Ingo Bohg, Geschäftsführer beim Online-Supermarkt Froodies
Laut einer Bitkom-Erhebung von Anfang Oktober 2011 haben bereits rund sechs Millionen Deutsche Lebensmittel über das Web gekauft. Was denken Sie, welche Rolle spielen hierbei das mobile Internet und spezielle Shopping-Apps?
Ingo Bohg: In Zukunft wird das mobile Einkaufen von Lebensmitteln eine zunehmend wichtige Rolle spielen, im Moment erfolgt der Lebensmitteleinkauf im Internet aber noch maßgeblich über Desktopcomputer und Laptops. Der Online-Lebensmittelmarkt kommt gerade erst richtig in Bewegung, da sowohl einige neue Startups als auch etablierte Handelsunternehmen aktiv werden. Auch wir selbst wachsen momentan stark, sowohl hinsichtlich der Städte, in denen wir unseren persönlichen Lieferservice anbieten als auch personell. Zudem erweitern wir unser Service- und Warenangebot stetig. Als ein Baustein der Erweiterung unserer Serviceleistungen ist natürlich auch die Entwicklung einer App geplant, welche Anfang nächstes Jahres im Appstore kostenlos zum Download zur Verfügung stehen wird. Dann können unsere Kunden nicht nur bequem vom heimischen Sofa aus, sondern auch unterwegs in der U-Bahn oder beim Warten auf den Friseurtermin den Wocheneinkauf erledigen und ihre Zeit so noch effizienter nutzen.
Woran könnte es liegen, dass viele Nutzer noch zögern, Nahrungsmittel über Smartphones und Tablet-PCs einzukaufen?
Bohg: Deutsche Verbraucher sind, was das Einkaufen von Nahrungsmitteln anbelangt, generell derzeit noch zögerlich hinsichtlich der Verlagerung ihres Einkaufs ins Internet. Eine große Herausforderung in Deutschland ist sicherlich das dichte Netz stationärer Supermärkte. Zudem fehlt vielen Verbrauchern noch das Vertrauen: Sie befürchten beispielsweise, dass kühlpflichtige Ware während des Lieferprozesses nicht adäquat gelagert und dadurch schlecht werden könnte. Dieser Befürchtung kommt Froodies mit der Frischegarantie entgegen. Wir garantieren unseren Kunden die einwandfreie Lieferung von frischer Ware wie Kühl- und Tiefkühlprodukten, die Einhaltung der Kühlkette ist dabei zu jeder Zeit sichergestellt. Zudem zeigen die deutschen Verbraucher wenig Bereitschaft, mehr für den Service zahlen zu wollen, ihren Einkauf nach Hause geliefert zu bekommen. Dieses Problem haben wir dadurch gelöst, dass wir ab einem geringen Mindestbestellwert (25 Euro) kostenfrei liefern und den Kunden dabei Preise wie im Supermarkt bieten.
Hinsichtlich des Lebensmitteleinkaufs auf mobilen Endgeräten ist die Hemmschwelle für viele Verbraucher noch einmal um einiges höher, da zur Änderung der gewohnten Verhaltensmuster und den oben genannten Barrieren noch die Angst vor Sicherheitsrisiken bei der Onlinebezahlung über Smartphones und Tablet-PCs hinzukommt. Aber wir sind zuversichtlich, dass sich die Entwicklung hin zu sicheren mobilen Bezahlstandards schnell vollziehen wird.
Welche Mobilstrategie werden Sie in nächster Zeit verfolgen?
Bohg: Um unseren Kunden zu ermöglichen, auch unterwegs über ihr Smartphone oder Tablet ihren Lebensmitteleinkauf erledigen zu können, ist die Entwicklung einer Froodies-App ein zentraler Baustein unserer zukünftigen Vertriebsstrategie. Die Einführung einer iPhone-App ist für Anfang 2012 geplant, eine entsprechende Applikation für Android-Geräte wird wenig später folgen.
Ein Blick in die Zukunft: Wie werden wir in zehn Jahren unsere Lebensmittel einkaufen?
Bohg: Wir sind davon überzeugt, dass sich der Online-Lebensmittelmarkt in Deutschland stark entwickeln wird. Erste Anzeichen für eine solche Entwicklung gibt es bereits, da momentan sowohl einige neue Startups, als auch die etablierten Handelsunternehmen in den Markt eintreten. Anbieter wie Froodies zeigen den Kunden, dass Lebensmittel online einkaufen nicht teurer sein muss als im Supermarkt um die Ecke und so beginnen immer mehr Menschen, den Service zu testen. Die guten Erfahrungen, die diese Kunden dann machen, werden automatisch zu einer weiteren Verbreitung führen. Andere europäische Länder wie die Schweiz oder England zeigen, dass sich Online-Supermärkte mit großem Erfolg auf dem Markt etablieren können. So lag 2010 der Marktanteil bei E-Food in England bei 3,4 Prozent und in der Schweiz bei 2,8 Prozent. In Deutschland lag der Marktanteil bei 0,1 Prozent, hier ist ein großes Potential vorhanden.