere, maßgebende Zertifizierung wird durch die International Standard for Assurance Engagements (ISAE) Nr. 3402 Type II Service Organization Control (SOC2) 1 abgeschlossen. Diese Untersuchung beinhaltet Kontrollen hinsichtlich der Sicherheitsüberwachung, Change Management, Servicelieferung, Supportdiensten, Backup, Umweltkontrollen, logischer und physischer Zugang und eine genaue Beschreibung der Kontrollen und deren Wirksamkeit.
ITM: Wie sollten Mittelständler am besten vorgehen, wenn sie bestehende Systeme in die Wolke eines Cloud-Service-Providers hieven möchten?
Mattmann: In einem ersten Schritt sollte der Bedarf abgeklärt werden: Welche Dienstleistung müssen dem Unternehmen zu Verfügung stehen und welche Anforderung hinsichtlich Sicherheit, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit werden an den Cloud-Service gestellt. Daraus lässt sich anschließend ableiten, welches der drei Cloud-Modelle für das Unternehmen am besten geeignet ist: eine Private Cloud, die besondere Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz erfüllt, eine Open Cloud, die hohe Skalierbarkeit und Kosteneffizienz mit sich bringt, oder eine Kombination dieser beiden Lösungen – eine Hybrid Cloud.
ITM: Worauf sollte bei einer solchen Migration in die Cloud vor allem geachtet werden? Welche Probleme könnten auftreten?
Mattmann: Bei der Migration in die Cloud muss in erster Linie ein durchgehender Support durch den Serviceprovider gewährleistet sein. Idealerweise wählt man einen größeren Anbieter, der einen Support bietet, der rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche verfügbar ist. Gerade bei umfangreichen Migrationen ist eine kompetente und umfassende Beratung durch den Serviceprovider und ein durchgehender Support bei der Migration ein Schlüsselfaktor, damit Probleme gar nicht erst auftreten können.
ITM: Wie können Unternehmen die einmal in die Cloud gegebenen Systeme bzw. Applikationen wieder in einen herkömmlichen Eigenbetrieb zurückholen? Oder ist die Entscheidung zugunsten einer Cloud per se eine Einbahnstraße?
Mattmann: So wie man früher einen Server ersetzen und die Systeme und Applikationen von einem Server auf den anderen migriert hat, kann man auch von einer Cloud wieder auf einen eigenen Server zurückkehren. Entscheiden hier ist jedoch, dass man sich für eine Open-Cloud-Lösung wie Openstack entscheidend. Cloud Computing ist ja nichts anderes, als eine kostengünstige, hoch skalierbare und ausfallsichere Variante für einen eigenen Server. Die Cloud ist kann teilweise eine Einbahnstraße sein, wenn man sich für proprietäre Cloud-Lösungen entscheidet oder man gar nicht mehr auf eigene Server zurückkehren möchte.
ITM: Wie aufwendig ist die Migration von einem zum anderen Cloud-Service-Partner? Wie kann dies ohne Ausfallszeiten für den Kunden realisiert werden bzw. welche weiteren Hürden gibt es?
Mattmann: Migrationen unter offenen Cloud-Standard sind natürlich einfach und gehen rasch von statten. Man hat dabei Zugriff auf den Sourcecode und kann selber die Schritte entscheiden. Wir sehen größeren Aufwand, wenn von „Vendor-Lock-In“-Lösungen migriert wird. Hier gilt, den Cloud-Service so lange redundant zu führen, bis die Migration komplett abgeschlossen und eine Testphase ohne größere Probleme überstanden wurde, um Ausfallszeiten für den Kunden gering zu halten. Am besten lässt sich das mit einem Cloud-Anbieter realisieren, der breit aufgestellt ist und den entsprechenden Support bieten kann, um ein Migrationsprojekt bestmöglich zu begleiten und rasch auf Schwierigkeiten reagieren kann.
ITM: Welche Hürden müssen bei dem Umstieg von einem Cloud-Anbieter zum anderen genommen werden?
Mattmann: Neben den üblichen vertraglichen Voraussetzungen wie Kündigungsfristen, gilt es abzuklären, ob der neue Anbieter alle Anforderungen erfüllt, die das Unternehmen an den Cloud-Service stellt. Ansonsten gilt es dieselben Hürden zu bewältigen, die jede Migration mit sich bringt, egal ob in der Cloud oder auf dem Server im Keller des Unternehmens. Hat man bei der Wahl des neuen Cloud-Providers auch den Support berücksichtigt, können viele Hürden durch eine kompetente Beratung und aktive Begleitung der Migration erheblich abgebaut werden.
ITM: Wie kann man vollkommen sicher gehen, dass ein Cloud-Service-Provider nach Vertragsschluss auch wirklich alle Daten des Anwenderunternehmens löscht? Und dies auch noch sicher sowie datenschutz-/rechtskonform?
Mattmann: In Europa sind die Cloud-Provider durch gesetzliche Vorgaben verpflichtet, ihre Sorgfaltspflichten bezüglich Datenschutz wahrzunehmen. Sensible Daten sollten außerdem von Anfang an in einer Private oder Hybrid Cloud abgelegt werden, denn bei einer Private Cloud hat das Unternehmen einen Server exklusiv zur Verfügung. Wir empfehlen grundsätzlich die Daten jeweils zu verschlüsseln, was die Sicherheit weiter erhöht.