Viel zu gut zum Verschrotten: Notebooks bei der Aufbereitung
Das Öko-Institut hat gemeinsam mit Fraunhofer-Forschern ermittelt, dass die Herstellungsphase eines Notebooks für mehr als die Hälfte der Gesamttreibhausgasemissionen des Gerätes verantwortlich ist. Wenn demnach ein Anwender ein altes Notebook gegen ein neues, um zehn Prozent energieeffizienteres austauscht, erweist er dem Klima noch lange keinen Dienst: Der Umweltaufwand bei der Produktion des neuen Gerätes ist so hoch, dass es bis zu 89 Jahre lang betrieben werden müsste, damit sich aus Sicht der Umwelt ein Gewinn einstellt. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass es ökologisch höchst sinnvoll ist, Maßnahmen zu ergreifen, um die Lebensdauer von Notebooks zu erhöhen. Eine dieser Maßnahmen ist das Refurbishing. Im Gegensatz zum Recycling, bei dem Materialien als Rohstoffe zur Herstellung neuer Produkte dienen, werden beim Refurbishing die Produkte selbst überarbeitet und fit gemacht für einen erneuten Einsatz. Laut dem zur Finanzgruppe der Volksbanken Raiffeisenbanken gehörenden IT-Finanzierer BFL ist die Akzeptanz von wiederaufbereiteter Hardware in den letzten Jahren enorm gestiegen. Ergiebige Quellen für gebrauchte, aber noch einsatzbereite Hardware sind z.B. Gewerbebetriebe, Industrieunternehmen und Behörden. Schon nach zwei oder drei Jahren gelten deren Geräte als abgeschrieben oder ihre Leasing-Phase läuft ab. Dann kommen die Aufbereiter ins Spiel, wie z.B. die bb-net media GmbH, die pro Jahr rund 70.000 Einheiten aufbereitet. Viele Kunden treten direkt an die Firma heran, entweder auf Empfehlung oder über die Homepage. Außerdem beteiligt sich das Unternehmen an Ausschreibungen und arbeitet mit Rollout-Firmen zusammen. Unter einem Rollout versteht man den großflächigen Austausch der Computerhardware eines Unternehmens bei einem Generationswechsel der Rechner.
Je nach Modell und Ausstattung zahlen die IT-Refurbisher beim Ankauf der Gebrauchtware bis zu 30 Prozent des ehemaligen Neupreises. Gerade im Vergleich zu den Alternativen ist dies recht lukrativ: Die Abgabe an ein Recyclingunternehmen kann durch zu entrichtende Entsorgungskosten schnell zu einem Draufzahlgeschäft werden und Finanzdienstleister gewähren beim IT-Rückkauf maximal fünf Prozent des Anschaffungspreises.
Professionelle Wiederaufbereitung
Die professionellen Aufbereiter und Neuvermarkter haben in der Regel Mindestabnahmemengen: Für bb-net media wird es beispielsweise ab einer Chargengröße von 50 Einheiten interessant. Auf Wunsch holen Logistikpartner die Leasing-Rückläufer & Co. am Anfallort ab und transportieren sie zum Aufbereitungsbetrieb. Hier werden die Geräte zunächst auf Mängel geprüft. Dann startet die Wiederaufbereitung. Sie umfasst eine innere und äußere Reinigung, eine dokumentierte, unwiederbringliche Datenlöschung sowie die Beseitigung aller behebbaren Mängel. Anschließend werden die Geräte in Qualitätslevel eingestuft.
Vor der Rückführung in den Handel bespielen die Experten die Rechner in Absprache mit dem Kunden mit Betriebssystem und Anwendersoftware. „Wichtig ist, dass man bei der eingesetzten Software lizenzrechtlich auf der sicheren Seite ist“, betont Geschäftsführer Michael Bleicher. Seinen Kunden und Partnern bietet er Notebooks und PCs mit vollständig vorinstalliertem Windows-Betriebssystem an. Zu den Abnehmern der Hardware im zweiten Lebenszyklus zählen Einzel-, Fach- und Internethändler sowie Distributoren. Direktkäufer sind z.B. Mittelständler, Systemhäuser und Behörden. Neben dem „guten Gefühl“, einen Beitrag zum Ressourcenschutz geleistet zu haben, können sie sich über Kosteneinsparungen von bis zu 50 Prozent gegenüber vergleichbarer Neuware freuen.
Bildquelle: © bb-net media