Speed ist Trumpf

Big Data als Performance-Kicker im Motorsport

Das GW IT Racing Team Schütz nutzt Spezialsoftware, mit der die Teammitglieder Renndaten analysieren und anschließend Tipps an ihre Fahrer geben können.

  • Das GW IT Racing Team Schütz startet 2014 mit zwei Porsche 911 GT3 R in der Rennserie ADAC GT Masters.

  • Bei widrigen Bedingungen konnte das Team im niederländischen Zandvoort einen Doppelsieg einfahren.

  • Jedes Auto muss mit zwei Fahrern besetzt sein, wobei sowohl Amateur- als auch Profifahrer zugelassen sind.

Rennställe investieren Unsummen in die Performance ihrer Fahrzeuge – nicht nur in leistungsstarke Motoren, windschnittige und leichte Karosserien oder in optimale Reifen, sondern auch in innovative IT- und Elektroniksysteme zur Steuerung und Kontrolle. „Motorsport ist deshalb sehr teuer“, weiß Axel von Dielingen vom GW IT Racing Team Schütz, einem der Underdogs bei der Rennserie ADAC GT Masters. „Wir verfügen nur über einen Bruchteil des Budgets der großen Teams und müssen daher strikt haushalten.“

Um dennoch vorn mitzufahren in der Bundesliga des deutschen Autorennsports wie zuletzt im Mai beim spektakulären Doppelsieg im Regenrennen von Zandvoort, bleibt neben Teamspirit, viel Arbeit und wenig Schlaf vor allem der gezielte IT-Einsatz. Hier spricht von Dielingen gern vom AAL-Prinzip – „Andere Arbeiten lassen“. Mit „Andere“ meint er vor allem den unermüdlichen Computer und nutzt dabei die Softwaretechnologie von Geyer & Weinig, die eigentlich für Performance-Optimierung, IT-Qualitätsverbesserung und Troubleshooting bei Ausfällen der IT gedacht ist.

Ein Porsche als mobiles Endgerät

Dem Motorsportteam kommt entgegen, dass die Architektur der Service-Management-Suite von vorneherein darauf ausgelegt ist, die unterschiedlichsten Komponenten der IT-Infrastruktur großer Unternehmen zu überwachen – vom zentralen Server über die Netzwerke bis hin zum PC oder Smartphone des Endbenutzers. So war es auch ohne weiteres möglich, diese Liste um ein ganz „spezielles“ mobiles Endgerät zu erweitern: Die Porsche-Fahrzeuge des Rennteams.

So hilft die Software jetzt – mit speziellen Agenten – bei der Optimierung der Rennwagen des GW IT Racing Team Schütz und bei der Unterstützung der Fahrer. In jeden Boliden sind mehrere „Data Logger“ und Videokameras eingebaut, die jeden einzelnen Handgriff des Fahrers und jede Aktivität des Autos in hoher Frequenz aufzeichnen, z.B. die Drehzahl des Motors, die Fußposition auf Gas und Bremse, den Einschlagwinkel des Lenkrads, die Position auf der Rennstrecke oder die Drehgeschwindigkeit aller vier Räder. Die Software kann über Agenten bereits vorhandene Quellen mit aktuellen Performance-Daten anzapfen, darunter auch externe Systeme wie das „Live-Timing“ des Veranstalters, um Daten anderer Teams für Vergleiche heranzuziehen.

„Weil all diese Daten für beide Fahrzeuge des Rennteams erfasst und gespeichert werden, produzieren wir enorme Datenmengen, die sich von Jahr zu Jahr verdoppeln“, berichtet IT-Experte von Dielingen. Waren es 2012 noch 2 TB und 2013 dann 4 TB pro Rennen, sind es diese Saison bereits 8 TB. Diese Daten werden auf SD-Karten im Auto gespeichert und nach dem Training bzw. Rennen in der Box ausgelesen, da Telemetrie – die Online-Übertragung der Daten und ihre Online-Auswertung in der Box – in dieser Rennklasse anders als in der noch wesentlich kostspieligeren Formel 1 verboten ist.

Datenanalysen für das Feintuning

Der Vorgang der Datenübertragung auf die Server ist ebenfalls weitestgehend automatisiert. Der SD-Kartenreader erkennt automatisch, von welcher Kamera bzw. welchem Logger die Daten auf der Karte stammen – und speichert sie korrekt im Server ab. Damit das schnell vonstatten geht, stehen auch einige Server – Peer-to-Peer-vernetzt –an der Rennstrecke. Außerdem soll dies die Datenanalyse vor Ort beschleunigen.

Nach nach dem Training folgen dann die Uploads der rund 0,5 bis 1 TB großen Messdaten zum Abgleich in die Datenbank der Zentrale. Diese Daten können dann sofort für das Feintuning des Autos genutzt werden, liefern aber auch Hinweise für die Fahrer. Denn die Auswertung der Trainingszeiten zeigt sofort, wo und wie ein Fahrer in der Runde Zeit gewinnt oder verliert – im Vergleich zum anderen Fahrzeug oder zu früheren Runden.

Wertvolle Tipps aus der Datenbank

Zwar gibt es beim ADAC GT Masters keine Datenanalysen in Echtzeit. Aber weil der Funkkontakt zum Fahrer auch während des Rennens erlaubt ist, können die Techniker bei bestimmten Ereignissen auf Basis der Daten aus dem Live-Timing blitzschnell Analysen vornehmen und dem Fahrer wertvolle Tipps geben, etwa zum taktischen Verhalten im Rennen.

Im Motorsport geht es letztlich nur um Geschwindigkeit – auch bei der Interpretation bestimmter Rennsituationen. Dabei sind visuelle Analysen der Renndaten das wichtigste Hilfsmittel. Für diese gibt es entsprechende Tools, mit denen Techniker und Fahrer auch neue Zusammenhänge erkennen können – und all das unter hohem Zeitdruck. Denn am Rennwochenende hat man nur wenig Gelegenheit zur Performance-Optimierung. Und wer diese Optimierungsaufgaben am besten umsetzt, kommt schneller ins Ziel.

 

 

GW IT Racing Team Schütz und die ADAC-GT-Masters

Seit 2012 gehört das Team zur „Liga der Supersportwagen“ – der ADAC GT Masters. Diese deutsche Automobilrennserie mit Sportwagen der Klasse GT3 wurde im Jahr 2007 erstmals ausgetragen.

Zugelassen sind alle nach GT3-Reglement aufgebauten und von der Fédération Internationale de l’Automobile homologierten Fahrzeuge. Jedes dieser Autos wird vor der Saison von einem von der FIA bestimmten Fahrer getestet und u.a. mit Motorenbegrenzungen nivelliert, um alle Fahrzeuge auf ein gleiches Niveau zu bringen. Dies soll Chancengleichheit garantieren. Die Fahrzeuge werden – abhängig von der Einstufung der Fahrer – außerdem mit Zusatzgewicht belegt. Gefahren wird mit Einheitsreifen.

Im Jahr 2012 war das GW IT Racing Team Schütz als Neueinsteiger das Überraschungsteam und landete auf dem 3. Platz. Nachdem es 2013 aufgrund einiger technischer Ausfälle nicht so gut lief, startet man in diesem Jahr erstmals mit zwei Porsches in die Saison und hat sich einiges vorgenommen. Aus einer gemeinsamen Leidenschaft entstand längst eine echte Partnerschaft zwischen Motorsport und IT.

www.schuetzmotorsport.de
www.gwtel.de
www.adac-gt-masters.de

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