02.08.2017 Telefónica Next und Intraplan: Bewegungsströme anhand von Mobilfunkdaten

Big-Data-Analysen für Verkehr in München

Anonymisierte Mobilfunkdaten aus dem Netz von Telefónica Deutschland geben Auskunft über das Verkehrsaufkommen in München.

München

Anonymisierte Mobilfunkdaten aus dem Netz von Telefónica Deutschland geben Auskunft über das Verkehrsaufkommen in München.

In München werden nach Schätzungen der Stadt bis Ende 2030 rund 1,8 Millionen Menschen leben, 16 Prozent mehr als 2015. Das resultiert in mehr Autos auf den Straßen und einem höheren Bedarf an öffentlichen Verkehrsmitteln. Für eine nachhaltige Verkehrsplanung sind Städte und Verkehrsbetriebe auf präzise Daten angewiesen. Bisherige Erhebungen sind allerding aufwendig und geben stark situationsbedingte Schwankungen oftmals nicht genau wieder.

Der Telefónica Next hat gemeinsam mit Intraplan, einem Beratungsunternehmen im Verkehrssektor, detaillierte Datensätze für die Verkehrsplanung in München entwickelt. Die Erkenntnisse sollen künftig bisherige Analysen ergänzen. Basis sind Mobilfunkdaten, die im Regelbetrieb entstehen und über ein Tüv-zertifiziertes Verfahren anonymisiert sind. So ist kein Rückschluss auf Einzelpersonen möglich. Die Entwicklung des Verfahrens erfolgte in Abstimmung mit der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Täglich entstehen auf diese Weise bundesweit mehr als fünf Milliarden Datenpunkte. In einem Forschungsprojekt hat auch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation erst kürzlich das Potential dieser Mobilfunkdaten für die Verkehrsplanung bestätigt.

Intraplan verfügt über verkehrsspezifische Erfahrung, insbesondere auch in München. Für die Münchner Region haben die Experten in den vergangenen Monaten eine detaillierte Datenbasis aufbereitet. Damit sind diverse Analysen möglich, beispielsweise die Unterteilung nach Verkehrsmitteln wie Bus, S-Bahn oder Auto, nach Pendlern oder Details zum grenzüberschreitenden Verkehr Richtung Österreich.

Mehrwert der neuen Analysen für die Verkehrsplanung

„Wir verfügen über ein riesiges Datenaufkommen, von dem die Gesellschaft unmittelbar profitieren kann. Deshalb sollte es nicht ungenutzt bleiben“, sagt Robert Erdmann, Senior Practice Leader für Transport Analytics bei Telefónica Next. „Wir haben zusammen mit Intraplan unter anderem für die Region München die vorhandenen Daten zeitlich und räumlich sehr detailliert aufbereitet. Sie bieten einen echten Mehrwert für die Verkehrsplanung.“

„Die entscheidende Schwäche von klassisch modellierten Verkehrsströmen war immer die Verkehrsverteilung, also die Verknüpfung von Quellen und Zielen“, sagt Dr. Markus Schubert, Geschäftsführer der Intraplan Consult GmbH in München. „Die Verkehrsmengen, die Verkehrsmittelwahl und auch die Routenwahl sind hingegen zuverlässig modellierbar. Genau diese Erkenntnislücke lässt sich nun mit den Mobilfunkdaten schließen. Mittelfristig werden Analysen der Verkehrsverteilung auf Basis von Mobilfunkdaten daher die klassische Modellierung für diesen Schritt ersetzen.“

Zunehmender Verkehr zum Stadion

Die beiden Unternehmen haben eine aktuelle Verkehrssituation in München betrachtet, um beispielhaft die Analyse- und Prognosemöglichkeiten auf Basis von anonymisierten Mobilfunkdaten bei einzelnen Events aufzuzeigen: Mit dem Spiel gegen Wacker Burghausen am 21. Juli 2017 kehrte der Fußballverein TSV 1860 München nach zwölf Jahren ins Stadion an der Grünwalder Straße zurück. Doch was bedeutet das aus verkehrlicher Sicht?

Intraplan analysierte für die beispielhafte Prognose ein zuschauerstarkes Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg im Februar 2017 in der Allianz Arena. Aus den anonymisierten Mobilfunkdaten berechneten die Verkehrsexperten Bewegungsströme rund um das Stadion und ermittelten die Start- und Zielpunkte der Reisen. In einem zweiten Schritt wurde die Analyse der genutzten Verkehrsmittel ergänzt.

Anschließend wurde die künftige Situation modelliert: die Herkunft und die Ziele der Zuschauer des Spiels in der Allianz Arena wurden beibehalten, aber das Stadion fiktiv durch das an der Grünwalder Straße ersetzt. Dadurch ließen sich die künftigen Wege der Fußballfans berechnen. Dabei berücksichtigten die Verkehrsexperten natürlich, dass das Stadion kleiner ist und entsprechend weniger Zuschauer fasst.

Erkenntnisse über Verteilung von Besuchern

Die Ergebnisse der Untersuchung decken sich mit den Erwartungen und groben Beobachtungen beim ersten Spiel der Sechz‘ger im Stadion an der Grünwalder Straße. Das zeigt, dass die berechneten Bewegungsströme auch für spezielle Ereignisse eine valide Datenbasis für die Verkehrsplanung bilden.

Was die Datenanalyse aber darüber hinaus ermöglicht, sind Erkenntnisse über die Verteilung in die Verkehrsnetze und Analysen über Start und Ziel der Besucher, z. B. die Umsteiger der U1. Derartige Erkenntnisse sind über alternative Methoden kaum oder nur sehr aufwendig zu ermitteln. Auch weitere spezielle Fragestellungen zur Verkehrsverteilung lassen sich mithilfe der neuen Datenbasis beantworten.

Datenanalyse hilft auch Flughäfen oder Einkaufszentren

Solche situativen Analysen sind nur ein Beispiel, wie der detaillierte Datensatz für München bei der Verkehrsplanung unterstützen kann. Neben Gemeinden oder Verkehrsbetrieben ist die Datenanalyse auch für Verkehrsanlagen (z.B. Bahnhöfe und Flughäfen) oder andere Einrichtungen mit hohem Verkehrsaufkommen (z.B. Einkaufszentren und einzelne Veranstaltungen) hilfreich. Nach der erfolgreichen ersten Analyse für München will Telefónica Next gemeinsam mit Intraplan die Datenanalyse auf weitere Regionen und andere Anwendungsfälle ausweiten.


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