Welche Rolle spielt das Design?

Auto-, Motorrad- und Fahrrad-Navis im Vergleich

Im Interview betont Berna Celik-Rymdzionek, Category Manager Automotive DACH bei Garmin, dass mitunter bei Radcomputern das Design ein wichtiges Thema ist, „denn niemand kauft sich ein Rad für mehrere Tausend Euro, um es dann mit einem optisch nicht ansprechenden Gerät am Lenker abzuwerten“.

Berna Celik-Rymdzionek, Garmin

„Der Fahrer von Morgen benötigt eine einfache und intuitive Bedienung“, sagt Berna Celik-Rymdzionek, Category Manager Automotive DACH bei Garmin.

Frau Celik-Rymdzionek, in Zeiten von Smartphones, Apps & Co.: Welche Rolle werden klassische Navigationsgeräte 2016 spielen?
Berna Celik-Rymdzionek:
Nach wie vor vertrauen Autofahrer auf klassische PNDs. 2015 wurden beispielsweise mehr klassische Navis verkauft als im Jahr zuvor. Hintergrund ist, dass gerade Vielfahrer den Komfort des immer einsatzbereiten PND (Personal Navigation Device) dem Smartphone vorziehen. Denn gerade in Punkto Bedienbarkeit, Displaygröße, Ausstattung und Montage (Aktivhalterung) haben diese deutliche Vorteile gegenüber Smartphones & Co. Auch für 2016 erwarten wir daher einen stabilen Markt, der durch innovative Funktionen im Bereich Fahrerassistenzsysteme getrieben werden wird. Auf der CES haben wir aktuell unsere neue Drive-Serie vorgestellt, bei der das Thema „Driver Awareness“ im Fokus steht. Die Integration einer Kamera übernimmt so nicht nur die Funktion einer Dashcam, sondern beinhaltet neben einem Kollisionswarner auch einen Spurhalteassistenten.

Inwieweit unterscheiden sich die Bedürfnisse bzw. Erwartungen der drei Nutzergruppen „Autofahrer“, „Motorradfahrer“ und „Radfahrer“ im Hinblick auf Navis?
Celik-Rymdzionek:
Autofahrer vertrauen vor allem auf eine klassische Navigation, die eine komfortable Bedienung über Spracheingabe, Echtzeitverkehrsinformationen via DAB oder mittels Live-Diensten sowie lebenslange Karten-Updates ermöglicht. Für ihre Sicherheit sollen spezielle Features und Zusatzfunktionen wie eine integrierte Kamera, Kollisionswarner und Spurenhalteassistenz sorgen.

Motorradfahrer hingegen legen Wert auf ganz andere Eigenschaften und bevorzugen eine stabile Befestigung am Motorrad, wobei Stromanschluss und Kommunikation über die Helmsprechanlage problemlos funktionieren müssen. Ständig den Wetterbedingungen ausgesetzt, sind für Motorradfahrer und Radfahrer zugleich ein robustes Gehäuse, Wasserdichtigkeit und die Bedienung per Handschuh lebensnotwendig. Beim Thema „Navigation“ sollte die Routenplanungsfunktion sowohl am Gerät selber als auch per Software am PC bedienbar sein, um diverse Routenoptionen u.a. bei kurvenreichen Straßen zu ermitteln. Größe und Gewicht gewinnen beim Radfahrer zusätzlich an Bedeutung, genau wie Zusatzfeatures von Radcomputern oder Leistungsdaten, die ermittelt und ausgewertet werden können. Je nach Streckenanforderungen präferieren Mountainbiker, Rennradfahrer etc. unterschiedliche Routenbeschaffenheit und fahren sowohl auf Teer- oder Trail-Wegen mit diversen Höhenmetern als auch gleichmäßigen Straßen.

Worin bestehen demnach die wesentlichen Unterschiede zwischen einem PKW-, Motorrad- und Fahrrad-Navi?
Celik-Rymdzionek:
Unterschiede zwischen einem PKW-, Motorrad- und Fahrrad-Navi liegen sowohl in der Hardware als auch Software. Auto- und Motorradfahrer verwenden das Navigationsgerät hauptsächlich ganz klassisch für die Orientierung unterwegs. Bei Radfahrern sieht das etwas anders aus: Diese nutzen das Navigationsgerät eher als eine Art Radcomputer. Ausnahmen bilden hier Tourenfahrer zuvor beschrieben.

Motorrad- und Fahrradnavigationsgeräte sind „on tour“ ggf. anderen Bedingungen ausgesetzt als Auto-Navis, die ein „Dach über dem Kopf“ haben. Sie können beispielsweise nass werden, falls es regnen sollte. Inwieweit sind die Geräte gegen solche Umwelteinflüsse gewappnet?
Celik-Rymdzionek:
Alle Motorrad- sowie Radnavigationsgeräte inkl. Anschlüsse sind wasserdicht und optimal gegen Umwelteinflüsse geschützt. Wie die Spezialisierung in den einzelnen Bereichen aussieht, zeigt am besten das Motorradbeispiel. Navigationsgeräte für Motorräder sind u.a. intern anderes verarbeitet als bei einem Auto. So können sie den Vibrationen, denen das Motorrad und damit das Navi im Straßenverkehr ausgesetzt sind, standhalten. Sollte beim Tanken Benzin oder Diesel an den Handschuh gelangen, ist das ebenfalls kein Problem, denn die Geräte sind außerdem kraftstoffresistent.

Welchen Tests werden Navigationsgeräte vor Marktreife generell unterzogen? Müssen Motorrad- und Fahrrad-Navis andere/zusätzliche Tests im Vergleich zu PKW-Navis bestehen?
Celik-Rymdzionek:
All unsere Geräte werden je nach Einsatzzweck entsprechend getestet. Standardtests sind dabei u.a. Kältekammer, Hitzekammer, Vibrationstests und Falltests.

Welche Rolle spielt für die Endnutzer das Design der Geräte?
Celik-Rymdzionek:
Das Design ist gerade im Bereich „Automotive“ sehr wichtig. So haben wir etwa eine Designserie, die den „Red Dot Design Award“ gewinnen konnte. Gerade haben wir auf der CES mit dem Drive Luxe das Nachfolgemodell dieser Serie vorgestellt. Hier gehören Echtglasdisplay, Metallgehäuse und Magnethalterung zu den Highlights.

Auch bei Radcomputern ist Design ein wichtiges Thema, denn niemand kauft sich ein Rad für mehrere Tausend Euro, um es dann mit einem optisch nicht ansprechenden Gerät am Lenker abzuwerten. Die Ansprüche sind in diesem Bereich sehr hoch! Wichtig beim „Design“ sind auch hier Größe und Gewicht, bei denen ein guter Mittelweg gefunden werden muss. Sicherlich muss in erster Linie die Ablesbarkeit der Daten auf dem Gerät gewährleistet sein, dennoch achten Radsportler besonders auf jedes Gramm Zusatzgewicht.

Was müssen herkömmliche Navis anno 2016 generell leisten, um am Markt bestehen zu können?
Celik-Rymdzionek:
Zunächst müssen sie über gute Navigationsfunktionen verfügen. Der Fahrer von Morgen benötigt eine einfache und intuitive Bedienung, damit er sich jede Sekunde ohne Ablenkung auf die Straße konzentrieren kann. Daher steht bei uns das Thema „Driver Awareness“ 2016 im Fokus.

Hilfreiche Features wie Verkehrsinformationen in Echtzeit via DAB+, eine erweiterte sprachgesteuerte Navigation und eine verbesserte Bluetooth-Freisprechfunktion fördern sicheres Fahren und machen das Reisen unkomplizierter. Fahrer können Anrufe, Nachrichten und andere Smartphone-Benachrichtigungen über das Navi-Display sehen und sich bei Bedarf per Text-to-Speech-Technologie die eingehenden Nachrichten vorlesen lassen. Vielfahrer werden von den neuen Navi- und Dashcam-Lösungen überzeugt sein, bei der die eingebaute Kamera das Verkehrsgeschehen durch die Windschutzscheibe aufnimmt und im Fall einer Erschütterung, etwa bei einem Unfall, die Daten automatisch speichert. Ein weiteres Highlight bei der Dashcam sind Fahrassistenz-Features wie der Kollisionswarner und Spurhalteassistent.

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