Papier, Stift, Schere – mehr braucht es im ersten Schritt beim Paper Prototyping einer App nicht.
Im Gegensatz zu den aus dem kreativen Bereich bekannten Scribbles geht es hierbei jedoch nicht um die Präsentation grober Design-ideen. Im Mittelpunkt der als „Paper Prototyping“ bezeichneten Herangehensweise steht vielmehr die Nutzerfreundlichkeit der künftigen Anwendung – die „User Experience“ oder kurz „UX“. Konkret heißt das: Per Skizze wird ein Papier-Prototyp der App hergestellt, an dem man live testet, ob das Navigationskonzept funktioniert und der Nutzer die enthaltenen Inhalte wie geplant findet.
Dabei sind der Fantasie des UX-Design-ers zunächst kaum Grenzen gesetzt: Was man malen kann, kann realisiert werden. Kreative Einschränkungen durch eine Beschränkung der eingesetzten Software fallen hierbei weg.
Der Testablauf ist so einfach wie wirksam: Am Tisch sitzen der App-Entwickler, eine Testperson sowie ein Moderator. Anhand des Prototyps stellt der Moderator dem Tester nacheinander mehrere Aufgaben. So muss er zum Beispiel einzelne Inhalte finden, zum Startscreen zurückkehren oder ein Feature anwenden. Die Testperson zeigt anhand der skizzierten Wireframes Schritt für Schritt, wie sie die Aufgabe lösen würde. Je nach gewählter Handlungsoption bekommt sie vom UX-Designer den folgenden Wireframe gezeigt, auf den sie durch ihre vorher getroffene Wahl gelangt. Dabei darf er nicht mit dem User sprechen! Die einzige Möglichkeit, den User zu steuern, ist der Einsatz der vorher angefertigten UI-Elemente. Dadurch bekommt der Designer einen sehr guten Einblick in das User-Verhalten aus „Sicht des Smartphones“.
Die Vorteile dieser Vorgehensweise liegen auf der Hand. Paper Prototyping bietet App-Entwicklern die Gelegenheit, ihre Ideen schnell, unkompliziert und preiswert zu testen.
„Der Usability Test wird für den Kunden somit zu einer bezahlbaren Sache. Dies bringt vor allem für mittelständische Unternehmen einen großen Vorteil mit sich“, berichtet Marko Tosic, Geschäftsführer von TheAppGuys über seine Erfahrungen mit der Methode.
Zeit ist auch ein wichtiger Faktor in Hinblick auf das Kundenfeedback. Bei einer Paper Prototyping Runde kann auch der Kunde die Rolle der Testperson einnehmen. So verkürzen sich die Feedbackzyklen auf ein Minimum, die Anwendung kann ohne unnötige Zeitverzögerungen umgesetzt und auf den Markt gebracht werden.
Nicht zuletzt beinhaltet das Paper Prototyping auch eine pädagogische Komponente: Da der UX-Designer nicht mit dem Test-User sprechen darf, kann er auch nicht eingreifen, wenn der User eine Design-Schwäche seines Entwurfs aufdeckt. Der aus der ersten Reihe miterlebte Frust der User hilft ungemein dabei, beim Entwurf der nächsten Iteration über die richtigen Dinge nachzudenken.