18.09.2017 Zukunft eines Berufsstandes im Zeichen der Digitalisierung

Wer braucht noch IT-Leiter?

Die Rahmenbedingungen für die IT haben sich massiv und schnell verändert. Brauchen Unternehmen eigentlich noch IT-Leiter?

Sollt der CEO statt IT-Leiter nicht besser Chief Digital Officers einstellen?

Sollt der CEO statt IT-Leiter nicht besser Chief Digital Officers einstellen?

Vor der Jahrtausendwende galten der IT-Leiter und seine Teams geradezu als Heilsbringer. Wenn es um Optimierung und Zentralisierung ging – die IT war zur Stelle und regelte das. Dieser Ruhm verblasste in den 2000er Jahren zunehmend. Heute sind die Datenspezialisten weitgehend isoliert von der Organisation, für die sie arbeiten. Sie sind eine Art Staat im Staat geworden. Das ging viele Jahre lang einigermaßen gut, wird in Zeiten des digitalen Wandels allerdings zum Problem – vor allem für die IT selbst.

Durch ihre Abkapselung nahm vor allem die interne Kommunikation Schaden. Die IT war und ist nicht wirklich in jene Prozesse eingebunden, die zum Wesen der digitalen Transformation gehören und den Weg zu neuen Geschäftsmodellen öffnen. Und: Die IT wurde zunehmend als Cost- und Profitcenter betrachtet. Mit einer Folge, die sich heute als fatal erweist: Stellenabbau.

Zugleich fragt sich mancher Unternehmenslenker: Wenn die Cloud der nächste Schritt ist, wozu braucht man dann noch eine eigene IT inklusive Leiter? Den CIO as a Service gibt es ja schon.

 

Die IT ist vom Unternehmen abgekoppelt

Jetzt soll dieselbe IT, dezimiert, zentralisiert und optimiert, ihr Unternehmen ins Zeitalter der Digitalisierung führen – die Frage ist allerdings: Mit wem und vor allem wie? Denn die IT hat verlernt, die eigentlichen Unternehmensziele und deren Umsetzung zu verstehen. Kaum ein IT-Leiter, in dessen Zielvereinbarung ein konkretes Umsatzziel steht, eines mit Kennzahlen und Reporting, das seinen Betrag explizit misst.

Hinzu kommt, dass der Investitionsstau, der sich mittlerweile aufgebaut hat, die Unternehmen zwingt, ihre Prozesse im Hauruck-Verfahren zu digitalisieren. Die IT steht unter massivem Druck. Die oftmals sehr dünne Mitarbeiterdecke reicht hinten und vorne nicht. Von einer klaren Digitalisierungs-Strategie keine Spur.

Dies hat die IT-Teams unvorbereitet getroffen. Sie haben nicht genügend Zeit, sich wieder mit dem Rest des Unternehmens zu verknüpfen. Dieser Mangel hat zu Verwirrung darüber geführt:

  • Wer wirklich für die Rentabilität von Technologie-Investitionen verantwortlich ist.
  • Wie viel Einfluss IT-Führungskräfte auf die Geschäftsstrategie eines Unternehmens haben sollten.

„Will der IT-Leiter nicht Gefahr laufen, zwischen der aktiven Gestaltung der Zukunft und seinen aktuellen Aufgaben aufgerieben zu werden, muss er sich auf seine Stärken besinnen und die Digitalisierung planvoll in die Hand nehmen“

 

Digitalisierungs-Landkarte erstellen

Erste Ziele sollten sein, die IT zurück ins Unternehmen zu führen und eine Digitalisierungs-Landkarte zu erstellen. Dazu sollte der IT-Leiter den Dialog mit den Fachbereichen suchen, um deren Prozesse und Ziele zu verstehen. Und die Rolle zu definieren, die der IT jetzt und in Zukunft dabei zukommt.

Parallel dazu gilt es, neue Metriken und Leistungskennzahlen (KPIs) zu erstellen, mit denen sich die Leistung der IT messen und zuordnen lässt.

Dem Engagement der Mitarbeiter kommt in Zukunft eine erfolgskritische Bedeutung zu. Deshalb sollten alle Mitarbeiter frühzeitig und praxisnah in die Projekte, Aufgaben und Prozesse eingebunden werden. Werden diese Rahmenbedingungen vernachlässigt, entsteht Widerstand statt Akzeptanz.

Cloud-Services einbinden

Zu den zentralen Wesensmerkmalen der Digitalisierung gehört Flexibilität und Agilität. Wer in alter Gewohnheit für jede neue Digitalisierungslösung erst eine technische Infrastruktur und Betriebsverfahren aufbaut, wird scheitern. Cloud-Services stellen eine flexible Alternative oder sinnvolle Ergänzung zu den inhouse implementierten Lösungen dar.

Die Entwicklung des Unternehmens in die digitale Transformation ist vor allem Sache des IT-Leiters. Wenn er seine Aufgabe richtig versteht, wird er Architekt, Planer und Lenker der Digitalisierung. Der wirklich innovative IT-Leiter schafft sich zuerst selbst ab, um sich dann neu zu erschaffen.

*Thomas Denk ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Deliberate. Den ausführlichen Blog-Beitrag zum Thema finden Sie hier.

Bildquelle: Thinkstock / moodboard

 

 

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