03.07.2017 Vertriebspartnerschaft geschlossen

Axa kooperiert mit Insurtechs

Von: Kathrin Zieblo

Axa Deutschland hält Ausschau nach Partnern zur Entwicklung zukunftsfähiger Versicherungslösungen. Jens Hasselbächer, Vorstand Vertrieb und SUHK Privat bei dem deutschen Versicherer berichtet über die Vertriebspartnerschaften mit Insurtechs.

  • Axa kooperiert mit Insurtechs

    Axa kooperiert mit deutschen Insurtechs, um zukunftsfähige Versicherungslösungen zu entwickeln.

  • Jens Hasselbächer, Axa

    „Insurtechs, die den Wert persönlicher Beratung nicht erkennen, werden es schwer haben", glaubt Jens Hasselbächer.

Herr Hasselbächer, Axa Deutschland hat sich bereits im letzten Jahr für die Zusammenarbeit mit mehreren Insurtech-Start-ups (darunter Friendsurance, Get Safe, Knip) entschieden. Können Sie uns die Beweggründe erläutern?
Jens Hasselbächer:
Insurtechs denken radikal vom Kunden aus, indem sie Lösungen bieten wie digitale Versicherungsordner oder einen Schadensfrei-Bonus. Das Ziel der konsequenten Kundenorientierung ist nicht neu, für Axa als Versicherer von besonderer Bedeutung und wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die Zusammenarbeit war naheliegend, denn unsere Ausrichtung ist dahingehend ähnlich. Wir beobachten den Markt der Insurtechs seit Langem intensiv und sehen, dass sich die Geschäftsmodelle deutlich professionalisieren. Insurtechs und etablierte Versicherer können viel voneinander lernen und aneinander wachsen.

Kritische Stimmen werfen Insurtechs allgemein eine fehlende Nachhaltigkeit ihrer Geschäftskonzepte vor, was auf Dauer zu Misserfolg und dem Rückzug vom Markt führen wird. Wie beurteilen Sie die derzeitige Rolle der jungen Unternehmen in Deutschland?
Hasselbächer:
Die Geschäftsmodelle sind zwar oftmals nicht radikal neu, digitale Versicherungsmakler sind aber durchaus ein ernstzunehmender zusätzlicher Kundeninteraktions- und Vertriebskanal, der an Bedeutung gewinnen wird. Die aktuellen Player setzen hauptsächlich im Vertrieb an. Wir beobachten mit großem Interesse, wie sich die Insurtech-Szene an den Kern des Versicherungsgeschäftes herantastet. Derzeit ist sie noch weit davon entfernt. Sicher können die Themen Underwriting, Risikoträgerschaft und Schadensregulierung zweifelsfrei als Kernkompetenzen der traditionellen Versicherer betrachtet werden. Diese Punkte werden Versicherer auf lange Sicht von vielen Neueinsteigern im Markt abheben.

Sicherlich erhöhen die neuen Marktteilnehmer aber auch den Druck auf die etablierte Versicherungswirtschaft, und das ist auch gut so. Die Kunden werden davon profitieren. Bei der Wahl unserer Kooperationspartner stellen wir hohe Ansprüche an Transparenz und Kundenorientierung. Axa kooperiert im Vertrieb ausschließlich mit Insurtechs, die die regulatorischen Anforderungen erfüllen und den qualitativen Ansprüchen im Sinne der Initiative „gut beraten“ gerecht werden. So haben wir strategische Partnerschaften mit Friendsurance, Getsafe und Knip. Getsafe und Knip agieren als Versicherungsmanager beziehungsweise digitale Versicherungsmakler und bieten die Möglichkeit, Versicherungsverträge papierlos zu verwalten. Der Online-Makler Friendsurance bietet seinen Kunden außerdem ein Peer-to-Peer-Versicherungsmodell, das Schadensfreiheit mit jährlichen Beitragsrückzahlungen belohnt.

Wichtig erscheint uns jedoch auch, dass Versicherung und Sicherheit sehr viel mit Vertrauen zu tun hat. Insofern entwickeln wir auch eigene digitale Lösungen zusammen mit unserem Agenturvertrieb. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist unsere digitale Beratermappe.

Der Erfolg der Insurtechs ist abhängig von der Kundenakzeptanz für digitale Versicherungsprodukte. Wie hoch schätzen Sie diese im Vergleich zur papierbasierten Form ein?
Hasselbächer:
Analog, und damit meine ich persönlich, wird nicht durch rein digitale Angebote abgelöst. Unternehmen bzw. Vermittler müssen ihre Kunden auf den bevorzugten Kanälen ansprechen – und zwar sowohl in der Online- als auch der Offlinewelt. Auch Vermittler, die rein digital arbeiten, stellen fest, dass Kunden den Bedarf nach individueller Beratung haben und versuchen, diesen Bedarf abzubilden. Bei Produkten, die man selten abschließt, die langfristig wirken oder als existentiell empfunden werden, wird auch in Zukunft der persönliche Kontakt gefragt sein. Umfragen zeigen, dass selbst internet-affine Verbraucher bei der Altersvorsorge nicht auf persönliche Beratung verzichten möchten. Qualifizierte persönliche Beratung ist weiter gefragt und ist durch digitale Angebote selbstverständlich nicht zu ersetzen. Diese bilden vielmehr eine sinnvolle Ergänzung, stehen auch außerhalb der Geschäftsöffnungszeiten zur Verfügung oder erleichtern die Kommunikation mit dem Vermittler, Makler oder Versicherer. Versicherung ist und wird auch zukünftig Vertrauenssache sein. Deshalb glaube ich persönlich stark an der personellen Vertrieb, insbesondere auch im Zeitalter der Digitalisierung. Insurtechs, die den Wert von Beratung nicht erkennen, werden es schwer haben.


Bildquelle: Axa

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