29.02.2016 Vom Tablet auf die Unternehmensdatenbank zugreifen

Backend-Anbindung mobiler Endgeräte

Von: Anton Bühl

Sollen mobile Geräte ins Backend integriert werden, müssen sie an Kernanwendungen wie Oracle und SAP, Sharepoint oder Notes/Domino angebunden werden. Wegen der oft sehr spezifischen Anforderungen kann ein zwischengeschalteter iPad-Server helfen.

Tablet vor Skyline

Bei der Anbindung mobiler Endgeräte an das BAckend, kann ein zwischengeschalteter iPad-Server hilfreich sein.

Im Gegensatz zu ihren interaktiven, modernen Frontends wirken die Backends von mobilen Business-Apps häufig wie Gruselkabinette. Statt mit SAP und Co. direkt Daten auszutauschen, greifen die mobilen Lösungen oft nur auf veraltete Datenbankinhalte zu. Dann steht der Service-Techniker vor der kaputten Waschmaschine des Kunden, findet aber am Tablet keine aktuellen Informationen zum benötigten Ersatzteil. Umgekehrt dümpeln vor Ort erfasste Kundendaten mangels Schnittstellen zu ERP- oder CRM-Systemen sowie zu File- oder Datenbank-Servern auf den Endgeräten. Denn die Entwickler denken solche Applikationen oft vom Anwendungsfall her, statt die Aktualisierbarkeit der Daten ins Auge zu fassen. Das würde freilich eine saubere Multifaktor-Authentifizierung erfordern, performante Client-Server-Interaktionen und Vorkehrungen für die Offline-Nutzung.

Die Lösung kann jedoch nicht in mobilen Massendatenänderungen bei der Einführung neuer Produktreihen liegen, die schon klassische SAP-Systeme schnell in die Knie zwingen. Auf der anderen Seite können Sync-Prozesse via Mobilnetz minutenlang dauern, wenn Skripte schlecht programmiert sind, und das geht auch ins Geld: Bei 500 Technikern mit Stundensätzen von 60 Euro kostet eine Arbeitsverzögerung von 5 Minuten je Arbeitsstunde den Arbeitgeber 20.000 Euro pro Achtstunden-Arbeitstag.

Schnellschüsse kosten Performance und Geld

Technisch muss hier besonders auf die Klassifizierung mobil benötigter Daten in statische und dynamische Kategorien geachtet werden. Dann gilt es, das richtige Nutzer-Authentifizierungsverfahren aufzubauen, egal ob Directsync, VPN, Fingerabdruck oder One-Time-Password. Ebenso muss eine verschlüsselte Verbindung zu den Backend-Servern der Applikationen mit zugehörigen Zertifikaten konfiguriert werden. Aus Performance-Gründen sollte der App-Code konsequent schlanke Abfragelogiken nutzen.

Hier kann ein Programmierparadigma wie „Representational State Transfer“ helfen, das speziell für verteilte Systeme entwickelt wurde. Die iPads mobiler Mitarbeiter kommunizieren dabei zunächst mit einem eigenen Applikations-Server, der seinerseits für die App relevante Daten aus dem Backend-Server abgefragt hat. Das geht schneller als bei der Nutzung anderer Protokolle oder wenn mobile Nutzer direkt auf das Backend zugreifen. Bei jeder Anfrage wird der Zugriff überprüft und es werden nur die relevanten Daten übertragen.

Lösung auf der Basis eines iPad-Servers

Die Salzenbrodt GmbH & Co, Hersteller der Leder- und Textilpflege-Marke Collonil, suchte nach einer Software, um Unternehmensinformationen aus ERP- und CRM-Systemen auf diese Art mit mobilen Geräten auszutauschen. Mit dem Partner Fritz & Macziol wurde das System schließlich auf Basis eines iPad-Servers umgesetzt. Dabei sollte der Datenzugriff direkt aus der Quelldatenbank erfolgen und alle Daten sollten aus sämtlichen Datenbanken konsolidiert in einer nativen iPad-App bereitstehen. Die individuell angepasste Lösung wurde an die bestehende CRM-Software auf Basis von Notes/Domino angelehnt. Allerdings verfügen die Außendienstler nun über viel aktuellere Daten, ohne ihre Datenbanken selbst replizieren zu müssen.

Grund dafür ist der zwischengeschaltete iPad-Server als Bindeglied zwischen iPads und Backend. Hauptaufgabe der als jBoss 6.2 Application Server realisierten Anwendung ist es, sämtliche Daten vorzuhalten, um mit den iPads so schnell wie möglich kommunizieren zu können. Dazu werden beim Start des Servers alle relevanten Daten von lokaler und Remote-Datenbank per JDBC (Java Database Connectivity) in den Cache geladen. Die lokale Datenbank enthält alle Konfigurationen, Nutzer, Notizen und Aufgaben, während aus der Remote-Datenbank alle CRM-Daten stammen. Jeder Datensatz wird beim Laden auf Änderungen überprüft und markiert, wenn sich Daten geändert haben.

Über sogenannte Tasks überprüft der iPad-Server seinen Datenstand regelmäßig und lädt jeweils um Mitternacht den kompletten Datenbestand neu. Der Server ist über einen Service registriert und schreibt nach seinem automatischen Start ein kontinuierliches Logfile, das über das verbreitete Tool Baretail eingesehen werden kann. Lutz Kemsies, Vertriebsleiter von Collonil: „Datenaktualität, Live-Auftragserfassung und auch die generelle Zusammenarbeit von Verkauf und Logistik haben durch die neue Lösung ein ganz neues Niveau erreicht.“

Regelmäßig überprüfter Datenbestand

Um allen Mitarbeitern den transparenten Zugang auf Kundeninformationen und Stammdaten in Echtzeit zu ermöglichen, entwickelte auch das Holzhandelsunternehmen Carl Götz GmbH für seine 90 Außendienstmitarbeiter zusammen mit Fritz & Macziol einen mobilen Ansatz. Der gesamte Außendienst erhielt iPads mit einer eigens erstellten nativen iOS-App für alle iPad-Generationen. Eine Anbindung an die bestehenden Domino-Datenbanken ermöglicht dem Außendienst den Zugriff auf sämtliche Datenbankinhalte, dank Komprimierung sogar im Offline-Modus. „Unser Außendienst besucht die Kunden sehr oft in ihren Werkstätten, wo sich nicht immer eine Datenverbindung herstellen lässt“, so Philipp Zumsteg, Geschäftsführer der Carl Götz GmbH. „Deshalb war es uns ein Anliegen, unsere Mitarbeiter mit Technik auszurüsten, mit der sie unterwegs besser arbeiten können.“

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Da Unternehmen und Geschäftsmodelle individuell sind, erreichen nur die wenigsten Unternehmen ihre Ziele mit Apps von der Stange. Um die richtige Balance zwischen bestehenden und frei verfügbaren Applikationen sowie eigens entwickelten Lösungen zu finden, sollten App-Entwickler eng sowohl mit der IT-Abteilung als auch mit den Fachbereichen zusammenarbeiten. So lässt sich besser verhindern, dass an den tatsächlichen Anforderungen vorbeientwickelt wird oder die Fachbereiche ihre Lösungen ohne Einbeziehung der IT-Abteilung auf eigenes Budget und Risiko entwickeln lassen.


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