Konkurrenz für Paypal und die Banken

Bargeldlos auf die Hand: Apple Pay

Am 22. Oktober geht es los: Apple Pay startet in den USA. Wenn es ein Erfolg wird, spült der Dienste Apple noch mehr Geld in die Kasse.

Das liebe Geld

Es gibt zahlreiche Branchen, die gutes Geld verdienen. Und es gibt eine Branche, die sich ihr Geld selber macht: Die Finanzbranche. Also der ideale Zielmarkt für Apple, dessen Geldvorrat bereits in Fantastilliarden beziffert werden muss.

Da ist es natürlich nahe liegend und wird von der Fachwelt schon länger erwartet, dass Apple mit "Apple Pay" einen eigenen Bezahldienst aufbaut. Es gibt in der Digitalwirtschaft kaum eine Möglichkeit, einfacher Geld zu verdienen: Man vermittelt eine Zahlung zwischen einem Käufer und einem Verkäufer und schon purzeln bei jeder Transaktion ein paar Kreuzer oder Taler in den Geldspeicher von Timothy Donald Cook.

Gute Vorarbeit für Apple Pay

Apple Pay startet am 20. Oktober und scheint vom Fleck weg ein Erfolg zu sein: Hunderte von Finanzinstituten haben sich dem Dienst bereits angeschlossen. Schon bei der Ankündigung waren Großbanken wie J. P. Morgan und Bank of America sowie die Kreditkartenanbieter Visa, Mastercard und American Express mit im Boot. Damit deckt der Dienst weit über 80 Prozent des Kreditkartenvolumens in den USA ab.

Doch die Abrechnung über Banken und Kreditkarten ist nicht alles, der Handel muss mit NFC-fähigen Kassensystemen ausgerüstet werden. Auch hier hat Apple gut vorgearbeitet, so dass Apple Pay in 220.000 Ladengeschäften verfügbar ist. Dies sind vor allem die großen Ketten wie Macy's, Bloomingdale's und Target sowie Fastfood-Ketten wie Subway oder McDonald's.

Die restlichen neun Millionen Einzelhändler sind zunächst einmal von dem Dienst ausgeschlossen, doch es geht Apple in erster Linie um eine erfolgreiche Startphase. Da sind die großen Ketten gleich welcher Art immer eine gute Sache, denn praktisch jeder US-Amerikaner wird wohl wenigstens einmal im Monat dort erscheinen.

iOS ist auch in den USA nur die Nummer 2 bei der Nutzerbasis, doch gerade diese Nutzer sind besonders attraktiv für Handelsunternehmen. Sie sind deutlich kauffreudiger und finanzkräftiger als der Android-Durchschnitt. Damit ist zumindest garantiert, dass der Dienst tatsächlich in größerem Maße benutzt wird.

Für die Händler handelt es sich um eine völlig normale Kreditkarten-Transaktion. Lediglich die Authentifizierung wird via kontaktloser Kommunikation und speziellen Servern von Apple erledigt. Auch für Kunden ist das Bezahlen einfach. Er hält sein iPhone an das Lesegerät und bestätigt die Zahlung mit seinem Fingerabdruck auf dem iPhone-Sensor.

Auch die Registrierung bei dem Dienst ist ziemlich simpel: Das Fotografieren der Kreditkarte reicht aus. Lediglich eine Bestätigung der Bank ist noch notwendig, dann funktioniert der Dienst. Und wer bereits bei iTunes seine Kartendaten gespeichert hat, kann Apple sofort benutzen.

Zum Geschäftsmodell gehört auch ein erhöhter Datenschutz. So gibt Apple an, Die Einkäufe nicht aufzuzeichnen und auch die Daten der Kreditkarte werden nicht an den Händler übertragen. Die Zahlung geschieht mithilfe eines vom Server generierten Einmal-Codes, sodass Missbrauch Weniger wahrscheinlich als bei anderen bargeldlosen Zahlverfahren ist.

Kulturelle und wirtschaftliche Besonderheiten

Kurz und gut: Apple zeigt der Konkurrenz, wie man ein einfaches und sicheres mPayment-Verfahren technisch, ergonomisch und organisatorisch auf die Reihe bekommt. Aber garantiert das auch den Erfolg? In den USA sehr wahrscheinlich, aber in anderen Ländern ist das durchaus fraglich.

Denn Apple Pay berücksichtigt weder die kulturellen noch die wirtschaftlichen Besonderheiten anderer Länder, sondern ist ganz an US-Verhältnisse angepasst. So ist zum Beispiel die Ausrichtung auf eine Kreditkarte wenigstens in Deutschland kein Erfolgsgarant.

Kreditkarten sind nicht besonders verbreitet und werden nur von wenigen Besitzern für die bargeldlose Zahlung im Ladengeschäft genutzt. Eine Vielzahl von Kreditkartennutzern hat die Karten lediglich für Auslandsaufenthalte und Online-Einkäufe.

US-Bürger haben in der Regel mehrere Kreditkarten, die sie für ganz unterschiedliche Zwecke benutzen und teils sogar ihren Lohn darauf gutgeschrieben bekommen. Es gibt schlicht und einfach nicht das ausgefeilte Girokontensystem Deutschlands.

Hierzulande ist die Abrechnung über ein häufig kostenloses Girokonto und die zumeist ebenso kostenlose bargeldlose Zahlung via Girocard bei praktisch allen Bürgern etabliert. Mit der Ausnahme von Internet-Marketern und Social-Media-Beratern werden vermutlich nur wenige Leute den Sinn eines zusätzlichen Zahlungssystems sehen. In den USA ersetzt Apple Pay dagegen die Kreditkarte und macht sie dadurch komfortabler.

Ein weiterer kultureller Unterschied: Bargeld hat in Deutschland (und in Europa) einen ganz anderen Stellenwert als in den USA. Bislang ist es immer noch ein weithin benutztes und von vielen Leuten sogar bevorzugtes Zahlungsmittel für kleinere Einkäufe. Es gibt nicht sehr viele Leute, die regelmäßig niedrige Beträge bargeldlos bezahlen, wenn sie Münzen oder Scheine in der Tasche haben.

Ob es Apple gelingt, auch in Deutschland sein Zahlungssystem zu etablieren, ist offen. Die bisherigen Versuche von Zahlungsdienstleistern ermuntern nicht zu einer besonders optimistischen Prognose. Doch der Dienst ist zunächst nur im Mutterland der bargeldlosen Zahlung verfügbar.

Apple wird auf die größere Affinität der US-Konsumenten setzen, um den Dienst auszubauen und zu verbessern. Bis dahin hat die deutsche und europäische Konkurrenz noch eine gute Chance, den Markt zu besetzen - falls die Kunden das wollen.

Bildquelle: I-vista / pixelio.de

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