16.05.2017 IoT-Risikokapital

32 Milliarden Dollar für das Internet der Dinge

Von: Ingo Steinhaus

Startups für Produkte und Services im Internet der Dinge und zunehmend industrielle Anwendungen erregen die Aufmerksamkeit von Investoren.

Das Internet der Dinge wird langsam zum Wirtschaftsfaktor. Einzelne Gerätegattungen wie Smartwatches oder Fitness-Armbänder haben inzwischen eine gewisse Verbreitung erreicht. Doch der eigentliche, wenn auch ein wenig im Verborgenen agierende Star des IoT ist der B2B-Sektor mit jeder Menge sinnvoller Anwendungen.

So verbreiten sich Condition Monitoring, Predicitve Maintenance und Remote Support in Industrieanlagen selbst im bislang eher zurückhaltend agierenden deutschen Mittelstand. Handelsunternehmen experimentieren mit autonomen Lieferrobotern oder Abholstationen. Und ein drittes Beispiel: ThyssenKrupp Elevators nutzt die Microsoft HoloLens, um die Wartungstechniker mit Mixed Reality zu unterstützen.

Es gibt immer mehr Unternehmen, die diesen Bereich einsteigen. Der VentureScanner analysiert 1870 größtenteils recht junge IoT-Unternehmen in 50 Ländern, die insgesamt mit 32 Milliarden Dollar Risikokapital unterstützt worden sind. Interessant ist dabei vor allem das Alter. Eingeführte Themen sind zum Beispiel die Bereiche Hardware und Komponenten sowie Industrie. In diesen drei Bereichen sind die Unternehmen im Durchschnitt älter als zehn Jahre.

Im Moment fließt viel Geld ins Industrial IoT

Doch die Investitionsstrategie der Risikokapitalgeber hat sich während dieser Zeit geändert. Spitzenreiter ist der Bereich Software, der mit mehr als 4,5 Milliarden Dollar finanziert wird. Weitere aufstrebende Sektoren sind Fitness, Home und Automotive, dicht gefolgt von Robotik. Außerdem wachsen die Summen, die Risikokapitalgeber bereitstellen. So spülten sie in den letzten drei Jahren jährlich mindestens 5 Milliarden Dollar in den Markt. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es bereits fast 3 Milliarden Dollar.

Seit einigen Jahren zeichnet sich eine weitere Wende ab. Nun werden langsam Startups und Jungunternehmen im B2B-Markt für Investoren interessant. Es ist sinnvoll, die Firmen unter dem Oberbegriff Industrial IoT (IIot) zusammenzufassen. Die Analysten von CBInsights ordnen in diesen Bereich mehr als 125 ausgewählte Startups ein, die sich den Bereichen Connectivity, Sensorik, Edge Computing und IoT-Plattformen widmen.

Auch hier werden die die Finanzierungsrunden größer. So konnte SigFox 160 Millionen Dollar einsammeln, die IoT-Plattform C3IoT bekam 70 Millionen Dollar und der Datenbrillen-Hersteller Osterhout Design Group konnte sich über 58 Millionen freuen. Weitere große Deals machten Clearpath Robotics (29,5 Mio. USD) und die Satellitentechnik-Spezialisten von SatixFy (25 Mio. USD).

Besonders interessant ist das große Engagement von Traditionsunternehmen. Von den zwölf aktivsten Investoren im Internet der Dinge gehören fünf zu Großunternehmen, beispielsweise Intel Capital, GE Ventures und Cisco Investments. Die „Corporate Venture Capitalists“ sind bereits seit längerem dabei und waren in der Vergangenheit für einen Großteil der Investitionen in das noch junge Industrial IoT verantwortlich.

Mehr als 1.000 IoT-Unternehmen in Europa

Einen Spitzenwert erreichten diese Finanzierungen 2015, als 175 Startups mit zwei Milliarden Dollar gefördert wurden. Seitdem ist es etwas ruhiger geworden, doch die Geldgeber aus den großen Unternehmen sind nach wie vor aktiv. Denn der Markt ist interessant. Immer mehr Startups orientieren sich an den Bedürfnissen der Industrie. Sie bieten Sensorik, Cloud-Plattformen, Netzwerk-Infrastruktur und Software für Machine Learning, um Datenanalysen umzusetzen.

Nach Aussagen der Analysten von VentureScanner und CBInsights sind die USA sowohl nach Anzahl der Unternehmen als auch der Höhe der Investitionen Spitzenreiter. Doch Europa holt auf: Nach einer Analyse von KPMG hat sich die Anzahl der Unternehmen im IoT-Bereich in Europa zwischen 2005 und 2017 mehr als verfünffacht. Immerhin fielen in den letzten zehn Jahren etwa 20 Prozent der weltweiten Investitionen in diesem Bereich auf Europa. Allerdings war bis vor kurzem die Mehrzahl auf einzelne Großinvestoren im Bereich Telekommunikation und Netzwerk zurückzuführen.

Doch es gibt nun auch in Europa eine sehr große Diversifizierung und ein Trend zu Produkten und Services mit einem dichten Netz aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen. Die Entwicklung der europäischen IoT-Ökosysteme wird noch bis Ende des Jahres von dem Joint Intitute for Innovation Policy (JIIP) in Zusammenarbeit mit KPMG in einer Studie mit dem Titel „IoT Clusters“ untersucht. Diese Studie scheint auch dringend notwendig, denn die Zahlen der bekannten Startup-Analysten sind immer recht stark US-lastig. So verzeichnet der VentureScanner lediglich wenige 100 Startups IoT-Startups in Europa, KPMG dagegen zählt mehr als 1.000.

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