26.06.2017 Trends im Finanzwesen

Wie das Finanzwesen ins ERP-System integriert wird

Im Interview mit IT-MITTELSTAND beschreibt Thomas Küttner, Director Sales bei der Lucanet AG, worauf es bei der Integration von Finanz- und Controlling-Lösungen in ERP-Software besonders ankommt.

Thomas Küttner, Lucanet

„Im Mittelstand arbeiten noch viel zu viele Unternehmen nach wie vor mit Excel – das raubt Zeit und Nerven uns ist nicht dazu geeignet, den Chancen des digitalen Zeitalters zu begegnen", betont Thomas Küttner von Lucanet.

ITM: Herr Küttner, Mitte März verkündeten Sie eine neue Partnerschaft mit Sage, einem Anbieter betriebswirtschaftlicher Standard-Software. Was genau steckt dahinter?
Thomas Küttner:
Hierbei geht es darum, zwei völlig verschiedene Welten so miteinander zu verbinden, dass der Anwender seine Daten reibungslos zwischen den beiden Systemen übertragen kann. Sage als ERP-Anbieter hat einen ganz anderen Schwerpunkt als wir. Umso wichtiger ist es, dass das Finanzberichtswesen gut integriert ist. Die Kooperation mit dem ERP-Hersteller stellt zum einen die Qualität der Schnittstelle sicher, zum anderen können wir unseren Anwendern so eine ganzheitliche Lösung bieten, die alle Aspekte eines modernen Finanzwesens abdeckt.

ITM: Warum ist die Integration von Analysen und Reporting in Standard-ERP-Prozesse so wichtig?
Küttner:
Bei ERP-Anbietern liegt der Fokus weniger auf den Bereichen Konsolidierung, Planung, Reporting und Analyse, sondern vielmehr auf den klassischen ERP-Themen wie Warenwirtschaft oder Finanzbuchhaltung. Das bedeutet, eine umfassende Lösung für die Finanzabteilung benötigt ein funktionierendes Zusammenspiel aller Systeme. Ein Vorteil von Lucanet ist die Datenintegration unterschiedlicher Quellsysteme, die eine wesentliche Voraussetzung für ein effizientes Berichtswesen darstellt. Unsere Lösung bietet hierfür 160 Schnittstellen zu fast allen ERP-Systemen und ist damit gut in IT-Landschaften integrierbar.

ITM: Ebenfalls im März brachten Sie mit Lucanet 10 eine neue Version Ihrer Software heraus. Welche Neuerungen sind insbesondere für Mittelständler interessant?
Küttner:
Wissen Sie, wie es 1999 zur Gründung von Lucanet kam? Ursprünglich ging es darum, Unternehmen in den Bereichen Konsolidierung, Planung und Reporting fachlich zu beraten. Dabei haben wir schnell festgestellt, dass es kein geeignetes Werkzeug gab, mit dem man alle Anforderungen umfassend abdecken konnte. Die bestehenden Lösungen kamen entweder aus der Planungsecke oder waren reine Konsolidierungssysteme. Zudem waren die Lösungen für die IT und nicht für den Fachanwender konzipiert. Also haben wir uns hingesetzt und eine Software entwickelt, die alle Funktionen für die Konzernabschlusserstellung, die Finanzplanung und das Reporting beinhaltet. Die ganzheitliche Abdeckung in nur einer Lösung war eine Innovation. Natürlich haben andere Anbieter in der Zwischenzeit nachgelegt, aber die Integration von Konsolidierung und Planung in nur einem Datenmodell ist nach wie vor ein Vorteil unserer Software.

Da sich die Ansprüche im Finanzwesen ständig verändern, haben wir mit der neuen Version darauf reagiert. Zum einen, indem wir noch mehr Fachlichkeit in unsere Software gebracht haben. Auf diese Weise wird die Erstellung von Konzernabschlüssen erleichtert, da wir unsere Anwender stärker durch den Abschluss führen. Zum anderen haben wir eine Entwicklungsplattform integriert, auf deren Basis wir Apps programmieren können, mit denen wir auch individuelle Anforderungen unserer Kunden lösen können. So schließen wir die Lücke zwischen einer effizienten Standard-Software und einer speziell für den Kunden entwickelten Lösung.

ITM: Die neue Version soll Abläufe automatisieren und inkonsistente Daten vermeiden. Wie kann die Finanzplanung und -analyse dadurch verbessert werden?
Küttner:
Finanzdaten sollten schnell, zeitnah, transparent und verlässlich zur Verfügung stehen. Dafür benötigt man eine Software, die alle Abläufe automatisiert und dementsprechend die Prozesse in den Bereichen Konsolidierung, Planung und Reporting optimiert. Damit Finanzverantwortliche die Möglichkeit haben, schneller und genauer auf den Informationsbedarf  z.B. des Managements oder von Investoren zu reagieren, sind homogene Datenbestände, eine saubere Datenqualität und zuverlässige Datenquellen unerlässlich. Sind diese nicht gegeben, führt das unweigerlich zu einem sehr hohen manuellen Aufwand bei der Fehlersuche.

ITM: Ein Blick auf aktuelle Trends: Was beschäftigt derzeit mittelständische Unternehmen?
Küttner:
Wir erleben immer wieder, dass der Mittelstand ein enormes Optimierungspotential in den Kernbereichen von Accounting und Controlling hat. Viel zu viele Unternehmen arbeiten nach wie vor mit Excel – das raubt Zeit und Nerven und ist nicht dazu geeignet, den Chancen des digitalen Zeitalters zu begegnen. Meiner Meinung nach muss hier erst einmal nachgebessert werden, bevor man sich aktuellen Trends wie Big Data und Co. zuwenden kann. Dabei bergen gerade Industrie 4.0 und die Möglichkeit, Echtzeitproduktionsdaten in die Planung oder Analyse einzubinden, ein enormes Potential.

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