Markus Fest, Unternehmensgründer und CEO von Elgato
Herr Fest, welche neuen Entwicklungen treiben derzeit den Markt für Smart-Home-Lösungen über die gängigen Sicherheits-, Energie-Management- oder Multi-Media-Apps hinaus um?
Markus Fest: Noch vor ein bis zwei Jahren waren Anbieter auf eigene, proprietäre Cloud-Services für ihre Produkte beschränkt. Dann stellten unter anderem Apple, Samsung, Google, Amazon und Microsoft kostenlose Plattformen vor. Aus dem Wettbewerb der Insellösungen wurde über Nacht ein von Technologieriesen geführter Wettbewerb der Plattformen.
Egal, wofür Smart-Home-Lösungen genutzt werden, sie betreffen stets äußerst private Belange. An welchen Stellen lauern bei der Nutzung aktuell noch die größten Gefahren bzw. wo gibt es die größten Sicherheitslücken?
Fest: Was die Komponenten angeht, sind Legacy-Protokolle wie Homematic, Zigbee oder Zwave recht einfach auszuspähen. Das größere Risiko sind aber wohl die proprietären Cloud-Services. Kleinere Anbieter sind in der Regel damit überfordert, permanent für die nötige Sicherheit der Kundendaten zu sorgen und werden früher oder später gehackt werden.
Mit welchen Maßnahmen lässt sich das Connected Home bestmöglich absichern und beispielsweise vor unbefugten Zugriffen oder gezielten Attacken aus dem Internet schützen?
Fest: Die meisten Anbieter scheitern schon an der Grundvoraussetzung, dass die Daten zwischen Endgerät und Cloud durchgängig und nach neuestem Stand der Technik verschlüsselt sein müssen. Es gilt die Regel, dass ein selbstentworfenes Sicherheitssystem, das nicht von mehreren unabhängigen Experten überprüft wurde, praktisch immer schwerwiegende Mängel hat.
Die meisten privaten Smart-Home-Lösungen sammeln ununterbrochen Daten – wohin werden diese Daten in der Regel gesandt? Wie transparent sind die Speicherorte für die Endnutzer?
Fest: Auf die Frage nach der Transparenz liefert derzeit nur die Home-Kit-Plattform eine wirklich klare, vollständige und überzeugende Antwort. Die Daten liegen in der iCloud und sind permanent mit von Apple detailliert beschriebenen Methoden verschlüsselt. Weder die Hersteller von Endgeräten noch Apple selbst haben Zugriff. So wissen weder wir noch Apple, welches Eve-Produkt ein Kunde nutzt, welche Siri-Befehle er gibt und was unsere Geräte aufzeichnen.
Wie ist es um Standards im Smart-Home-Umfeld derzeit bestellt? Inwieweit ist die Interoperabilität im vernetzten Heim bereits möglich?
Fest: Für Home Kit können wir sagen, dass Produkte verschiedener Hersteller problemlos zusammenarbeiten, das stellen recht hohe Zertifizierungsauflagen sicher. Dazu gibt es Lösungen wie IFTTT, um verschiedene Systeme miteinander zu verbinden, was aber eher eine technikbegeisterte Minderheit anspricht.
Welche Marktteilnehmer – z.B. Anbieter, Verbände oder die Gesetzgeber – bemühen sich besonders um die Etablierung von nationalen und internationalen Standards?
Fest: Unser Eindruck ist, dass die äußerst dynamische Entwicklung Verbände und Gesetzgeber überrollen und vor vollendete Tatsachen stellen wird. Das muss nicht unbedingt ein Problem sein; Whatsapp, Youtube, Uber etc. würde es vermutlich so gar nicht geben, wenn sie auf Standards und Regelungen gewartet hätten.
Auf welche Standards und Zertifizierungen sollten Anwender bei der Anschaffung neuer Smart-Home-Lösungen vor allem achten?
Fest: Zukunftssicher sind Plattformen, für die Endgeräte verschiedener Hersteller verfügbar sind und deren Interoperabilität über ein plattformspezifisches Zertifizierungsprogramm garantiert wird. Auf Apples Plattform lauffähige Geräte signalisieren dies durch ein Home-Kit-Logo auf der Verpackung. Herstellerspezifische Lösungen mit eigener, proprietärer Cloud haben unserer Ansicht nach keine Zukunft. Geradezu gestrig muten teure Starterkits und Angebote mit monatlichen Gebühren an, das sollten Kunden meiden.