Robert Gratzl, Managing Director, Vice President und General Manager, Citrix SaaS Division, EMEA
Herr Gratzl, welche Motivation haben Mitarbeiter, unterwegs an Video- bzw. Webkonferenzen teilzunehmen? Was lässt Sie von einer Teilnahme eher absehen?
Robert Gratzl: Mobile Technologien prägen die heutige Arbeitswelt und ermöglichen Mitarbeitern, ihre Arbeitszeit und ihren -ort flexibel zu gestalten. Mit Hilfe von Video- und Webkonferenzen pflegen sie aber trotzdem den persönlichen Austausch mit ihren Kollegen und den Kontakt zu Kunden.
Wie ist es um die Qualität der Verbindung sowie der Bild- und Tonübertragung im WLAN und 3G-Netz bestellt?
Gratzl: Dank moderner Übertragungsverfahren, Datenkompression und intelligenter Übertragung gibt es in der Regel für moderne Video- und Web-Conferencing-Programme wie „Go To Meeting“ keinerlei Einschränkungen in der Qualität der Bild- und Tonübertragung – und das sowohl im WLAN als auch im 3G-UMTS-Netzen. Im Gegenteil: Die Verbindungsgeschwindigkeit von WLAN sowie von 3G-UMTS-Netzen (mit bis zu 42MBit mit HSDPA+) reicht für Sitzungen in bester Qualität aus.
Welche Unterschiede wird eine Nutzung im 4G-Netz mit sich bringen?
Gratzl: Die Nutzung im 4G-Netz (LTE) verspricht deutlich geringere Latenzzeiten bei Verbindungen. Dadurch lässt sich die Zeit bis Aktionen im Client ausgeführt werden können – wie das Stummschalten von Teilnehmern – erheblich reduzieren. Ein weiterer Vorteil von LTE: Die zur Verfügung stehende Datenrate ist im Schnitt höher als bei UMTS. Letztere reicht zwar bei guten Verbindungen aus, bei schwachen Verbindungen oder großer Entfernung zu Sendemasten kann sie aber deutlich gestört sein.
Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen den neuen LTE-Standard für ihre Kommunikation noch eher verhalten nutzen? Wie lautet Ihre eigene Einschätzung hinsichtlich der LTE-Nutzung in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Gratzl: Die Nutzung setzt einen Einsatzzweck und entsprechende Endgeräte voraus. Bei beiden Punkten hinken die Unternehmen in der DACH Region im europäischen Vergleich etwas hinterher. Doch auch hier lässt sich beobachten, dass die Nutzung moderner Kommunikationsmittel im Zuge der Diskussion „mobiles Arbeiten“ stetig zunimmt. Desweiteren sind entsprechende Endgeräte und Tarife bei den Providern noch recht neu, respektive selten – und im Vergleich zu anderen Ländern noch mit verhältnismäßig hohen Investitionskosten in der DACH Region verbunden.
Worin liegen die Stärken und die Schwächen der verschiedenen Betriebssysteme iOS, Android, Blackberry OS und Windows Phone, wenn es um Web- und Videokonferenzen geht?
Gratzl: In der Geschlossenheit von iOS liegt Segen und zugleich Fluch. Als Vorreiter eines mobilen Appstore ist Apple vorbildlich und das Herunterladen von Apps wie Go To Meeting ist einfach und schnell. Außerdem machen mobile Device-Management-Systeme und Unternehmens-Appstores das Verteilen von Applikationen für die IT-Abteilungen simpel. Allerdings bietet iOS diverse Restriktionen im Betriebssystem sodass der Funktionsumfang wie beispielsweise das zeigen des eigenen Bildschirms oder beliebiger Inhalte auf dem mobilen Gerät vorerst unmöglich macht.
Die größte Schwäche bei Blackberry OS und Windows Phone ist derzeit ihre geringe Verbreitung von zusammen genommen unter zehn Prozent. Längerfristig wird sich beweisen müssen, ob die mobilen Betriebssysteme von Microsoft nennenswerte Marktanteile erobern können und Blackberry sich am Markt halten kann. Beides ist eine Grundvoraussetzung, um Produkte für diese Plattformen zu entwickeln.
Bei Android ist das größte Problem die Heterogenität des Systems. Jeder Hersteller modifiziert und lizenziert Android für seine Geräte. Das führt zu Verzögerungen in der Anpassung auf die verschiedenen mobilen Endgeräte.