12.01.2017 Insellösungen bei Einzelhändlern

Anreize für Mobile Payment schaffen

Von: Kathrin Zieblo

Um Mobile Payment zum Erfolg zu verhelfen, bedarf es der Bereitschaft aller Beteiligten – Banken, Händler und Dienstleister. Wie das langfristige Ziel einer einheitlichen und offenen Lösung erreicht werden kann, berichtet André Boeder, Geschäftsführer von Paymorrow.

André Boeder, Geschäftsführer von Paymorrow

André Boeder, Geschäftsführer von Paymorrow

Herr Boeder, woran liegt es, dass Mobile Payment hierzulande nicht so richtig in die Gänge kommt?
Andre Boeder:
Auf den ersten Blick scheint das Thema Mobile Payment ein großes Ding zu sein. Jedenfalls wenn man den zahlreichen Unternehmensberatern Glauben schenken mag. Jahr für Jahr übertreffen sie sich mit Umsatzprognosen für die mobile Bezahlart. Klopft man das Thema in Deutschland auf seine praktische Anwendung ab, dann geht der Trendblase ziemlich schnell die Luft aus. Zwar sind wir mit zahlreichen Insellösungen einzelner Anbieter bereits auf einem guten Weg, trotzdem verlieren wir uns im Kleinteiligen: NFC wird sich hierzulande beim Mobile Payment vorerst nicht als Standard etablieren können. Anders als beim kontaktlosen Bezahlen z.B. mit der Kreditkarte, erweist sich NFC angesichts der vielen unterschiedlichen Android-Geräte im Markt als nicht stabil genug – Apple-Nutzer werden zudem fast ganz davon ausgeschlossen. Apropos Apple: Der Konzern rollt sein Payment-Angebot in immer mehr Ländern aus – von Deutschland ist aber bislang keine Rede. Der Hemmschuh hier: die deutschen Banken. Zu viele, zu heterogen, zu kleinteilig. Außerdem ist Deutschland noch immer ein Bargeld- und Lastschrift-Land und daher für das auf Kreditkarten basierende Apple Pay kein einfacher Schritt.

Das Problem ist hierzulande aber auch kommunikativer Natur: Anbieter und Händler müssen für Klarheit sorgen und Aufklärungsarbeit leisten. Es braucht händlerübergreifende Lösungen, die sowohl auf iOS- als auch Android-Geräten funktionieren und über einen einfachen Anmeldeprozess verfügen.

Mobile Payment stellt lediglich eine zusätzliche Bezahlmethode dar – woraus ergeben sich die Vorteile?
Boeder:
Für den Verbraucher stellen sich folgende Fragen: „Kann ich per Mobile Payment billiger einkaufen?“, „Kann ich per Mobile Payment einfacher einkaufen?“ und „Kann ich mittels Mobile Payment etwas, das ich vorher beim Einkauf nicht konnte?“. Aus diesen Fragen ergeben sich, je nach Zielgruppe, dann auch die möglichen Vorteile.

Für den Händler kann das Mobile Payment zahlreiche Vorteile bieten. Neben geringeren Kosten im Vergleich beispielsweise zur Kreditkartenzahlung steht hier das Marketing im Vordergrund. Ins Mobile Payment können Rabattaktionen oder andere Kaufanreizsysteme mit eingebunden werden, eine entsprechende App bietet dem Händler einen weiteren Kommunikationskanal zum Kunden. Ferner ist der Kunde über sein Smartphone einfacher für den Händler wiederzuerkennen, was Rückschlüsse auf das Kaufverhalten zulässt. Diese Vorteile könnte der Händler zum Teil an seine Käufer in Form eines Bonusprogramms oder Rabatten bei Nutzung von Mobile Payment weitergeben. In Form von Bonuspunkten ist dies z.B. bei Payback Pay der Fall.

Perspektivisch kann das Handy zum Self-Checkout Device werden – nahtlos mit dem Mobile Payment integriert. Ich scanne die EAN- oder QR-Codes auf der Warenverpackung und beim Verlassen des Ladens wird der entsprechende Betrag per Lastschrift von meinem Konto eingezogen.

Neben NFC gibt es noch weitere Technologien, die den Bezahlvorgang vereinfachen oder beschleunigen sollen. Hinzu kommen zahlreiche Einzelhandels-Apps. Wie lässt sich Fülle an Möglichkeiten reduzieren bzw. wie notwendig ist ein einheitlicher Standard?
Boeder:
Mit Handelsketten wie Rewe, Edeka oder dm-Drogerie Markt erkämpfen sich immer mehr Einzelanbieter eine Rolle im Mobile Payment-Business. Bei der Umsetzung eigener Lösungen setzen sie auf Drittanbieter und schaffen Insellösungen. Es funktioniert wie folgt: Die Apps greifen auf ein hinterlegtes Bezahlsystem zurück und ermöglichen das mobile Bezahlen nach einer einmaligen Registrierung. Der Nachteil: Ich kann mit der Edeka-App nicht zu Rewe gehen. Jede Insellösung benötigt eine eigene App inklusive des gesonderten Registrierungsverfahrens. Verbraucherfreundlichkeit sieht anders aus. Der einzige Trost: Mit ihren Insellösungen leisten sie einen Beitrag zur Verbreitung mobiler Bezahllösungen insgesamt und zur Akzeptanz von Smartphones als einen Bestandteil des Bezahlprozesses. Gelingt es also den einzelnen Anbietern, Käufer für mobile Bezahlmethoden zu gewinnen, steigt die Relevanz mobiler Lösungen und damit auch der Druck zur übergreifenden Zusammenarbeit.

Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach notwendig, um den Verbraucher mit einer mobilen Bezahlmethode vertrauter zu machen?
Boeder:
Beim Thema Mobile Payment ist es wie mit allen anderen Innovationen: Entweder sie bieten den Kunden einen echten Mehrwert oder sie laufen Gefahr verschmäht zu werden. Payback fährt hier eine gute Strategie: Mit dem Bonusprogramm bietet das Unternehmen Konsumenten echte Incentives – die Hemmschwelle zur Anwendung des neuen mobilen Bezahlprogramms konnte dadurch gesenkt werden. Ein weiterer Pluspunkt: Aufgrund ihrer Erfahrung mit den Angeboten von Payback sind die Kunden bereits mit dem Unternehmen vertraut. Dies müssen sich viele andere Anbieter erst einmal erarbeiten.

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